Den emotionalen Zugang zum Publikum suchen

Von der Schweiz bis zur Ukraine: Die Leipziger Buchmesse wird in diesem Frühjahr besonders politisch. Von Birgit Zimmermann

Der Blick nach Osteuropa und das Gastland Schweiz geben der Leipziger Buchmesse in diesem Jahr einen unerwartet politischen Anstrich. Aber an einem ändert sich nichts: Der Star der Messe ist das Buch.

Zur Leipziger Buchmesse (13. bis 16. März) wird es politisch. Zwar ist das Frühjahrstreffen der Buchbranche immer ein buntes Lesefest mit Krimi-Nacht und Comic-Convention, aber die Wahl des Gastlandes Schweiz und der traditionelle Osteuropa-Schwerpunkt lenken in diesem Jahr den Blick auf brisante aktuelle Themen. Da ist das viel kritisierte Votum der Schweizer für eine Begrenzung zur Zuwanderung, da sind die Proteste in der Ukraine. „In diesem Jahr ist Leipzig die Bühne für besonders viele politische Autoren und Themen“, erklären die Programmmacher.

Laut Messe-Direktor Oliver Zille wird Juri Andruchowytsch nach Leipzig kommen. Der ukrainische Schriftsteller und Träger des Leipziger Buchpreises zur Europäischen Verständigung 2006 wolle über die politischen Verwerfungen in seinem Heimatland sprechen. Mit Katja Petrowskaja („Vielleicht Esther“) steht zudem eine Autorin auf der Shortlist für den Preis der Leipziger Buchmesse, die 1970 in Kiew geboren wurde.

Außerdem sind in der Kategorie Belle-tristik nominiert: Fabian Hischmann („Am Ende schmeißen wir mit Gold“), Per Leo („Flut und Boden: Roman einer Familie“), Martin Mosebach („Das Blutbuchenfest“) und Sasa Stanisic („Vor dem Fest“). Der renommierte Literaturpreis wird zum zehnten Mal verliehen. Im vergangenen Jahr gewann David Wagner („Leben“). Mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung wird der indische Publizist Pankaj Mishra für sein Werk „Aus den Ruinen des Empires. Die Revolte gegen den Westen und der Wiederaufstieg Asiens“ ausgezeichnet.

Auch der „Auftritt Schweiz“ erhält durch den Erfolg der Zuwanderungsgegner einen unerwartet politischen Anstrich. Dani Landolf, Geschäftsführer des Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verbandes (SBVV), nennt den Ausgang der Volksabstimmung „für die meisten in der Kulturwelt einen Schlag ins Gesicht“. Er hoffe, mit dem „Auftritt Schweiz“ einen Gegenpunkt setzen zu können. Etliche der mehr als 80 Schweizer Autoren, die nach Leipzig kommen werden, sind Einwanderer. Dazu zählt die 1977 in Berlin geborene Henriette Vásárhelyi ebenso wie Catalin Dorian Florescu (46), der aus Rumänien in die Schweiz kam.

Abseits der aktuellen politischen Diskussion steht auch in diesem Jahr wieder das Lesen im Mittelpunkt der Leipziger Buchmesse. Zum Lesefestival „Leipzig liest“ werden 3 000 Autoren und Mitwirkende erwartet. Sie laden an 410 Orten in der Stadt zu Lesungen, Vorträgen oder Poetry Slams ein. Die Besucher haben die Qual der Wahl aus 3 200 Veranstaltungen. Messe-Chef Zille betont, dass die Buchmesse stets einen emotionalen Zugang zum Publikum suche. Deswegen gibt es neben akademischen Debatten ein vielfältiges Programm rund ums Buch.

Da passt es auch ins Bild, dass es für die große Besuchergruppe der Manga- und Comic-Fans in diesem Jahr erstmals eine eigene, parallele Messe geben wird. Die Manga-Comic-Convention biete eine „eigene Einflugschneise zur Buchmesse“für das junge Publikum, aber auch für Familien, sagt Zille. Die Ausstellungsfläche wuchs durch die Convention von 69 000 auf 84 500 Quadratmeter.

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