Eine neue Art der Werbung

Nudging und Framing sind gerade in aller Munde. Es handelt sich dabei um eine ganz neue Art der Werbung. Von Peter Winnemöller
ARD-Framing. Eine neue Art der Werbung ist gerade in aller Munde
Foto: Malte Christians (dpa) | Eine neue Art der Werbung ist gerade in aller Munde: ARD-Framing.

Nudging und Framing sind gerade in aller Munde. Es sind Strategien, das Verhalten von Menschen manipulativ zu beeinflussen. Die gute alte Werbung ist Kinderkram dagegen. Die modernen Methoden sind wissenschaftlich fundiert. Die Wirksamkeit ist statistisch hinreichend bewiesen. Es geht nicht um das Individuum, es geht um eine nur noch mathematisch zu beschreibende Masse.

Die Rede vom Klimawandel hat religiösen Charakter

Wir reden vom Klimawandel und assoziieren, dass die Menschen durch ihr Verhalten eine Erwärmung des Planeten auslösen. Es ist ein Sachverhalt, der sich mit dogmatischer Schärfe in die Gehirne der Menschen gebrannt hat. Unabhängig davon, ob es wahr ist oder nicht, wird mit dem Klimawandel Politik gemacht, die inzwischen jeden von uns betrifft. Es hat religiösen Charakter. Der Frame „Klima“ lässt seiner nicht spotten. Hier ist nicht der Ort für eine Klimadiskussion. Die wenigsten haben genügend Expertenwissen, das eine oder andere verifizieren zu können. Bedenklich ist, Kritiker der These werden moralisch statt argumentativ kaltgestellt.

Die Intransparenz ist das Problem

Mit Framing, wie mit allen Formen von Nudging, wird der Mensch auf sanfte Weise ohne Rechtsnorm oder Verwaltungsvorschrift allein durch verhaltensökonomische Methoden zu bestimmten –erwünschten – Verhalten oder Entscheidungen verleitet. Die verwendeten Begriffe manipulieren das Handeln. Das ist der Kern. Nicht der Einsatz von Nuding oder Framing ist das Problem. Die Intransparenz ist das Risiko. So kann ein sich libertär gebender Staat in Wirklichkeit streng paternalistisch und sogar totalitär handeln. Zudem gehört zum Funktionieren die orchestrierte Kooperation von Wirtschaft, Medien, NGOs, Verwaltung und Regierung in je unterschiedlichen Konstellationen.

Die eigene Bequemlichkeit hinterfragen

Bemerkenswert ist, dass Entscheidungen nicht auf Basis von Expertenwissen zustande kommen, sondern auf Basis von sprachlichen Frames oder von scheinbar vorgefundenen Standards erfolgen. Das fängt bei Grundeinstellungen von Geräten an. Die Offenlegung, meist eher eine Kommunikationspanne als ein erwünschter Akt, sollte nachdenklich machen. Es ist ein Postulat, zuallererst die eigene Bequemlichkeit zu hinterfragen.

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DT (jobo)

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