Feuilleton

Blogs für und über die Familie

Viele katholische Blogger schreiben über Ehe, Familie, Liebe, Sexualität – Eine Reihe von Empfehlungen. Von Gudrun Trausmuth
Maria Schober ist katholische Bloggerin
Foto: briefeanleonie.net | Maria Schober ist katholische Bloggerin, seit dreißig Jahren verheiratet und Mutter von fünf Söhnen.

Was ist das Wesen eines Blogs? Vielleicht könnte man von einer Art Tagebuch sprechen, das – in Abgrenzung vom althergebrachten Tagebuch – nicht nur für einen potenziellen Leser geschrieben wird, sondern mit der expliziten Absicht, möglichst viele Leser und Kommentatoren zu finden. Widerhall im Netz verursachen, das möchte ein Blog. In den Weiten des Internets eine persönliche und authentische Stimme vernehmbar machen.

Blogs gibt es zu jedem Thema, unterschiedlich hinsichtlich Frequenz der Einträge, Struktur, hinsichtlich Qualität und Niveau, Provenienz und Sprache. Skepsis ist gut, aber wenn man einmal – und das kann dauern – auf Blogs gestoßen ist, die man für relevant hält, auch für sich selbst, dann lohnt sich ein gelegentlicher Ausflug in die persönlichen Gedanken, Erfahrungen und Erkenntnisse anderer, die hier so großzügig geteilt und ausgebreitet werden. Manchmal ist es nur das Wissen „Du bist mit dieser Sorge nicht allein“, das man gerne mitnimmt, manchmal sind es konkrete Momente der Übereinstimmung, die man geschenkt bekommt, manchmal auch mehr, wie Motivation, Neuorientierung oder neue Begeisterung.

Es gibt eine ganze Reihe katholischer Blogger zum Thema Ehe, Familie, Liebe. Spannend etwa www.catholicmom.com; die „Back to school Resolutions“ von Tami Kiser, die am Ende der Ferien thesenartig aufstellt, welche Veränderungen vor dem neuen Schuljahr in ihrer Familie notwendig sind, haben in ihrer Mischung von Spiritualität und Handfestigkeit durchaus etwas für sich. Und ist ein täglicher „15 minute Clean-Up“, bei dem die ganze Familie mithilft, keine spannende Idee? Oder die Erinnerung an eine regelmäßige gemeinsame Abendgebetszeit, die in den Turbulenzen der Ferien oft etwas zu kurz gekommen ist? Hinter derartig umfangreichen Seiten mit vielen Kategorien steckt oft ein ganzes Team von Bloggern, was auch bei www.liebeleben.com der Fall ist, wo ein Team aus verheirateten Paaren und katholischen Priestern zusammenarbeitet, und unter dem Motto „Wir haben erlebt, wie unsere Fastfood-Liebe sich in ein Festmahl verwandelt hat“, tiefgründig über die Ehe reflektiert. www.meinefamilie.at ist ebenfalls eine Plattform, mit dem Themenschwerpunkt junge Familien; auch hier schreibt und teilt ein ganzes Team, das auch viele praktische Ratschläge und Buch- und Erziehungstipps zu geben hat.

Einen klassischen katholischen one-woman-Blog hingegen stellt inkahammond.de/blog/ dar: Inka Hammond, aus dem Umfeld des Gebetshauses Augsburg, verheiratet, 4 Kinder, bloggt erschütternd, ehrlich, aufbauend, ergreifend. Und immer verkündet und bezeugt sie Jesus als Grund ihrer Hoffnung, als Mitte ihrer Ehe und Familie. Das ist wirkliche Nahrung!

