Christliche Medien müssen stärker in die Gesellschaft wirken

Glaubenstag im unterfränkischen Schloss Löwenstein mit Bischof Hofmann und einem Besuch von Radio Horeb. Von Alexander Riebel

Im zunehmenden Werteverfall der Gesellschaft wird die Stimme der Kirche immer wichtiger. Sie muss durch die beinahe unübersehbare Vielfalt der Medien dringen, um die Menschen zu erreichen – eine Her-ausforderung, der sich christliche Medien in den kommenden Jahren verstärkt stellen müssen. Um christliche Medien und die Wirtschaft ins Gespräch zu bringen, hat Stephanie Erbprinzessin zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg Radio Horeb und den Bund katholischer Unternehmer (BKU) zu einem Glaubenstag in das Schlosses Löwenstein in das unterfränkische Kleinheubach eingeladen, wie sie gegenüber der „Tagespost“ am Wochenende erklärte. Sie wollte die katholischen Kräfte bündeln, wobei ihr der Geist der römischen Kirche besonders am Herzen liege. Zu diesem Treffen war auch der Bischof von Würzburg, Friedhelm Hofmann, zu einem Pontifikalamt und zu einer Rede über Medien und Kirche eingeladen.

Die frohe Botschaft soll nicht nur in den Herzen getragen werden, sondern auch, wie durch Radio Horeb, in den christlichen Medien verkündet werden – mit diesen Worten leitete Alois Konstantin Fürst zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg den Glaubenstag ein. In der anschließenden Predigt erinnerte Bischof Hofmann daran, dass Papst Benedikt XVI. mit dem von ihm initiierten „Jahr des Glaubens“ zur Umkehr aufgerufen habe, damit wir den Weg des Glaubens wiederentdecken und als neue Menschen leben können. Der Glaube, der nie bloß in die Privatsphäre geschoben werden darf, habe als zentrale Dimension das Heil: darum sei der kirchliche Einsatz zur Neuevangelisierung so wichtig. „Christus hat uns“, mit diesen Worten endete die Predigt, „aufgefordert, unser Licht leuchten zu lassen – tun wir das?“

Daran knüpfte Bischof Hofmann auch in seiner nachfolgenden Rede an. Wird die Glaubensbotschaft noch so weitergegeben wie vor 50 Jahren? Keineswegs, denn nacheinander seien Facebook, Youtube, Twitter und andere auf dem Markt erschienen und in einen Wettbewerb um die sinnstiftenden Frage getreten. Die kirchliche Medienarbeit ist damit zunehmend in den Hintergrund gedrängt worden, das „Wort zum Sonntag“ etwa habe drastisch an Zuschauer verloren. Und es bestehe die Gefahr, dass neue angeblich sinnstiftende Gruppierungen die Politiker dazu bringen werden, die Situation nochmals zu verändern. Darum ist für Bischof Hofmann die Frage nach der Effektivität der christlichen Medien vorrangig: Evangelisation sei wirksam, wenn sich die Parameter der Ausgangssituation positiv verändern. Zwar seien die 27 Diözesen mit ihrer Medienarbeit gut aufgestellt, aber „eine überdiözesane Zusammenarbeit ist nötig“, auch um die christlichen Werte wieder in der Jugend zu verankern. Die christliche Medienlandschaft müsse so dringend wieder konsolidiert werden. Das soll mit einem Vier-Punkte-Programm für die Medienarbeit erreicht werden. Zuerst nannte der Bischof überzeugende Inhalte, die wir dringend brauchen. Das sind die nicht hintergehbaren Werte, die das Christentum geschaffen hat, aber auch die vielen katholischen Einrichtungen wie Beratungsstellen, Einrichtungen zur Betreuung der Alten, Waisenhäuser oder Krankenhäuser. Dann bedarf es zweitens authentischer Fürsprecher, in der Politik wie auch in den säkularen Medien, die wohlwollend mit der Kirche umgehen. Und drittens muss es natürlich die christlichen Medien geben, die Orientierung im Glauben bieten, Themen aus dem gesamten Spektrum der Kirche aufgreifen und Fragen des christlichen Menschenbildes beantworten. Hierbei nannte der Bischof besonders die Leistung des Würzburger Medienhauses. Und schließlich sind professionelle Kommunikationszentren wichtig, mit festen Sendeplätzen, sodass die Mitarbeiter das Vertrauen der Menschen in die Kirche festigen können. Denn Menschen in der Mediengesellschaft zu gewinnen sei ja das gemeinsame Ziel in der katholischen Medienarbeit.

In sehr persönlichen Worten sprach nun Pfarrer Richard Kocher, Programmdirektor von Radio Horeb, über seine Erfahrungen mit dem Radiosender in Balderschwang. Er selbst hat in Theologie über die Vorsehung promoviert, und habe sich schon damals gefragt: „Wie macht's der liebe Gott?“ Das Wirken Gottes in der Welt habe ihn seitdem beschäftigt und wie wir erkennen könnten, was der Herr von uns will. Immer wieder habe er das Wirken Gottes gespürt, wenn das Radio in eine Krise geraten sei.

Als einen der Höhepunkte im Wachstum von Radio Horeb nannte Kocher die bundesweite Lizenz 2011, um die Kocher 17 Jahre lang gerungen habe; normalerweise werden nur landesweite Lizenzen vergeben. Das „Geheimnis“ von Radio Horeb sieht Kocher in der konsequenten Verkündigung der Liturgie. Wer seine Sorgen ins Gebet lege, für den verändere sich die Welt und der könne still sein vor dem Herrn. Die Liturgie ist die Achse des Programms von Radio Horeb: „Die Menschen richten ihren Tag danach ein.“ Und „unsere Devise ist es, das Licht weiterzugeben, das Gute und Schöne“, fügte Geschäftsführer von Radio Horeb, Peter Sonneborn, hinzu. So lassen sich schon Radiogeräte im Handel bestellen, bei denen Radio Horeb mit einer blauen Taste fest eingestellt ist. Falls einmal bei Radiogeräten der Sender verstellt ist, fahren hunderte Mitarbeiter durchs Land und helfen per Anruf beim Wiedereinstellen – besonders interessant für alte Menschen. Die Leidenschaft, mit der bei Radio Horeb gearbeitet wird, war an diesem Glaubenstag deutlich zu spüren.

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