„12 Years A Slave“ gewinnt den Oscar als Bester Film

Sklavendrama holt den wichtigsten Oscar. Die meisten Auszeichnungen gehen aber an Alfonso Cuaróns „Gravity“. Von José García
Foto: Francois Duhamel/Tobias Film | Michael Fassbender (l–r), Lupita Nyong'o und Chiwetel Ejiofor in einer Szene des Films „12 Years a Slave“.
Foto: Francois Duhamel/Tobias Film | Michael Fassbender (l–r), Lupita Nyong'o und Chiwetel Ejiofor in einer Szene des Films „12 Years a Slave“.

Zum „Besten Spielfilm“ des Jahres 2013 wurde bei der 86. Oscarverleihung in der Nacht von Sonntag auf Montag von den Mitgliedern der US-Filmakademie Steve McQueens „12 Years A Slave“ (Zwölf Jahre als Sklave) gewählt. Das politisch engagierte Sklaverei-Drama bekam noch zwei weitere Preise. Der Film gewann in den Kategorien „Bestes adaptiertes Drehbuch“ (John Ridley) und „Beste Nebendarstellerin“ (Lupita Nyong'o). Die meisten Oscars erhielt jedoch Alfonso Cuaróns „Gravity“. Das Drama um eine Mutter, die den Tod ihrer kleinen Tochter erst nach einer Tragödie im Weltall zu akzeptieren vermag, wurde in sieben Kategorien ausgezeichnet, darunter auch „Beste Regie“. Wie im letzten Jahr, als „Argo“ als Bester Film gewählt, aber Ang Lee für „Life of Pi“ zum besten Regisseur gekürt wurde, gingen die zwei wichtigsten Preise also an zwei verschiedene Filme.

Dadurch kam Brad Pitt, der bereits dreimal als Schauspieler nominiert worden war, zu seinem ersten Oscar – als Produzent von „12 Years A Slave“. Der Film über den auf wahren Tatsachen beruhenden Leidensweg des schwarzen Solomon Northup (Chiwetel Ejiofor), der in Saratoga, New York, als freier Mann mit Frau und zwei Kindern lebt, ehe er im Jahre 1841 in den Süden verschleppt und versklavt wird, ist außerdem der erste in der Oscar-Königskategorie ausgezeichnete Film von einem schwarzen Regisseur.

Der filmisch brillante „Gravity“, der auf der visuellen und Tonebene ganz neue Maßstäbe gesetzt hat, erhielt die Preise in den als „technisch“ angesehenen Kategorien „Beste Kamera“ (Emmanuel Lubezki), „Beste visuelle Effekte“ sowie „Bester Ton“ und „Bester Tonschnitt“. Hier setzte sich Cuaróns Film insbesondere gegen „Der Hobbit – Smaugs Einöde“ durch, der ebenfalls in den Sparten „Visuelle Effekte“, „Ton“ und „Tonschnitt“ nominiert war. Darüber hinaus wurde der Weltraum-Katastrophenfilm mit beachtlichem Tiefgang – unvergessen bleibt etwa die Szene, in der die Wissenschaftlerin Ryan Stone (Sandra Bullock) ihren Tod nahen sieht, und dabei bedauert, dass in diesem Augenblick niemand für sie beten wird: „Eigentlich müsste ich für mich selbst beten, aber niemand hat es mir beigebracht, wie man betet“ – auch in den Sparten „Bester Schnitt“ (Alfonso Cuarón selbst und Mark Sanger), „Beste Filmmusik“ (Steven Price) sowie, wie bereits erwähnt, für die „Beste Regie“ ausgezeichnet.

