Computer am Ende

Apple stellt das neue iPad vor und entfacht

damit eine Diskussion über den PC

Nun ist es also soweit: Noch während am Computer Artikel über das Ende einer Ära entstehen, ist diese Technik schon dem Niedergang geweiht. Die FAZ ruft das Ende des PC aus. Auslöser ist die neueste Erfindung von Apple: Das iPad. Unhandliche Rechner und überdimensionale Bildschirme, Laptop und Notebook, selbst das internetfähige iPhone, haben ihre besten Zeiten hinter sich. Denn das neue iPad ersetzt sie alle – zumindest laut Apple-Chef Steve Jobs. Am vergangenen Mittwoch präsentierte er seine neueste Erfindung in Los Angeles. Flach und klein, im Notizbuchformat, und ohne Tastatur ist das neue Modell. Und das ist erst die äußere Hülle. Aber egal, ob klein oder groß, auch durch das Cyberspace sei eine Begegnung mit Gott möglich, ist die Meinung von Pater Frederico Lombardi. Für Blogger Neven Morgan ist der neue iPad die Befreiung des Menschen schlechthin.

Ein Wandel im äußeren Design der Computer ist schon länger festzustellen. Möglichst klein und leicht muss er sein, der PC von heute. Und dem entspricht der neue iPad auch aufs Genaueste: 25 Zentimeter groß, 1,2 Zentimeter dick, zehn Stunden Akkulaufzeit und ein berührungsempfindlicher Bildschirm -um nur einige technische Details zu nennen. Aber nicht nur das Aussehen hat sich verändert: Multimedial ist das Notebook von heute. Es vereint Telefon, Fernseher, Zeitung, Stereoanlage. Wofür früher vier oder mehr Geräte benötigt wurden, gibt es heute eines. „Der Wandel in der Art und Weise, wie wir Computer benutzen, hat die Computer alter Schule zu Dinosauriern gemacht. Ein sperriger Bildschirm, der mit einer sperrigen Tastatur verbunden ist, passt nicht länger zu den Dingen, die wir mit unseren Computern machen wollen. Das Veralten des PCs hat die Nachfrage nach einer neuen Art von Gerät beschleunigt – tragbar, flexibel, immer verbunden –, das die Computernutzung in ganz neue Höhen befördert“, schreibt Wissenschaftspublizist Nicholas Carr auf faz.net.

Noch Mitte der 90er Jahre stand Apple kurz vor dem Aus. Der PC war zum Gebrauchsgegenstand geworden, Konsumenten bevorzugten billigere Modelle. Design spielte keine Rolle. Spätestens seit dem iPod, dem Urenkel des Walkmans, ist Apple wieder ganz oben. Seit einigen Jahren ist die amerikanische Firma Vorreiter für neues Design und neue Betriebssysteme. Das iPad liegt da auf einer Linie mit iPod und iPhone. „Man muss es sich so vorstellen: Ein neues Gerät wird präsentiert, und innerhalb von Sekunden wird eine ganze Ideologie in Frage gestellt. Wann hat es das jemals gegeben?“, fragt FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher. Die Frage ist aber nicht nur wann, sondern vor allem: Warum? Die Antwort liegt im Innern des Tablet-PCs: Bezahlte „Apps“ ersetzen den freien Zugriff auf Internetinhalte. Zwar bezahlt der Nutzer schon jetzt Gebühren für den Internetanschluss und auch einige Angebote sind kostenpflichtig, aber das Abrufen von Seiten ist noch immer weitgehend kostenlos.

Diese freien Inhalte („free economy“) entwickelten sich aus einer Debatte der „open-Source“-Bewegung. Viele Informatiker stellten fest, dass nur der freie Austausch der Daten zur Vervollkommnung der Technik beitragen könne. Überlässt man die zukünftige Entwicklung allein Apple, wird sich dies ändern. Nicht mehr über freie Browser bewegt man sich dann durchs Netz, sondern über Apps, die vorher gekauft werden müssen. Das iPhone besitzt bereits diese Technik. Dort gibt es Apps für Spiele, Nachrichten, Wetterberichte und vieles mehr. Langfristig würde diese Entwicklung auch das Verhalten der Konsumenten verändern. Denn wer für Online-Dienste bezahlen muss, überlegt sich gut, ob er diese Dienste überhaupt benötigt. Und auch der Zugriff auf illegale Seiten wäre damit erschwert. Überhaupt verspricht Steve Jobs den Nutzern mehr Übersichtlichkeit und Einfachheit. Die Diskussion, die Apples Neuerscheinung ausgelöst hat, ist aber längst nicht mehr nur technischer Art. Sie hat den Menschen als Ganzes erfasst. Weg vom Gebrauchsgegenstand ist der PC zum ständigen Begleiter vieler Menschen geworden. Zum Portal in die Welt, Plattform für Kommunikation und Unterhaltung. Bei der Arbeit und in der Freizeit. Deswegen war es wohl auch der Fall, dass sich Blogger Neven Morgan nach der Vorstellung des iPad einer neuen Freiheit gegenübersah: „Und ein großes Leuchten erschien auf meinem befreiten Antlitz, und eine Stimme sprach mit Donnerworten: Du bist frei. Frei davon, sinnlos Präferenzen einzustellen und frei von quälenden Fingerübungen.“ Inwieweit das neue iPad den Menschen zur Freiheit führen kann, ist eher fraglich.

Die Kirche indes verschließt sich nicht dem „neuen“ Medium Internet: Pater Frederico Lombardi, Leiter des Päpstlichen Pressesaals, betonte in der vergangenen Vatikan-Fernsehsendung „Octava Dies“ das Potenzial des Internets für die Evangelisierung. Vor der zu großen Freiheit warnte er hingegen: „Der Gläubige, der begeistert und mutig in die Welt der sozialen Kommunikation vordringt, die jeden Tag vor außergewöhnlicher technischer Neuheiten nur so überschäumt, vom iPod über das iPhone bis zum iPad, muss das Ziel, das ihn lenkt, kennen, damit er nicht in der Faszination für die Mittel gefangen bleibt und sich verliert.“ Ausgehend von der Botschaft Papst Benedikts XVI. zum 44. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel lud Frederico Lombardi zu einem offenen und verantwortungsbewussten Umgang mit der Technik ein. „Das iPad wäre ideal für einen dreihändigen Menschen – zwei Hände, um es zu halten und eine weitere, um den Touchscreen zu bedienen – aber die meisten Menschen haben nun einmal leider nur ein Paar Hände“, meint Nicholas Carr. Gut, dass der Mensch neben zwei Händen auch noch den freien Willen bekommen hat.

Themen & Autoren

Kirche