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art. Das Kunstmagazin, Heft 2, Februar 2011
| art. Das Kunstmagazin, Heft 2, Februar 2011, Verlag Gruner + Jahr, Hamburg, Einzelheft EUR 8,50, ISSN 0173-2781
art. Das Kunstmagazin, Heft 2, Februar 2011
| art. Das Kunstmagazin, Heft 2, Februar 2011, Verlag Gruner + Jahr, Hamburg, Einzelheft EUR 8,50, ISSN 0173-2781

„Der neue Hang zum Heiligen. Jesusbilder und Kirchenfenster – wird die Kunst wieder religiös?“: Das ist die Titelgeschichte des Februarheftes „Art. Das Kunstmagazin“. Auslöser für diesen Titel war, so Chefredakteur Tim Sommer, das Aufsehen, das Michael Triegel mit seinem Porträt von Papst Benedikt XVI. ausgelöst hat. Sommer jubelt. Für ihn ist damit „dem wohl allerletzten Tabu der Kunstgemeinde“ der Garaus gemacht, dass die zeitgenössische Kunst nämlich keine realistischen Porträts malen dürfe. Aufgeräumt werde endlich mit den gängigen verpflichtenden Geboten der Autonomie, der Abstraktion, der offenen Deutung und der Ironie. Stattdessen dürften Künstler wieder Auftragsarbeiten von Mächtigen annehmen, erkennbar malen und sich naturalistisch mit der Wirklichkeit auseinandersetzen. Triegels Papstporträt kommt bei Sommer gleichwohl weniger gut weg. „Es ist kein Meisterwerk wie von Velázquez, Raffael oder Tizian, dazu fehlen Kraft und Geheimnis, womöglich ja auch Genie. Aber es ist doch kein schlechtes Bild geworden.“

Die Titelgeschichte „Christus wird heute in Hollywood gekreuzigt“, ein Essay von Gerhard Mack, enttäuscht aber. Er fragt sich zwar, ob es eine „Sehnsucht nach Transzendenz“ in der Kunst gebe und lässt einige jüngere Werke von Gerhard Richters Kölner Kirchenfenster bis Sigmar Polkes Zyklus für das Zürcher Großmünster Revue passieren – aber die spannende Frage nach der religiösen Intention heutiger Künstler hält Mack für „unerheblich“. Er beschreibt lediglich, wie sich Kunst heute religiöse Topoi profanisiert angeeignet. Wenig originell.

Geistreich dagegen ist die Reportage von Sara Maria Manzo, die mit gleichsam ethnologisch naivem Blick Pater Friedhelm Mennekes SJ folgt, der durch das Kunstmuseum Kolumban in Köln führt. Der Schluss der Reportage sei im Wortlaut zitiert:

„Im letzten Raum der Führung liegt ein Mann aus Latex am Boden. Er sieht aus wie eine Mumie. An seinem Körper kleben Fische.

,Die wollen ihn auffressen‘, sagt ein Mann.

,Ne, die sind ganz harmlos‘, erwidert eine Frau.

,Keine Fische, Maden‘, sagt eine andere.

,Das sehen Sie sehr realistisch, aber das ist nicht gemeint‘, meldet sich Pater Mennekes zurück und versucht das Rätsel zu lösen: ,Die Fische sind Engel. Sie transportieren den Toten wie Hostien, so fein, so erotisch streift der Fisch an seinen Wangen vorbei.‘

,Wo kann ich nachlesen, dass Fische Engel sind? Bei Thomas kommt das nicht vor.‘ Ein Mann mit großem Bauch, um die 50 Jahre, ist vorgetreten. Er sagt, er sei Katholik.

,Studieren Sie Rubens!‘, entgegnet Pater Mennekes, ,ein Künstler ringt um den Ausdruck ungesehener Kräfte.‘ Der Katholik schaut auf die Skulptur. Dann sagt er: ,Fische sind Fische. Und Engel sind Engel.‘

Pater Mennekes hat es plötzlich eilig. Er blickt auf seine Armbanduhr. Die anderthalb Stunden Führung sind seit ein paar Minuten vorbei. ,Leute, ich muss los‘, sagt er. Die Leute klatschen. Der Pater geht. Der Katholik bleibt bei den Fischen.

Eine Frau flüstert: ,Sagenhaft assoziativ, was Pater Mennekes aus den Fischen rausholt‘, und dann noch leiser: ,Da kommen andere nicht mit.‘

Fragt man Pater Mennekes Nachfolger in St. Peter, was Kirche und moderne Kunst gemein haben, antwortet Pater Werner Holter: ,Eigentlich nichts.‘“ Johannes Seibel

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