Das war dann mal 2012

Ein kurzer Abschied von einem schnellen Jahr. Von Stefan Meetschen
Foto: IN | Die Welt ist 2012 nicht untergegangen. Ein neues Jahr kommt.
Foto: IN | Die Welt ist 2012 nicht untergegangen. Ein neues Jahr kommt.

Am Ende ging es ganz schnell. Der Hurrikan „Sandy“ fegte über die US-Ostküste und Präsident Barack Obama für eine weitere Amtszeit ins Präsidentenamt. Dann richteten sich die Augen der Welt auf den angeblich bevorstehenden Weltuntergang, der aber ausblieb, weil sich das Ende, wie bereits Jesus wusste, nicht vorhersagen lässt. Auch nicht von den Mayas, die zwar das Rad erfunden haben, aber weit vor ihrem eigenen Kalenderende zurückblieben.

Ach ja. Das Rad neu erfinden. Viele haben es auch dieses Jahr wieder versucht. Nicht alle waren dabei erfolgreich. Ganz sicher nicht die „Piraten“, die als politische Shooting-Stars ins Jahr 2012 stachen und mittlerweile, wie die Umfragewerte belegen, ziemlich abgesunken sind. Wird die neugegründete christliche AUF-Partei Anfang 2013 mit frischerem Wind lossegeln? Ein bisschen mehr Familienwerte-orientierte Substanz täte der demokratischen Meeresenge sicher gut, wie die 2012 schier endlos andauernden (und jetzt hoffentlich beendeten) Beschneidungs- und Betreuungsgeld-Debatten gezeigt haben. Warum sind die Deutschen nur so kleinkariert, wenn es um ihre eigene Zukunft geht? Warum so provinziell, wenn weltoffene Gelassenheit gefragt ist? Dabei lieben sie doch jenseits von Ordnung und perfekt organisierter Spaßkultur auch den frischen Wind, überraschende Spontanität. Zumal 2012. Durchaus kann dieses Jahr als das Jahr des spektakulärsten Bundespräsidenten-Wechsels ins kollektive Gedächtnis gehen. Vom Taxi ins Schloss Bellevue. Donnerwetter! Das Schicksal oder der politische Wille sorgen manchmal für lustige Zeremonien.

Leider nicht nur. Erschütternde Schiffs- und Busunglücke gab es in Italien und der Schweiz. Die Bilder der havarierten Costa Concordia vor der italienischen Insel Giglio wird man so schnell nicht vergessen. Auch nicht den pomadigen Kapitän des Schiffes, Francesco Schettino, der nicht als Letzter zurückbleiben wollte, sondern als einer der ersten aufs Rettungsboot eilte. Der Mensch – ein dunkles Wesen, wie schon Goethe sagte. Genauer: „Er weiß nicht, woher er kommt, noch wohin er geht, er weiß wenig von der Welt und am wenigsten von sich selber.“ So ähnlich konnte man sich nach dem abrupten Fußball-EM-Aus gegen Italien fühlen, nach dem schlechten Abschneiden der Schwimmer bei den Olympischen Spielen und mit Blick auf Michael Schumacher auch bei der Formel Eins. Immerhin: Dank Sebastian Vettels Aufholjagd bleibt Deutschland wenigstens in dieser Disziplin Weltspitze. Und das, seien wir ehrlich, mögen wir doch am meisten.

Wenn auch nicht um jeden Preis. Jan Ullrich zum Beispiel lehnte den verspäteten Gewinn der Tour de France dankend ab. Edle Einfalt, stille Größe? Doping-Helden wie er und Lance Armstrong zwingen die Verantwortlichen, wenn schon nicht das Rad, so doch zumindest den Radsport neu zu erfinden. Ob das geht? Auch so eine offene Frage für 2013. Wie natürlich auch die Frage nach der Zukunft Europas, die 2012 viel Schweiß, Nerven und vor allem Geld kostete. Mittlerweile kann man kaum noch die Euro-Rettungsschirme zählen, geschweige denn die wechselnden griechischen Politiker. So schnell ändern sich Macher und Mechanismen. Von Stabilität keine Spur, nirgends. Woran die Medien nicht ganz unschuldig sind. Wer gestern noch eine Samstagabend-Show-Legende war, landete 2012 bereits auf Casting-Show-Niveau. Wer als vielversprechendes Talent gilt, kann morgen schon ein alter Hut sein.

Liegt darin nicht die sanfte Melodie des Jahres? Das heimliche Leitmotiv? Sic transit gloria mundi? Klaus Wowereit, gestern noch hipper Polit-Partymeister, heute Hauptstadtflughafen-Bruchpilot. Oder: Norbert Röttgen. Gestern noch Muttis Kronprinz, heute schon Mr. Oh-No!-body. Enthoben und enthauptet vor allen Kameras der Republik. Eine Rolle, für die sich Philipp Rösler, Kurt Beck und Peer „Wer wird Vortrags-Millionär?“ Steinbrück vielleicht schon warmlaufen. Wer weiß das schon? „Man muss die Jahre wägen, nicht nur zählen“, hat Sigmund Graff geschrieben. Wird weiter versucht. Trotz aller Beschleunigung.

Themen & Autoren

Kirche