Eine Liebe, die stärker ist als der Tod

Apokalyptische Bilder für tiefgründige Themen: Das Böse wird am Ende besiegt: „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes. Teil 2“. Von José García
Endkampf zwischen Harry Potter (Daniel Radcliffe) und dem Dunklen Lord Voldemort (Ralph Fiennes).
Foto: Warner Bros. | Im letzten „Harry Potter“-Film kommt es zum Endkampf zwischen Harry Potter (Daniel Radcliffe) und dem Dunklen Lord Voldemort (Ralph Fiennes).
Endkampf zwischen Harry Potter (Daniel Radcliffe) und dem Dunklen Lord Voldemort (Ralph Fiennes).
Foto: Warner Bros. | Im letzten „Harry Potter“-Film kommt es zum Endkampf zwischen Harry Potter (Daniel Radcliffe) und dem Dunklen Lord Voldemort (Ralph Fiennes).

Nachdem „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes. Teil 1“ (DT vom 18.11.2010) das Ende eingeläutet hatte, kommt es im zweiten Teil der Filmadaption des siebten und letzten „Harry Potter“-Bandes „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ („Harry Potter and the Deathly Hallows“, 2007) zum Endkampf zwischen Gut und Böse. Der neue Film setzt da ein, wo Teil 1 aufgehört hatte: Harry Potter (Daniel Radcliffe) befindet sich zusammen mit Hermine Granger (Emma Watson) und Ron Weasley (Rupert Grint) auf der Suche nach den verbleibenden „Horkruxen“, in die der Dunkle Lord Voldemort (Ralph Fiennes) je einen Teil seiner Seele gebannt hatte, um den Widersacher zu vernichten. Einen Horkrux vermuten sie in Bellatrix Lestranges (Helena Bonham Carter) Tresorraum in der Gringotts-Bank. Dass Hermine Bellatrix' Gestalt annehmen muss, um sich Zugang zu deren Tresorraum zu verschaffen, ermöglicht Helena Bonham Carter einen denkwürdigen Auftritt als Hermine, die widerwillig-unbeholfen ihre eigentliche Filmfigur (Bellatrix) mimt. Durch eine mentale Verbindung zu Voldemort erfährt Harry, dass der nächste Horkrux in Hogwarts zu finden ist. So machen sich Harry, Hermine und Ron auf den Weg zur Schule. Das einstige Internat ist jedoch zu einer Kaserne geworden, durch die die Schüler im Gleichschritt marschieren: Nach Albus Dumbledores Tod ist nun der strenge, undurchsichtige Lehrer Severus Snape (Alan Rickman) Schulleiter geworden. In der Verteidigung Hogwarts' gegen Voldemorts Truppen macht sich insbesondere die Lehrerin Minerva McGonagall (Maggie Smith) verdient.

Ein Film mit starken weiblichen Charakteren

Weil auch Rons Mutter Molly Weasley (Julie Walters), die der Zuschauer aus früheren Harry Potter-Filmen als gemütlich-gutmütige Frau kannte, ihre kämpferische Ader entdeckt, als ihre Tochter Ginny (Bonnie Wright) angegriffen wird, ist „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes. Teil 2“ trotz der zentralen männlichen Figuren Harry, Voldemort und Snape ein Film mit starken weiblichen Charakteren geworden.

Technisch bietet der letzte „Harry Potter“-Film erneut den neuesten Stand der Spezialeffekte. Deutlich wird dies etwa beim Angriff der scheußlichen Kreaturen, die Lord Voldemort um sich geschart hatte, auf die Hogwarts-Schule. Trotz ihrer visuellen Brillanz ähneln diese Sequenzen jedoch etwa den Massenszenen der Schlacht um „Helms Klamm“ aus dem Film „Der Herr der Ringe – Die zwei Türme“. Regisseur David Yates setzt darüber hinaus ein Stilmittel ein, das Peter Jackson bei seiner Verfilmung des Tolkien-Epos verwendet hatte: Finden in „Der Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs“ Gandalf und Merry inmitten des wildesten Schlachtgetümmels Muße, sich über den Tod und das Leben danach Gedanken zu machen, so verstummt „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes. Teil 2“ im Augenblick seiner größten Dramatik: Nachdem Harry im „Denkarium“ Snapes Erinnerungen erlebt und das Geheimnis um seine eigene Verbindung zu Lord Voldemort erfahren hat, bleibt für ein paar Sekunden die Leinwand nach all dem Kampfgetöse absolut still. Danach sind zunächst einmal nur noch Harrys Schritte zu hören. Das Zurückfahren der Tonspur ohne jegliche Musikunterstützung steigert die emotionale Spannung derart, dass diese Augenblicke zu den Schlüsselmomenten von „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes. Teil 2“ gehören. Hier fällt Harry Potter seine folgenschwere Entscheidung.

Nicht nur das apokalyptische Produktionsdesign von Stuart Craig, Eduardo Serras Kameraführung und die Filmmusik von Alexandre Desplat, die zwar immer wieder John Williams' ursprüngliche Komposition aufgreift, aber einen eindeutig düsteren Charakter annimmt, lassen indes immer mehr an Tolkiens „Der Herr der Ringe“ denken. Autorin J.K. Rowling hatte eine ungewohnte, eigenwillige Metapher dafür geschaffen, dass die Überwindung des Bösen nicht bloß in der Auseinandersetzung mit den äußeren Feinden, sondern letztlich gegen die bösen Neigungen im Innern des Helden selbst besteht. Ähnlich Frodo, der, um den Einen Ring zu zerstören, seinen eigenen Tod in Kauf nahm, spricht Harry Potter den entscheidenden Satz aus: „Ich bin bereit zu sterben.“ Harry liefert sich der Gewalt des bösen Lord Voldemort aus, weil nur durch seinen eigenen Tod das Böse besiegt werden kann.

„Bedaure insbesondere die, die nicht lieben“

In diesem aussichtslosen Kampf kann Harry jedoch auf den Beistand der geliebten Menschen zählen, deren Liebe ihn stets getragen haben („Wir waren niemals weg“, sagt Harrys Mutter zu ihm). Dass „die Guten“ für den Dunklen Lord unsichtbar bleiben, begründen Roman und Film damit, dass dem absolut Bösen die Liebe unzugänglich bleibt.

Der rote Faden, der sich durch alle Harry Potter-Romane und -Filme zieht, ist die Liebe: Durch die Liebe seiner Eltern blieb Harry beim Angriff des Dunklen Lords vom Tod verschont. Die Liebe seiner Eltern hat ihn durch all die Jahre bis zum entscheidenden Kampf getragen. Im Spruch des alten Hogwarts-Leiters Albus Dumbledore: „Bedaure nicht die Toten. Bedaure die Lebenden, insbesondere die, die nicht lieben“ verdichtet sich die zentrale Aussage der „Harry Potter“-Welt: Eine Liebe, die stärker ist als der Tod.

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