Buchrezensionen am 7. März 2019

Buchrezensionen

Mit „Religion und Literatur in drei Jahrtausenden“ hält der Leser ein wahres Kleinod in Händen. Bernhard Lang, emeritierter Professor für Theologie und Religionswissenschaft, stellt auf knapp 800 Seiten hundert Werke der Weltliteratur vor. Nicht irgendwelche, sondern solche, deren Fokus auf religiösen Motiven liegt, die zeigen, wie der Glaube an die Transzendenz Eingang in die Dichtung gefunden hat. Angefangen vom Gilgamesch-Epos, dem ältesten Großepos der Weltliteratur, über biblische Texte, aber auch Werke von Platon, Mark Aurel, bis hin zu Autoren der Moderne, wie Hermann Hesse und Robert Musil, werden hier in den Blick genommen, die religiöses Denken und Empfinden reflektieren. Die „Hochzeit“ des Religiösen wird natürlich vom Mittelalter repräsentiert – Dantes Göttliche Komödie und Thomas von Kempens „Nachfolge Christi“ ist hier ebenso vertreten wie Blaise Pascals „Gedanken“ und viele weitere. Religionskritisch wird es mit Voltaire, Rousseau, Lessing und Kant im Kapitel „Die Aufklärung". Durchschnittlich sind jedem Werk sieben Seiten gewidmet, so dass ein erster Einblick ermöglicht wird. Eine ausführliche Literaturliste ist für eine die weitere Beschäftigung äußerst hilfreich und rundet den trotz des Umfangs doch gut in der Hand liegenden Band ab. Langs Kompendium ist ein großartiger und kenntnisreicher Fundus für Vielleser. KS

Bernhard Lang: „Religion und Literatur in drei Jahrtausenden: Hundert Bücher“. Verlag Ferdinand Schöningh 2018, 764 Seiten, EUR 79,–

Sieben Jahre lang hat Friederike von Rauch das „Neue Palais“ in Sanssouci so photographiert, als sei es nach dem Tod der hier einst mit ihren Familien wohnenden Preußenkönige in einen tiefen Schlaf gefallen. Ihren von wenig Licht und viel Schatten beherrschten menschenleeren suggestiven Bildern wohnt eine beeindruckende magische Präsenz inne, in der das Interieur an die Stelle der abwesenden Männer, Frauen und Kinder geschlüpft ist.

Friedrich II. hatte drei Jahre nach seinem Sieg im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) den Bau des Neuen Palais befohlen, das 1768 vollendet werden konnte. Der König nannte das Schloss eine „Fanfaronnade“, eine Prahlerei. Doch eigentlich war es eine Machtdemonstration. Er wollte den europäischen Potentaten und vor allen anderen dem Haus Habsburg zeigen, dass Preußen im Konzert der Großen ein gewichtiger Mitspieler geworden war. Schon 150 Jahre später war der preußische Traum, eine Weltmacht werden zu können, zerronnen. Der mit einer Einleitung von Samuel Wittwer und „Petites Perceptions“ genannten poetischen Assoziationen von Rudolf Prinz zur Lippe komplettierte elegante Bildband dürfte nicht nur Preußen-Nostalgikern gefallen. IL

Neues Palais in Sanssouci: Fotografien von Friederike von Rauch.

Hrsg. von der Generaldirektion der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. jovis Verlag GmbH, 2018, EUR 38,–

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