Geseke

Es gibt keine "moderne, alternative" Lebensform für Priester

Ein Postulat für verheiratete Priester, welches aus der Not geboren ist, mag man verstehen, auch wenn man es nicht billigen will.

Katholische Priester
Katholische Priester - gibt es bald auch verheiratete? (Symbolbild) Foto: Boris_Roessler (dpa)

Es ist keine Neuigkeit mehr: Priester will heiraten und muss seinen "Job" aufgeben. Gerade ging es wieder durch die Gazetten. Diesmal ist es ein Kaplan aus Oberbayern, der schon nach vier Jahren die Segel streicht und in den Hafen der Ehe einlaufen will. In den sozialen Medien wird es nur zu gerne geteilt. Natürlich gilt es bei der Gelegenheit, dem ungeliebten Zölibat einen weiteren Schlag zu verpassen. Es wird nach der ultimativen Botschaft gesucht und jeder Lokalredakteur findet die alles lösende Kritik an dieser Lebensform.

Sind für Priester alternative Lebensformen als "Ergänzung zum Zölibat" möglich?

"Es müssten alternative, moderne priesterliche Lebensformen als Ergänzung zum Zölibat geschaffen werden.", zitiert das Oberbayrische Volksblatt den Pfarrer des Kaplans. Der Pfarrer will nicht auf so einen großartigen Kaplan verzichten. Was aber soll eine "alternative, moderne priesterliche Lebensform" sein? Die Ehe ist – für die meisten Leser - so altmodisch, dass sie nicht gemeint sein kann. Als modern und alternativ dagegen gilt die freie Lebensabschnittspartnerschaft in diversifizierten, frei gewählten Kombinationen. Kaum anzunehmen, dass sich ein Pfarrer einen unverheiratet mit einer Frau zusammenlebenden Kaplan mit Kindern aus dieser und anderen Beziehungen wünschen kann. Die Dynamik von Trennung und neuer Partnerschaft, die für die säkuläre Welt der Normalfall ist gehört dazu. Das ist die Botschaft, die der Pfarrer sendet.

Diskrepanz zwischen Absicht und Botschaft

Die Diskrepanz zwischen der vermuteten Absicht und der gesendeten Nachricht könnte kaum größer sein. Ein Postulat für verheiratete Priester, welches aus der Not geboren ist, mag man verstehen, auch wenn man es nicht billigen will. Was der Pfarrer über dies Interview fordert, ist ein Unding und kann nicht auf Verständnis hoffen. Der Zölibat widerstrebt dem Zeitgeist und dem Zeitgeschmack. Gerade deshalb ist er in den Medien immer wieder als die dem Priestertum angemessene Lebensform zu verteidigen. Auch in der Notsituation, in der Verärgerung oder Verzweiflung gilt es, in den Medien klare und verständliche Botschaften zu senden und nicht den Zeitgeist unnötig zu füttern.

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DT (jobo)

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