Das Experiment, der Zensur zu widerstehen

Die „Cambodai Daily“ in Phnom Penh berichtet über die Katastrophe in Burma

Bernard Krisher wollte ein Zeichen setzen. Dabei löste er eine Lawine aus, eine Lawine staatlicher Repression, massiver Drohungen, aber auch von Loyalitätsbekundungen. Krisher, amerikanischer Staatsbürger und Herausgeber der in Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh erscheinenden „Cambodai Daily“, hat schon oft als experimentierfreudiger und innovativer Zeitungsmann von sich reden gemacht. Wochen, nachdem der Zyklon „Nargis“ weite Landesteile von Burma, dem heutigen Myanmar, völlig zerstörte und die Überlebenden sowohl von der Zufuhr von Nahrungsmitteln als auch von Informationen aller Art abgeschnitten waren, startete der Verleger Krisher sein kurzlebiges Experiment.

Er ließ dem „Cambodia Daily“ eine mehrseitige Beilage mit dem Titel „Burma Daily“ hinzufügen. Sie enthielt zusammengefasste Nachrichten aus aller Welt, legte den Schwerpunkt aber auch auf die aktuelle Berichterstattung über die schreckliche Katastrophe, die über dem südostasiatischem Land hereingebrochen war. Dabei kam auch die Blockadehaltung der Militärjunta in Rangun nicht zu kurz, die erst vor wenigen Tagen und Wochen nach dem Wirbelsturm die Einreise aller ausländischen Helfer erlaubte. Zu lesen war dies bislang nur in den ausländischen Medien.

In Burma ist die Presse seit Jahrzehnten geknebelt, nur gelegentlich gelingt es Journalisten, über das ebenfalls streng zensierte Internet die eine oder andere Meldung außer Landes zu senden. Seit den blutigen, von Mönchen angeführten Demonstrationen vor einem halben Jahr ist der Druck auf die Presse noch gewachsen.

Krishers Absicht war eindeutig: Er wollte kommentarlos, aber wirkungsvoll vor Augen führen, wie die Generäle die Pressefreiheit mit Füssen treten und damit ein demokratisches Grundrecht außer Kraft setzen. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Die kambodschanische Regierung ließ kurz nach der Auslieferung der „Cambodia Daily“ die Beilage konfiszieren. Regierungssprecher Khieu Kanharith, zugleich Informationsminister der Regierung Hun Sen, gab als Grund für das für kambodschanische Verhältnisse ungewöhnliche massive Eingreifen eine fehlende Erlaubnis an. Interessanter noch: Es bestehe durch das Einlegen des achtseitigen Supplements die Gefahr, dass die Beziehungen zwischen Burma und Kambodscha beeinträchtigt werden könnten.

Hier zeigten sich zwei Brüder im Geiste. Zwar darf die kambodschanische Presse relativ unbehelligt arbeiten, doch kommt es immer wieder einmal zu versteckten Drohungen und Einschüchterungsversuchen – vor allem vor Wahlen, wenn der autokratisch regierende Premierminister Hun Sen seine Macht sichern will. Mit Bernard Krisher mutigem Versuch aber hat die Regierung in Phnom Penh eine große Chance vertan. Sie hätte jetzt beweisen können, dass sie auch in dieser Situation die Pressefreiheit demonstriert. Nun aber geht der Schuss für Hun Sen nach hinten los: Mit seiner Anordnung, die Beilage zu beschlagnahmen, hat er sich in die Phalanx der brutalen Generäle in Burma eingereiht.

Bernard Krisher prangerte auf Anfrage die Beschlagnahmung als einen „Akt der Gewalt“ an. Er kritisiere die kambodschanische Regierung, weil sie ihre eigene Presse unter Zensur stelle und damit auf die Wünsche Burmas eingehe. Einer der Gründe für die Beilage sei gewesen, sagte der Verleger, die Pressefreiheit in Burma zu fördern. In der ersten Beilage war ein Interview erschienen, dass Krisher vor einigen Jahren mit der unter Hausarrest stehenden burmanischen Oppositionsführerin Auung San Suu Kyi geführt hatte.

Der Club kambodschanischer Journalisten verurteilte das Vorgehen des Informationsministeriums ebenso scharf wie der Direktor von Human Rights Watch in Asien, Brad Adams, der die Beschlagnahmung der Beilage „Burma Daily“ als einen Skandal bezeichnete.

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