Es war eine spannende Oscarverleihung, die vielleicht offenste seit Jahren. Im Vorfeld war von einem Kopf-an-Kopf-Rennen die Rede: „American Hustle“ und „Gravity“ hatten zehn, „12 Years A Slave“ neun Nominierungen erhalten, wobei von ihnen lediglich „American Hustle“ für die „großen fünf“ Oscars nominiert war (Film, Regie, Drehbuch und die zwei Hauptrollen). Über die als „Oscar“ bekannte Auszeichnung entscheiden die rund 6 000 stimmberechtigten Mitglieder der Filmakademie der Vereinigten Staaten. Das Wahlprinzip: Die Academy-Mitglieder nominieren in ihrer jeweiligen Berufssparte, also die Schauspieler, Kameraleute oder Regisseure je für sich, die besten fünf Leistungen. Einzige Ausnahme: In der Kategorie „Bester Film“ werden die (bis zu zehn) Nominierungen von allen Akademie-Mitgliedern ausgesprochen – dieses Jahr waren neun Filme in der „Königskategorie“ nominiert worden. Die endgültige Entscheidung treffen anschließend in (fast) allen Sparten die gesamten Mitglieder der „Academy of Motion Picture Arts and Sciences“.

Eine besondere Stellung nehmen auch die Schauspieler-Oscars ein. In den Kategorien „Bester Hauptdarsteller“ und „Bester Nebendarsteller“ gewannen Matthew McConaughey respektive Jared Leto für ihre Darstellungen von AIDS-Kranken in „Dallas Buyers Club“. Wie häufig zuvor – etwa 1981, als Robert de Niro die Statuette als Boxer in „Wie ein wilder Stier“ oder 1994, als Tom Hanks für die Darstellung eines an AIDS erkrankten homosexuellen Anwalts in „Philadelphia“ den Oscar gewannen – honorierte die Filmakademie die enorme körperliche Anstrengung als Zeichen einer extremen Authentizität: Matthew McConaughey verlor für seine Rolle 25 Kilo, Jared Leto wog bei Drehbeginn nur noch 58 Kilo.

Cate Blanchett gewinnt als Beste Hauptdarstellerin

In der Sparte „Beste Hauptdarstellerin“ wurde Cate Blanchett für Woody Allens „Blue Jasmine“ ausgezeichnet. Die ihr gelungene ausbalancierte Mischung aus Komik und Tragik, ohne ihre Figur zu einer Karikatur verkommen zu lassen, gab wohl den Ausschlag. Damit ging aber Amy Adams („American Hustle“) nach ihrer fünften Nominierung in acht Jahren erneut leer aus. Wie bereits erwähnt, konnte die Statuette als „Beste Nebendarstellerin“ Lupita Nyong'o für ihre Darstellung der tüchtigen Patsey in „12 Years A Slave“ mit nach Hause nehmen.

In der Sparte „Bester nicht-englischsprachiger Film“ gewann den Oscar der italienische Film „La Grande Belleza – Die große Schönheit“ von Paolo Sorrentino. Nach 2012 war 2014 erneut kein Pixar-Film in der Kategorie „Bester Animationsfilm“ nominiert worden. Dieses Jahr ging der Oscar in dieser Kategorie an den Disney-Film „Die Eiskönigin – Völlig unverfroren“ („Frozen“).

Als der große Verlierer der 86. Oscarnacht kann aber „American Hustle“ angesehen werden. Der auf wahren Tatsachen beruhende Film um ein Trickbetrüger-Duo, mit dessen Hilfe das FBI eine Reihe Politiker der Korruption überführen konnte, war für zehn Oscars nominiert worden. Am Ende gewann er in keiner einzigen Kategorie. Allerdings bedeutet dies keinen Negativ-Rekord: „Am Wendepunkt“ („The Turning Point“, Herbert Ross 1977) und Steven Spielbergs „Die Farbe Lila“ („The Color Purple“, 1985) wurden für elf Oscars nominiert, konnten aber keinen gewinnen. Aber auch Martin Scorseses verklärte Sicht des menschenverachtenden Börsenmaklers in „The Wolf of Wall Street“ und Stephen Frears' Melodram mit antikatholischem Affekt „Philomena“, die fünf beziehungsweise vier Nominierungen erhalten hatten, gingen leer aus. Leer gingen diesmal auch Nominierungs-Rekordhalter wie Meryl Streep (18. Mal), Woody Allen (24. Mal) und John Williams (49. Mal) aus.

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