Berlin

Engel gehen immer

Die katholische Buchhandlung „Sonnenhaus“ in Berlin überlebte die DDR und die Marktwirtschaft. Jetzt kämpft sie mit den Folgen der Pandemie
Stuttgart präsentiert Venedigs Meister
Foto: Thiede | Hier treffen irdische Hilflosigkeit und himmlische Gnade zusammen: Die letzte Kommunion des heiligen Hieronymus, von Tiepolo um 1732/33.

In schlechten Zeiten verkauft sich in der Berliner Buchhandlung „Sonnenhaus“ ein Produkt besonders gut: „Engel gehen immer“, sagt Bettina Klinkmann, eine Frau mit kurzen braunen Haaren und runder Brille. Sie zeigt einen Schrank, wo sie sogenannte Handschmeichler aufbewahrt. Das sind Engelfiguren aus Porzellan, Bronze, Neusilber oder Speckstein, die sich Leute in die Jackentasche oder ins Portemonnaie legen oder am Schlüsselbund befestigen.

Die Leute fahren durch die ganze Stadt, um ein Buch zu kaufen

Bettina Klinkmanns Großvater Rudolf Ziegler gründete die katholische Buchhandlung in Berlins Zentrum 1925. Sie hat die Weltwirtschaftskrise, die Nazizeit, die DDR und bislang auch die Marktwirtschaft überlebt. In der Hauptstadt gelten Bücher als „geistige Nahrung“, weshalb Buchläden trotz Corona-Krise weiter offen sind. Doch viele Kunden bleiben zu Hause – aus Sicherheitsgründen. Auch wenn der Internethandel und die Pandemie dem kleinen Geschäft zusetzen, die 1972 geborene Inhaberin glaubt fest an die Zukunft ihrer Branche: „Es wird immer Menschen geben, die lesen, und die auch ein Buch in der Hand halten möchten und kein E-Book“, sagt sie. Dass das „Sonnenhaus“ bis heute besteht, sei der „katholischen Community“ in Berlin zu verdanken, sagt Bettina Klinkmann: „Die Leute fahren durch die ganze Stadt, um bei uns einzukaufen.“

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Ein Ehepaar betritt den Laden. Die beiden haben eine Corona-Erkrankung überlebt und sind gerade aus der Quarantäne entlassen worden. „Friede sei mit euch!“, begrüßt sie Bettina Klinkmann, und die Frau sagt, dass sie und ihr Mann so glücklich über ihr neu geschenktes Leben seien.
Heidrun Klinkmann ist jetzt, da ihre Kirche geschlossen ist, auf den Fernsehgottesdienst angewiesen. Den schaltet sie regelmäßig ein, „denn ein Sonntag ohne Gottesdienst – das geht nicht!“ Obwohl ihr angesichts der steigenden Zahl der Infizierten mulmig zumute ist, bleibt Heidrun Klinkmann optimistisch. Im Internet macht ja das Gerücht die Runde, dass Corona eine Strafe Gottes sei. Heidrun Klinkmann zieht es vor, an einen liebenden Gott zu glauben: „Leute, die jetzt von einer Strafe Gottes sprechen, sind selbst oft gar nicht gläubig!“

DT/mee

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