Calderón in Madrid beim Weltjugendtag

Der Weltjugendtag ist sehr spanisch angehaucht. Zwischen kulturellen Aktivitäten, die den Reichtum der spanischen Kultur zum Ausdruck bringen, steht die Vorstellung des Autosakramentals. „Das heilige Jahr in Madrid“ ist ein Stück von Calderón de la Barca, gefeierter Schriftsteller des spanischen Goldenen Jahrhunderts.

Calderón (1600–1681), genialer Dramatiker und Poet, war aber vor allem ein außergewöhnlicher Denker, der die Vision vom Menschen und der Welt umstürzt. „Calderón, großer Erfinder der Sprachen und Bühnenbilder, verstand es durch den Einsatz von Allegorien eine Realität zu erschaffen, die jeder Vernunft entflieht. Calderón gab nie auf, nach dem gewaltigen Werk im Abgrund des menschlichen Gewissens zu suchen“, erklärt Antonio Regalado, emeritierter Professor der Universität in New York und Calderón de la Barca-Experte. „Das heilige Jahr in Madrid“ repräsentiert die Allegorie des Menschen als Höfling der Welt und dramatisiert den symbolischen Kampf zwischen Sünde und Gnade, wobei diesbezüglich direkt beim Menschen begonnen wird. Insgesamt ist es ein Drama über den Menschen, der vom Angstgefühl und von Unentschlossenheit gequält ist und einen doppelten Kampf – zum einen mit sich selbst und zum anderen mit der Welt – auszutragen hat. In diesem Kampf geht es um Spiel, Gnade, Laster und die sieben Todsünden. Der Pilger, der durch die großen Theater der Welt streift, macht sich in einer lebendigen und existenziellen Metapher bemerkbar, die den Zuschauer daran erinnert, dass er auch auf dem Weg ist.

Die Autosakramente gehören dem Genre der literarischen Dramatik des spanischen Goldenen Jahrhunderts an. Sie wurden während der Festlichkeiten des Corpus Christi im Lob an das Geheimnis der Eucharistie geschrieben. Pedro Calderón ist einer der herausragendsten Schriftsteller dieses Genres. Das Stück „Das heilige Jahr in Madrid“ wird von Nuria Alkorta interpretiert und geleitet. Sie ist die Gründerin der Delabarca Kampagne, die sich der Forschung und Wiedervorstellung der Werke des großen Meisters der spanischen Geisteswissenschaften widmet. Mit seinem Debüt in der Kirche de San Jerónimo el Real im Oktober 2009 hat die Kampagne Delabarca dieses Autosakramental, das es 400 Jahre nicht zu sehen gab, zurückgeholt. PD

Madrid, Theater del Canal (Straße Cea Bermúdez 1), am 16., 17., 18. August um 21.30 Uhr auf Spanisch, Eintritt frei.

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