Lingen

Bischof Bode und das übergriffige "Wir"

Der stellvertretende Vorsitzende der DBK nimmt das ganze Volk Gottes in Haftung für die Schuld einzelner Kleriker. Von Peter Winnemöller

Bischof Franz-Josef Bode, stellvertretender Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK)
Bischof Franz-Josef Bode, stellvertretender Vorsitzender der DBK. Foto: Guido Kirchner (dpa)

In einer Predigt anlässlich der Vollversammlung der DBK in Lingen sprach Bischof Franz-Josef Bode von Schuld, in die die Kirche geraten sei. In einem unsäglich übergriffigen „Wir“ nimmt der Bischof von Osnabrück und stellvertretende Vorsitzende der DBK das ganze Volk Gottes in Haftung für die Schuld einzelner Kleriker. Nicht nur, dass der Bischof Schuld kollektiviert, er redet quasi einer katharischen Kirche der Reinen das Wort.

Lamento leichter und populärer als konsequente Aufklärung

Unverständlich ist dies Lamento umso mehr, als sich der Bischof von Osnabrück in einem Bußgottesdienst schon im Jahr 2010 auf die Stufen seines Doms warf und dasselbe Lamento verbreitete. Seitdem sind neun Jahre vergangen. Wäre der Bischof ein Mann der Tat, könnte er zumindest in seinem Bistum längst aufgeräumt haben. Den Bedarf scheint er zu erkennen. Als Bischof stehen ihm alle Mittel zur Verfügung.

Statt konsequent durchzugreifen, alle Fälle von sexuellem Missbrauch in seinem Bistum konsequent aufzuklären und harte – auch personelle – Schnitte zu machen, ist ein Lamento leichter und populärer. Zudem redet Bischof Bode von verlorenem Vertrauen. Das ist wenig hilfreich.

Kollektivierung der Schuld kaschiert Verantwortung

Verloren ist der Glaube. Im Allgemeinen sehen wir einen massiven Rückgang des Glaubens, dem nichts entgegengesetzt wird. Eine immer weiter gehende Anpassung an den Zeitgeist nützt nichts. Verloren ist offensichtlich der Glaube der Täter und der Vertuscher an eine ewige Gerechtigkeit. Anders scheint nicht zu erklären, warum nicht konsequenter gegengesteuert wird.

Die jetzt herbeigeredete Partizipation des ganzen Gottesvolkes an der Schuld nährt den Verdacht, der Bischof wolle sich um die Verantwortung, die sein Amt mit sich bringt, drücken.

Ein Bischof ist Lehrer und Leiter seines Bistums, er trägt darin die Verantwortung über den Heiligungsdienst. Wenn alles das, was der Bischof in seiner Predigt anprangert, in seinem Bistum anzuprangern ist, ist es an ihm das zu ändern. Es ist wenig sinnvoll mit einem übergriffigen „Wir“ plötzlich das ganze Volk Gottes dafür verantwortlich zu machen, was die Hirten vergeigt haben.

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DT (jobo)

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