„Der Neandertaler würde heute nicht weiter auffallen“

Die Frage nach der Herkunft des Menschen ist ungelöst

„Wenn der Neandertaler heute durch die Stadt liefe, würde er nicht weiter auffallen. Er müsste sich nur an unseren Kleidungscode halten, dann ginge er problemlos im Gewühl einer Fußgängerzone unter“, ist der Direktor des Neandertal-Museums in Mettman bei Düsseldorf überzeugt. Und tatsächlich sieht der von Wissenschaftlern „Homo sapiens neanderthalensis“ genannte Urmensch seinen Nachfahren der Neuzeit sehr ähnlich. Wie er da am Eingang der Ausstellung „Roots – Wurzeln der Menschheit“ im Rheinischen Landesmuseum in Bonn steht, angezogen mit leichter Sommerkleidung, mit Knochenpfriem und Tiersehne genäht, wirkt der Neandertaler so lebensecht, dass vor allem Schulkinder immer stehen bleiben, um so zu schauen, ob er sich nicht doch bewegt.

Die vor 156 Jahren gemachte Entdeckung des „ersten Deutschen“, wie der Neandertaler gerne genannt wird, ist für das Museum Anlass, der Frage nach der Geschichte der Menschheit erneut und wieder einmal nachzugehen und das Prunkstück der Ausstellung von Mettmann nach Bonn zu holen. Klar ist inzwischen, dass der Neandertaler, dessen Spur in der Menschheitsgeschichte sich vor rund 27 000 Jahren verlor, nicht der rückständige Wilde war, als der er jahrzehntelang dargestellt wurde. Im Gegenteil, der Neandertaler war ein feinfühliges Wesen, das sogar Knochenflöten herstellte und spielen konnte.

Rund 50 weltbedeutende Urmenschen-Funde aus Afrika, Europa und Asien sind in Bonn zusammengetragen, angefangen mit einem rund drei Millionen Jahre alten Kiefern-Bruchstück eines ostafrikanischen, noch affenähnlichen „Vormenschen“ bis hin zu dem über 500 000 Jahre alten Unterkiefer von Mauer, der als ältester Menschenfund Deutschlands gilt. Dazu kommen spektakuläre Neuentdeckungen aus dem Neandertal oder 30 000 Jahre alte Knochenschnitzereien von der Schwäbischen Alb, die zu den ältesten Kunstwerken des europäischen Kontinents gehören. Aber auch der so genannte „Piltdown-Schädel“ wird ausgestellt, der sechzig Jahre lang die Fachwelt narrte und erst vor wenigen Jahren definitiv als Fälschung eines britischen Witzboldes entlarvt wurde.

Das Paradestück der Ausstellung stammt aus dem Besitz des Rheinischen Landesmuseums selbst, es ist das 42 000 Jahre alte „historische“ Skelett, wie es genannt wird, weil über seine Herkunft gar nichts bekannt ist. Um es herum gruppieren sich 17 weitere Neandertaler, darunter auch jüngste Entdeckungen wie ein Neander-Baby aus Israel. Bislang niemals zuvor ausgestellt ist auch der 1,8 Millionen Jahre alte Schädel eines frühen Homos erectus aus dem Kaukasus, der erst 1999 gefunden wurde, sowie ein mehr als 24 000 Jahre altes Kinderskelett aus Portugal, ausgegraben 1998.

Untersuchungen zeigen, dass der kleine Körper mit Ockerfarbe bestrichen war, eine sorgfältig verarbeitete Kette aus Hirschzähnen war als Grabbeigabe dazugelegt. Die genaue Abstammung des etwa vierjährigen Mädchens ist in der Fachwelt weiterhin umstritten. Handelt es sich um eine Mischung von Neandertaler und dem neu eingewanderten modernen Menschen? Waren Neandertaler und Mensch zwei verschiedene Arten oder zwei Untergruppen der gleichen? Was die Bonner Ausstellung aber leisten kann, ist es, das Erstaunen und damit auch die Ehrfurcht vor der Schöpfung und vor dem Menschen zu stärken und zur Suche nach Gott anzuregen.

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