Antichristliche Klischees, die längst überwunden sein sollten

Das Computerspiel „Lost Chronicles of Zerzura“ oder Wie man gegen die Kirche spielt. Von Ulrich Nersinger
Foto: Cranberry | Idyllische Szene aus dem Computerspiel „Lost Chronicles of Zerzura“.
Foto: Cranberry | Idyllische Szene aus dem Computerspiel „Lost Chronicles of Zerzura“.

„Lost Chronicles of Zerzura“ hätte das Zeug zu einem guten Point&Click-Adventure. Ins virtuelle Leben gerufen haben es die Macher von „Black Mirror 2 & 3“, das deutsche Entwicklerteam „Cranberry“ aus Hannover. Grafik und Vertonung des Spiels sind beeindruckend. Die Sets und Hintergründe wurden mit viel Liebe und Können gezeichnet, animierte Details geben den Spielorten den nötigen Flair; die Musik schafft atmosphärische Dichte, und die Sprecher überzeugen durch Professionalität, was beim Gros der aktuellen Spiele keineswegs als selbstverständlich gilt. Die Steuerung des Spiels ist denkbar einfach und bequem; sie lässt sich komplett mit der Maus handhaben. Die Rätsel bleiben in der Regel gegenüber dem Spieler fair. Mit logischem Denkvermögen und einer Portion Fantasie sind sie zu lösen. Kommt man dennoch nicht weiter, geben Hotspots und ein Journal die nötigen Hilfestellungen.

Wie gesagt, „Lost Chronicles of Zerzura“ wäre ein passables, ja lohnendes Adventure, gäbe es nicht die Geschichte des Spiels. Angesiedelt ist sie in der Renaissance, um das Jahr 1514 herum. In Barcelona betätigen sich die Brüder Feodor und Ramon als Erfinder und Forscher. Die Konstruktion eines Flugapparates und der Besitz eines geheimnisvollen Artefakts bringen sie – man ahnt es schon – in den unausweichlichen Konflikt mit der spanischen Inquisition. Auf der ganzen Reise, die der Spieler mit den beiden Brüdern auf dem Mittelmeer, über Malta und Tripolis bis hin zur sagenhaften Wüstenstadt Zerzura unternimmt, begleiten ihn das Unverständnis und die Drohungen der katholischen Kirche.

Brennende Scheiterhaufen, brutale Schergen im Dienste der Inquisition und ein fanatischer Großinquisitor geben ein Bild von der Kirche, von dem man geglaubt hat, das es allmählich überwunden ist. Mehr dümmlich als ärgerlich ist es, wenn man beim Anklicken eines Gedenksteins der Muttergottes erfährt, dass man sich hier unbedingt bekreuzigen soll, da man sich sonst der Gefahr aussetzt, selber ans Kreuz geschlagen zu werden. Schade, dass ein durchaus spannendes und abwechslungsreiches Spiel zu einer billigen antikirchlichen, dem Christentum nicht gerecht werdenden Kampagne verkommt.

„Lost Chronicles of Zerzura“, Dtp Entertainment, Cranberry Produktion, 1 DVD in deutscher Sprache, 28 S. Handbuch, Preis circa 35 Euro, USK ab 12 Jahren

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