Das linksliberale Profil bleibt erhalten

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ hat die „Frankfurter Rundschau“ übernommen. Von Alexander Riebel
Foto: dpa | Tobias Trevisan (von links), Geschäftsführer der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, Arnd Festerling, Chefredakteur der „Frankfurter Rundschau“, und Hans Homrighausen, Geschäftsführer der ...
Foto: dpa | Tobias Trevisan (von links), Geschäftsführer der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, Arnd Festerling, Chefredakteur der „Frankfurter Rundschau“, und Hans Homrighausen, Geschäftsführer der ...

Die „Frankfurter Rundschau“ gehört jetzt zur „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Im vergangenen November hatte die „Rundschau“ nach jahrelanger Krise Insolvenz angemeldet, zuletzt lag die Höhe der verkauften Exemplare nur noch bei 65 000 Zeitungen im Einzelverkauf und im Abonnement. In den neunziger Jahren waren es noch 190 000 Exemplare. Durch die Zusammenlegung soll die Zeitung wieder eine Zukunft haben, ihr linksliberaler Kurs wird beibehalten.

Die „Frankfurter Rundschau“ zitierte am 1. März, dem Tag der Fusion, den FAZ-Geschäftsführer Tobias Trevisan, der den Grund für die auf den ersten Blick erstaunliche Verbindung der verschiedenartigen Blätter angab: „Wir respektieren die Demokratie – in einer Demokratie gibt es unterschiedliche Meinungen.“ Aber geht es wirklich nur um Meinungsvielfalt? Die linksgerichteten Zeitungen sind ja ohnehin eindeutig in der Mehrheit. Auf Anfrage sagte der Leiter der Unternehmenskommunikation der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, Andreas Tazl, gegenüber der „Tagespost“, es gebe natürlich auch wirtschaftliche Gründe. Denn die „Rundschau“ soll künftig verstärkt regional ausgerichtet sein, aber mit Blick auf die Republik. Und da fällt dann das Anzeigengeschäft im Rhein-Main-Gebiet besonders ins Gewicht, Tazl sagte: „Alle Anzeigenkunden werden bedient.“ Damit haben die beiden Zeitungen, die Rhein-main-Ausgabe der FAZ und die FR in ihrem Raum eine Monopolstellung im Anzeigengeschäft, indem sie mit ihren verschiedenen Ausrichtungen das Gebiet abdecken, ohne sich Konkurrenz zu machen. Die Anzeigenakquise wird für die „Rundschau“ von der FAZ und der Rhein-Main-Media übernommen.

Nicht nur der politische Kurs der „Frankfurter Rundschau“ bleibt erhalten, auch die Kernredaktion von 28 Redakteuren. Die Zahl der Mitarbeiter soll wachsen, bis Ende des Jahres sollen es 40 Journalisten des Pressedienstes Frankfurt (PDF) sein. Der Dienst soll auch alle Redakteure für die Außenredaktionen im Rhein-Main-Gebiet stellen. Und die überregionalen Seiten wird weiterhin die DuMont-Redaktionsgemeinschaft in Berlin beisteuern, wie die „Rundschau“ erklärt. Der Sitz des Verlagshauses wird sich allerdings ändern, jedoch nicht vor Ende Mai. Dann wird der Verlag vom Karl-Gerold-Platz in Sachsenhausen in die Frankenallee im Gallus in die Gebäude der Frankfurter Societät GmbH ziehen. Sie ist auch der größte Gesellschafter der „Frankfurter Rundschau GmbH“ mit 55 Prozent der Anteile, die „Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH“ hält 35 Prozent und die Karl Gerold Stiftung zehn Prozent. In der Stiftungsverfassung hatte Karl Gerold vor seinem Tod 1973 festgeschrieben, dass die „Stiftung von ihm ,bestimmt‘ ist, die Haltung der ,Frankfurter Rundschau‘, wie sie von ihm als Herausgeber, Verleger und Chefredakteur geprägt ist, zu erhalten. Nach seinem Willen soll sie sein und bleiben eine unabhängige, politisch engagierte, links-liberale Tageszeitung, verpflichtet dem Geist des Grundgesetzes und den Menschenrechten und ständig eintretend für das unbedingte Prinzip der Demokratie und für die soziale Gerechtigkeit.“ Für die Stiftung ist heute wichtig: „Für uns ist entscheidend, dass die FR nicht einfach vom Markt verschwindet.“ Die Stiftung wird bei der Wahl künftiger Chefredakteure der „Frankfurter Rundschau“ eine gleichberechtigte Mitsprache haben. Der jetzige Chefredakteur Arnd Festerling soll noch für eine Übergangszeit Chefredakteur bleiben und dann bei der Suche nach einem Nachfolger helfen. Er selbst will dann als Redakteur in der Redaktion arbeiten.

Wirtschaftlichen Erfolg für die „Rundschau“ versprechen sich die beiden Schwesterverlage davon, im Druck- und Verlagsbereich zusammenzuarbeiten und die angeschlagene FR von „Fixkosten“ zu befreien. Das soll die Zeitung laut FAZ wieder befähigen, „wirtschaftlich“ geführt zu werden. Auch könnte die Rundschau wieder ihr altes großes Format zurückbekommen; Gespräche darüber sind im Gange.

300 Mitarbeiter der „Frankfurter Rundschau“ haben nach Angaben des Insolvenzverwalters ihren Arbeitsplatz verloren; aus der Stammredaktion bleibt jeder zweite Redakteur bei gleichem Lohn. Die Alternative wäre nur die Schließung der „Rundschau“ gewesen.

Die Zeitungskrise der vergangenen Monate greift noch weiter um sich. So wird die in Paris gedruckte „International Herald Tribune“ in „International New York Times“ umbenannt. Zwar gehört die Pariser Zeitung seit 2003 der „New York Times“, die auch redaktionell eng verbunden sind. Doch von Herbst an wird das 1887 ursprünglich als „New York Herald“ gegründete Blatt seinen Namen verlieren.

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