Trier

Pfarreifusionen: Trier rudert zurück

Die Pfarreireform läuft nun auf ein mit dem Vatikan abgestimmtes Zwei-Ebenen-Modell hinaus. Das Umsetzungsgesetz zur Einführung der umstrittenen Großpfarreien ist endgültig vom Tisch

von Regina Einig

Genosse Don Camillo
Foto: dpa | Im Bistum Trier probten Priester und Laien den Aufstand gegen eine zentralistische Bistumsreform. Der Vatikan hat eingegriffen, die Kritiker setzten sich auf ganzer Linie durch,

Engagierte Laien und Priester haben im Bistum Trier der geplanten Pfarreienreform eine neue Richtung gegeben: Am Freitag gab Bischof Stephan Ackermann vor Journalisten bekannt, wie die neue, nach vatikanischen Maßgaben überarbeitete Pfarreienreform aussehen soll. Mit Blick auf den Widerstand vor Ort räumte der Trierer Oberhirte ein, dass er und die für die Umsetzung der Reform zuständigen Mitarbeiter unterschätzt hätten, „wie sehr die traditionellen Strukturen der Pfarrei zusammen mit dem pfarrlichen Leben mit Emotionen und Erinnerungen verbunden sind.“

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Umsetzungsgesetz ist gekippt

Das Umsetzungsgesetz zur Errichtung der ursprünglich geplanten zentralen XXL-Pfarreien ist damit endgültig Makulatur. Statt Großpfarreien soll es künftig höchstens 172 Pfarrgemeinden geben, die von einem Priester geleitet werden. Das entspricht der Zahl der derzeit bestehenden Verbünde, die derzeit noch 887 Pfarreien umfassen. Das Bistum setzt auf freiwillige Fusionen. Im Jahr 2022 sollen die ersten Gemeinden fusionieren. Zusätzlich sollen in den Grenzen der ursprünglich geplanten Großpfarreien 35 ergänzende Seelsorgeräume entstehen. Sie lösen die bisherigen 32 Dekanate ab. Für die Umsetzung gibt sich das Bistum fünf Jahre Zeit.

Nachdem Gläubige des Bistums Trier gegen die ursprünglich geplante Errichtung von XXL-Pfarreien in Rom geklagt hatten, schritt der Vatikan im November 2019 ein und legte die Reformpläne auf Eis. Im Juli setzte der Vatikan der Experimentierfreude im Rahmen von Gemeindereformen mit einer Instruktion Grenzen. In Abstimmung mit der Kleruskongregation und dem Päpstlichen Rat für die Interpretation der Gesetzestexte hat das Bistum Trier beschlossen, den neuen Zuschnitt der Reform ohne Zeitdruck anzugehen.

Kritiker haben sich auf voller Linie durchgesetzt

Harald Cronauer, Sprecher der Initiative „Kirche vor Ort“, zeigte sich gegenüber dieser Zeitung erleichtert über die Aufhebung des Umsetzungsgesetzes für Großpfarreien: „Unsere Klage als ,Initiative Kirchengemeinde vor Ort‘ hat somit zu hundert Prozent Erfolg gehabt! Die Pfarreien und Kirchengemeinden vor Ort bleiben mit allen Gremien bestehen und im nächsten Jahr gibt es Neuwahlen für eine weitere Periode von vier Jahren. Das Modell entspricht auf den ersten Anschein dem von uns vor zwei Jahren vorgeschlagenen ,Trierer Weg‘ und lässt hoffen, dass wir jetzt gemeinsam für die Stärkung und Verbreitung unseres Glaubens unterwegs sein werden.“

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Der Rechtanwalt kündigte an, man werde konstruktiv, aber wachsam die Ausgestaltung der pastoralen Räume und die angestrebten freiwilligen Fusionen auf bis zu 172 neue Pfarreien begleiten. Unklar sei, warum die bestehenden Pfarreiengemeinschaften aufgelöst werden sollen, wenn sie doch anschließend wieder zu identischen Pfarreien fusionieren sollen, und warum außer den für die neuen Pfarreien bestellten Pfarrern das pastorale Personal auf der Ebene der pastoralen Räume angesiedelt werden solle.

Der "präsente Pfarrer" wird zum Prüfstein der neuen Reform

Cronauer zufolge besteht kein Verständnis dafür, dass die zahlreichen Vakanzen jetzt nicht umgehend mit neuen Pfarrern besetzt werden. Keinesfalls dürfe eine fortgesetzte Vakanz zu einem indirekten Druckmittel für Fusionen werden. Wörtlich erklärte der Rechtsanwalt: „Die Menschen brauchen gerade jetzt ihren persönlichen, verlässlichen und verantwortlichen Pfarrer als Begleiter und Seelsorger vor Ort.“

Insgesamt sehen Cronauer und seine Mitstreiter jedoch positiv in die Zukunft: „Wir freuen uns, dass die Grundsätze der Ungleichzeitigkeit und unterschiedlichen Gestaltungen der Veränderungen beim Bistum Einzug gehalten haben. Es geht jetzt um die gemeinsame Anstrengung zur Vertiefung und Verbreitung unseres Glaubens besonders in diesen schwierigen Zeiten.“

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