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Kommentar um "5 vor 12": Die Pandemie bietet eine Chance für den Sonntag

Vor dem Hintergrund der Pandemie lohnt es, darauf zu schauen, was der Sonntag ist. Der Kirchgang gehört dazu. Doch es gibt noch mehr.
Gesangsbücher auf Kirchenbank
Foto: Caroline Seidel (dpa) | Es kann eine Chance der Pandemie sein, beim Besuch der Sonntagsmesse, durch Arbeitsruhe und mehr Stille, den Sonntag neu zu entdecken.

Während an Stränden und in öffentlichen Verkehrsmitteln immer mehr Betrieb herrscht, macht sich bei vielen Gläubiger eine gewisse Ratlosigkeit bemerkbar. Wie steht es nach dem Lockdown eigentlich mit der Sonntagspflicht?

Sonntagspflicht im Kirchenrecht

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Den Umfrageergebnissen dieser Zeitung zufolge hatten die Diözesen Regenburg und Osnabrück im Frühjahr die nachhaltigste Lösung gefunden, indem sie die Gläubigen aufgrund des Lockdowns und des Verbots öffentlich gefeierter Gottesdienste darauf hinwiesen, ihre Sonntagspflicht auf die im kirchlichen Gesetzbuch genannte Weise zu erfüllen und, soweit möglich, an einem über das Internet, das Fernsehen oder im Radio ausgestrahlten Gottesdienst teilnehmen mögen. 

Die Regel war aber die Aufhebung der Sonntagspflicht. Auf deren förmliche Wiedereinsetzung hat das Gros der deutschen Bistümer nach der Aufhebung des Lockdowns verzichtet. Zum Teil steckt dahinter Kalkül: Da alle Prognosen darauf hindeuten, dass die nächste Corona-Welle unaufhaltsam auf die Nation zurollt, erspart man sich auf diese Weise die unangenehme Aufgabe, auf einen allfälligen zweiten Lockdown mit erneuter Aufhebung der Sonntagspflicht zu reagieren.

Die Chance in der Pandemie

Drei Bistümer – Bamberg, Fulda und Hildesheim haben die Sonntagspflicht dennoch wieder in Kraft gesetzt, verweisen aber darauf, dass gemäß geltendem Kirchenrecht bei gesundheitlicher Gefährdung  oder wenn die Möglichkeit zur Teilnahme vor Ort nicht besteht, kein Gottesdienst besucht werden muss. Nicht wenige Kirchgänger sind sich über den Status quo der Sonntagspflicht jedoch im Unklaren.

Vor dem Hintergrund des Aktivismus, den viele in den Urlaubstagen ohne Rücksicht auf sich und andere lostreten, bietet sich der Kirche derzeit allerdings eine Steilvorlage: Den Sonntag wiederzuentdecken ist eine Chance der Pandemie: beim Besuch der derzeit spärlich gefüllten Sonntagsmessen, und auch durch Arbeitsruhe und mehr Stille. Denn das Sonntagsgebot erschöpft sich nicht mit dem Kirchgang. Daran zu erinnern lohnt schon vor dem potenziellen zweiten Lockdown.

 

 

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