Ein genauerer Blick lohnt sich auch in Bezug auf den Blog www.briefeanleonie.net. Die österreichische Bloggerin Maria Schober nennt als ihre tiefste Motivation den Schutz des Lebens, und wagt sich vor diesem Hintergrund an nahezu alle heißen Themen heran, wie One-Night-Stand, ungeplante Schwangerschaft, Kindheitsverletzungen durch Abwesenheit der Eltern, Leihmutterschaft, Frau- und Mannsein heute … Zu viel, zu kunterbunt? – Im Ansatz mag man diesen Eindruck haben, doch die Textur der „Briefe an Leonie“ überzeugt: All das ist als Einstieg in den Blog in eine attraktive Story verarbeitet, sozusagen ein Fortsetzungsroman über die junge Leonie. Jede der mittlerweile 38 Geschichten hat – mit belletristischer Leichtigkeit erzählt – ein bestimmtes Thema als Schwerpunkt, das dann in Kategorie 2 in „Briefen“ von Maria Schober herausgefiltert und vor dem Hintergrund der „Theologie des Leibes“ von Johannes Paul II. betrachtet wird. In Kategorie 3, einem Video, kommen dann Expertinnen, wie etwa die Philosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz zu Wort, die das Thema von ihrem Fachbereich aus noch einmal neu und mit großem Einsatz beleuchten.

Aktuell geht es in „Briefe an Leonie“ gerade um Leben und Tod: Leonie weiß nun sicher, dass sie von einem gewissen Marco, mit dem sie einen One-Night-Stand hatte, schwanger ist. Alles in Leonie sträubt sich gegen diese Tatsache. Sie entscheidet sich, als Juristin eine Arbeit in Wien anzunehmen; Andreas, ihrer großen Liebe, sagt sie nichts von der Schwangerschaft, schiebt den Wunsch, in Wien Karriere zu machen, vor und beendet die Beziehung – so wie sie auch überlegt, ihre Schwangerschaft zu beenden… Hier endet Folge 38 der Story, doch nun lässt Maria Schober in einem Video Christine Lambrecht als Expertin zu Wort kommen: Christine Lambrecht ist bayrische Landesvorsitzende der Christdemokraten für das Leben und betrachtet Abtreibung, die sich für Leonie als scheinbar einzige Lösung präsentiert, in ihrer ganzen Tragik: „Abtreibung ist eine mehrdimensionale Katastrophe – am Ende ist das Kind tot und die Mutter muss ein Leben lang damit zurecht kommen. Anderen Kindern oder den Geschwistern fehlt genau dieses Kind und uns allen fehlt dieser einzigartige Mensch ebenso.“ Die Perspektive ändert sich …

Maria Schober, selbst verheiratet und Mutter von fünf Söhnen, schreibt „Briefe an Leonie“ primär für Mütter und Töchter, wobei sie die Themen rund um Liebe, Sexualität und Verantwortung genauso wichtig für Väter und Söhne hält. „Briefe an Leonie“ bietet jedenfalls die Gelegenheit, um über die oft so schwierig heranzuholenden Themen ins Gespräch zu kommen. Und obwohl in der Leonie-Geschichte drei Frauengenerationen im Mittelpunkt stehen, sind die männlichen Protagonisten nicht weniger interessant – zum Beispiel in der Liebesgeschichte zwischen der recht zeitgeistigen Leonie und eben dem tiefgläubigen Andreas.

Wie die Salzburgerin auf dieses Blog-Projekt in drei Dimensionen, Geschichte – Brief – Video, kam? Sie habe an der philosophisch-theologischen Hochschule Benedikt XVI. in Heiligenkreuz zunächst den Studiengang „Theologie des Leibes“ absolviert und dann dazu den Lehrgang „Leib-Bindung-Identität“, erzählt Maria Schober, das habe das Feuer entfacht und die Idee geboren, die vielen Erkenntnisse und ihre eigenen Erfahrungen über einen Blog mit anderen zu teilen. Das Erzählen, die „Geschichte“, sei dabei der pädagogische Schlüssel, der die weiteren Dimensionen motiviere und zugänglich mache. Jeden 1., 10., und 20. des Monats stellt Maria Schober einen neuen Blog online – nach der Sommerpause geht es also demnächst weiter! Die Briefe an Leonie und andere Blogs zeigen jedenfalls, dass das Internet auch seine guten Seiten hat. Man muss sie nur gezielt suchen.

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