Bistum Augsburg erlässt „Social Media Codex“

Als erstes katholisches Bistum in Deutschland hat Augsburg verbindliche Regeln für die Nutzung Sozialer Medien durch kirchliche Beschäftigte erlassen. „Die Zeiten sind vorbei, wo man das der Beliebigkeit anheimgestellt hat, was einer bei Facebook oder Googleplus macht“, sagt der Datenschutzbeauftragte der Diözese, Stefan Frühwald. Ein Jahr lang hat eine Arbeitsgruppe im Auftrag von Generalvikar Harald Heinrich unter Frühwalds Federführung an den Formulierungen gefeilt. Mit der jüngsten Gehaltsmitteilung wurde der „Social Media Codex“ rund 14 000 Mitarbeitern zugestellt. Er gilt für alle Berufsgruppen, für die Pfarrsekretärin, den Kirchenmusiker und den Diakon. Der regulative Ansatz der Augsburger dürfte der kirchlichen Debatte über Medienethik neuen Schwung geben. 2012 publizierte die Deutsche Bischofskonferenz Social-Media-Guidelines, die von einigen Bistümern übernommen wurden. Durch die Veröffentlichung im Amtsblatt erhielten sie zwar mancherorts einen offiziellen Charakter, blieben aber im Kern Empfehlungen. Dabei verfolgten sie vorrangig das Ziel, Kirchenmitarbeitern die Scheu vor der Nutzung der neuen Kommunikationsmöglichkeiten zu nehmen.

Inzwischen sind viele von ihnen auf allen möglichen Kanälen und Plattformen im Netz unterwegs. Dadurch treten nun auch stärker die Schattenseiten zutage. Die Zahl derer, die ihren Vorgesetzten unangenehm auffallen, steigt: mal durch ein Like für eine kirchenkritische Organisation, mal durch fremdenfeindliche Parolen; durch Geschmacklosigkeiten wie das gepostete Foto des aufgebahrten toten Weihbischofs oder durch die kostspielige Abmahnung eines Rechtsanwalts wegen Verletzung von Urheberrechten. Solchen Auswüchsen soll nun Einhalt geboten werden – auch mit der Androhung dienstrechtlicher Folgen. Ein zentrales Ergebnis der Diskussionen in Augsburg ist die Einsicht, dass sich in Seelsorge und Diakonie, aber auch in der kirchlichen Bildungs- und Verbandsarbeit Dienst und Privatsphäre bei der Nutzung Sozialer Medien kaum trennen lassen. Wer in seinen Profileinstellungen zu erkennen gibt, dass er für die Kirche arbeitet, repräsentiert sie auch in der Öffentlichkeit. DT/KNA

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