Büchner-Preis

Walter Kappacher geehrt

Er gilt als „stiller Autor“. Erst mit „Selina“ (2005) wurde Walter Kappacher von einer breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen. Der 71-jährige Österreicher, dessen Stil oft mit dem seines Landsmannes Adalbert Stifter (1805–1868) verglichen wird, hat am Samstag in Darmstadt den renommierten Georg-Büchner-Preis für sein Lebenswerk erhalten. Die mit 40 000 Euro dotierte Auszeichnung gilt als die wichtigste der deutschsprachigen Literatur. Kappacher lasse „die Stille hörbar werden“, urteilte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung. Der Autor sei ein „poetischer Realist“.

Im Frühjahr dieses Jahres erschien der viel beachtete Künstlerroman „Fliegenpalast“. Bisher sind rund 25 000 Exemplare davon erschienen, teilte der Residenz Verlag im österreichischen St. Pölten mit. „Nach der Zuerkennung des Georg-Büchner-Preises hat die Nachfrage nach ,Fliegenpalast‘ deutlich zugenommen“, sagte Vertriebsassistentin Raffaela Springer. „Wir sind jetzt schon bei der neunten Auflage.“

Über seine ersten Schreiberfahrungen erzählte er: „Als ich anfing zu schreiben, hatte ich selbstverständlich nicht die geringsten theoretischen Kenntnisse. Auch ich habe das Schreiben wahrscheinlich durch das Lesen erlernt. Ich erinnere mich an Bücher, die wegweisend waren: Kafkas ,Prozess‘, in dem der Protagonist ein Angestellter war. In diesem Roman las ich zum ersten Mal Szenen, die in einem Büro spielten, in einer Bank, mit Kollegen, mit einem Direktor-Stellvertreter, mit Telefongesprächen... Da dachte ich mir: Aha! Es muss ja gar nicht ein Held sein, der alle möglichen Abenteuer zu bestehen hat, kein Liebesdrama. Ja, dann kann ja auch ich anfangen zu schreiben.“ In „Selina oder das andere Leben“ – der Titel nimmt Bezug auf ein Romanfragment von Jean Paul – nimmt sich ein Lehrer eine Auszeit in der Toskana, um einen Bauernhof zu renovieren. Im „Fliegenpalast“ steht der österreichische Dichter Hugo von Hofmannsthal im Mittelpunkt, der im Kurort Bad Fusch vergeblich auf eine Lösung seiner Schaffenskrise hofft. Thomas Maier

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