Bomben gegen kritische Journalisten in Montenegro

Die Medienhäuser des EU-Beitrittkandidaten Montenegro werden wie im vergangenen Jahr angegriffen. Am zweiten Weihnachtstag wurde das Verlagsgebäude der regierungskritischen Zeitung „Vijesti“ im Zentrum der Hauptstadt Podgorica mit einer Bombe attackiert. Am 3. Januar ist die Journalistin der Tageszeitung „Dan“, Lidija Nikcevic, in der weiter nördlich gelegenen Industriestadt Niksic krankenhausreif geschlagen worden. „Das zeigt, dass die Mafia im Schulterschluss mit der Regierung sich weiter bemüht, die freien Medien zu ersticken und die Meinungsfreiheit umzubringen“, kommentierte der Verband der Bürgerinitiativen (MANS) die Angriffe. „Die Straffreiheit von Gewalt gegen Medienvertreter ist in Montenegro die Regel“, kritisierte in dieser Woche auch die Organisation „Reporter ohne Grenzen“: „Die Toleranz, die das Justizsystem gegenüber den Angreifern auf Journalisten zeigt, ist unakzeptabel.“ Schon im letzten November war das „Vijesti“-Gebäude mit Steinen angegriffen worden. Im August waren drei Journalisten verprügelt worden. Vor der Wohnung des kritischen Journalisten Tufik Softic in Berane war eine Handgranate explodiert. Die Herausgeberin der Wochenzeitung „Monitor“ erhielt Dutzende SMS mit konkreten Drohungen. Die Regierung von Milo Djukanovic (51), der seit über zwei Jahrzehnten als alles beherrschender Politiker den kleinen Adriastaat lenkt, weist jede Verwicklung in die Attacken zurück. Aber er nennt die Medien „bezahlte Söldner“, die den fast acht Jahre selbstständigen Staat wieder Serbien angliedern wollten. DT/dpa

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