Das Komponieren für Gesang ist eine Herausforderung

Wolfgang Rihm, der Komponist mit philosophischem Anspruch, kurz vor seinem 60. Geburtstag. Von Martin Roeber

Der Komponist Wolfgang Rihm zählt zu den Fleißigsten seines Faches. Mehr als 400 Werke hat er bereits vorgelegt. Am 13. März feiert er seinen 60. Geburtstag.

Wolfgang Rihm gehört in die Riege der Universalgelehrten. Der Karlsruher Komponist fühlt sich in der Musik gleichermaßen zuhause wie in der Literatur und der Philosophie. Dort holt er sich die Anregungen für seine Werke wie „Oedipus“ (1986), „Séraphin“ (1994) und „Dionysos“ (2010). Seine Stilrichtungen sind vielfältig und lassen sich wohl am eindrücklichsten mit dem Titel eines englischen Filmporträts beschreiben: „A composer for all seasons“ – ein Komponist für alle Jahreszeiten. Das Verzeichnis seiner mehr als 400 Werke ist inzwischen rund 100 Seiten dick. Es umfasst nahezu alle musikalischen Gattungen, von Klavierstücken über Kammermusik bis zu Opern, Balletten und Sinfonien.

Rihm, am 13. März 1952 in Karlsruhe geboren, legte bereits im zarten Alter von elf Jahren seine ersten Kompositionen vor. Fünf Jahre später nahm Eugen Werner Velte ihn in seine Kompositionsklasse an der Karlsruher Musikhochschule auf. In den 1970er Jahren lernte er dann bei Karlheinz Stockhausen, Klaus Huber und Heinrich Eggebrecht, deren Einflüsse bis heute hörbar sind. Bereits mit 25 Jahren schrieb er die Kammeroper „Jakob Lenz“, die schnell den Weg in die Repertoires fand. Rihm selbst sieht sich vor allem durch einen Freund geprägt: den Münchner Komponisten und Lehrer Wilhelm Killmayer, der die totale Freiheit propagiert. Von ihm hat Rihm gelernt, dass er sich keinem modischen Diktat unterwerfen muss, sondern auch in Zeiten der Disharmonie wohlklingende Melodien schreiben darf. Als besondere Herausforderung sieht er das Komponieren für Gesang. „Das finde ich nach wie vor das Schwierigste, was es gibt.“

Der Einfluss der Dichtung ist bei Rihm nicht zu übersehen. So greift er für „Oedipus“ auf Texte von Sophokles, Hölderlin, Nietzsche und Heiner Müller zurück. Mit Müller entwickelt er in den 1980er Jahren auch die „Hamletmaschine“. Zudem greift Rihm selbst des öfteren zur Feder, um zu dichten, aber auch um zu zeichnen. Seine Kompositionen werden inzwischen in aller Welt uraufgeführt.

2010 feierte etwa seine Oper „Dionysos“ auf den Salzburger Festspielen einen großen Erfolg. „Lichtes Spiel“ für Violine und kleines Orchester sowie „Dyade“ für Violine und Kontrabass präsentierte er 2010 und 2011 in New York. Auch seine Auszeichnungen sind international: Er bekam Stipendien der Villa Massimo in Rom und der Cité des Arts in Paris, war Composer-in-residence in Luzern und Salzburg und erhielt 2003 den renommierten Ernst von Siemens Musikpreis. Diese Weltgewandtheit mischt sich bei Rihm mit Heimatverbundenheit.

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