Fastenzeit – in allen Religionen vertreten

Der Hintergrund der Fastenzeit ist, die Konzentration von Gläubigen verstärkt auf den Glauben zu richten und so den Schöpfungsgottheiten näher zu kommen.
Opferkerzen
Foto: Pixabay | Eine Kerze in einem Gotteshaus anzünden kann eine wahre Wohltat für die Seele sein.

Der Hintergrund der Fastenzeit ist, die Konzentration von Gläubigen verstärkt auf den Glauben zu richten und so den Schöpfungsgottheiten näher zu kommen. Sämtliche Größen aller Religionen machten es uns vor: Jesus Christus fastete 40 Tage lang in der Einsamkeit der Wüste, bevor er mit seinem öffentlichen Wirken begann. Ebenso lang und aus dem gleichen Grund zog sich Moses auf den Berg Sinai zurück, im Anschluss empfing er das Wort Gottes. Auch Mohammed durchlebte vor der Offenbarung des Korans die Fastenzeit.

Opferkerzen

Fasten im Christentum

Von Aschermittwoch bis Ostern dauert die Fastenzeit der Christen, sie ist auch unter der Bezeichnung Passionszeit bekannt. Menschen sollen die Tage der Enthaltsamkeit nutzen, um sich neu zu besinnen. Gleichzeitig tun sie auf diesem Weg Buße und suchen die Nähe zu Gott. Generell nimmt die Zahl der Deutschen zu, die es aus gesundheitlicher Sicht als sinnvoll erachten, zu fasten. Laut einer aktuellen Umfrage der DAK in Zusammenarbeit mit Forsa (Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen) handelt es sich bei ihnen um 23 Prozent der Bundesbürger. Hielten sich früher noch viele Gläubige an die strengen Regeln, gestalten sie heute die Fastenzeit individuell. Sie verzichten beispielsweise auf folgende Lebens- bzw. Konsummittel:

  • Alkohol – gemäß der DAK-Studie können sich die Deutschen am häufigsten vorstellen, in der Passionszeit Wein, Bier und Co. aus ihrem Leben zu  streichen (73 Prozent)
  • Süßigkeiten – Schokolade, Kekse, Bonbons etc. (68 Prozent)
  • Fleisch – selbst manche leidenschaftlichen Fleischesser nehmen es im Zuge der Fastenzeit von ihrem Speiseplan (56 Prozent)
  • Tabak – dem Rauchen für eine längere Zeit entsagen, fällt vielen Menschen besonders schwer (43 Prozent)
  • Fernsehen – durch den Verzicht bleibt mehr Zeit für gemeinsame Beschäftigung mit der Familie oder dem Partner (39 Prozent)
  • Laptop, Smartphone und Co. – ist für viele ebenfalls nicht einfach (27 Prozent)
  • Auto – gut für die Umwelt und den eigenen Geldbeutel (24 Prozent)

Im Christentum wurde ursprünglich an zwei festgelegten Tagen gefastet. Zum einen am Tag, an dem Judas Jesus verriet, einem Mittwoch. Zum anderen freitags in Gedenken an die Kreuzigung Gottes Sohn.

Vor dem Fasten

Gleich, ob aus religiösen oder diätischen Gründen gefastet wird, der Körper sollte darauf vorbereitet werden. In der Regel bedeutet es Verzicht auf feste Nahrung und viel trinken. Dadurch wird der Körper gereinigt, zudem erfolgt eine Gewichtsabnahme. Bestenfalls gehen dem Fasten ein bis drei Entlastungstage voraus. In dieser Zeit stehen reichlich Obst, gedünstetes Gemüse, Reis sowie Kartoffeln auf dem Programm. Rund 500 Kalorien täglich sind angemessen. Etwa drei Liter Flüssigkeit, darunter Wasser, Tee, Saft sowie Gemüsebrühe pro Tag sind angeraten. Darüber hinaus stellen spezielle Diät-Shakes eine gute Wahl dar. Sie enthalten nicht nur alle wichtigen Vitamine und Mineralien, sondern überzeugen auch geschmacklich.

Achtung: Die 500 Kalorien sind nur die Vorbereitung für das Fasten und sollten keinesfalls als langfristige Diät angesehen werden. Finden Sie mithilfe eines Kalorienrechners Ihren Grund- und Leistungsumsatz heraus und auch, wie viele Kalorien in einer Diät angemessen und gesund sind.

Leckere Diät-Shakes sind Vitaminbomben

 

Fasten im Judentum

Einer der bedeutendsten Versöhnungs- und Fastentage ist Jom Kippur. Es darf weder gegessen und getrunken noch geraucht werden. Weiterhin geht man nicht zur Arbeit, gibt seinen sexuellen Gelüsten nicht nach und wäscht sowie schminkt sich auch nicht. An diesem Tag werden alle etwaigen Sünden der Vergangenheit gesühnt. Ebenso wichtig ist der 9. Aw (= jüdischer Monat, der nach dem gregorianischen Kalender meist in die Monate Juli und August fällt). Er geht gleichfalls mit Nahrungs- und Getränkeverzicht einher, gefastet wird von einem Sonnenuntergang bis zum darauffolgenden, d.h., 24 Stunden.

Es gibt noch weitere Fastentage im Judentum, die zahlreiche Gläubige nicht ganz so streng handhaben. Sie verkürzen das Fasten etwas, indem es nur von Sonnenaufgang bis -untergang des betreffenden Tages eingehalten wird. Dabei handelt es sich um den:

  • 10. Tevet: Beginn der babylonischen Belagerung von Jerusalem
  • 17. Tammuz: Erinnerungstag an die Einnahme der Mauern Jerusalems durch die Babylonier
  • 3. Tishri: Erinnerung an den Tod des Statthalters Gedalja durch Mord
  • 13. Adar: Vortag des Purimfestes

Zu den weiteren Fastenzeiten zählen unter anderem der Todestag der Eltern, eigene Hochzeitstag sowie der Vorabend eines jeden Neumondes. Allerdings ist das Fasten an diesen Tagen nicht strikt vorgeschrieben.

Fasten in der Orthodoxie

Unter anderem in Griechenland, Russland, Serbien, Rumänien und Bulgarien besteht die Bevölkerung überwiegend aus orthodoxen Christen. Weltweit gibt es etwa 300 Millionen Menschen, die diesem Glauben angehören. Das Wort „orthodox“ stammt aus dem Griechischen und steht für „recht- bzw. strenggläubig“. Sowohl das Christentum als auch der Islam und das Judentum verstehen unter Orthodoxie eine strenge, wortwörtliche Auslegung der Heiligen Schriften.

Die Orthodoxe Kirche erwartet die explizite Einhaltung der Fastenzeiten. Über mehrere Wochen und Tage erstrecken sich:

  • siebenwöchige Passionszeit im Zeitraum vor Ostern
  • einwöchiges Apostel-Fasten nach Pfingsten
  • Koimesis-Fasten im August
  • Advent-Fasten von Mitte November bis 24. Dezember

Zudem steht jeden Mittwoch und Freitag Fasten an. Ebenso wie bei anderen Glaubensrichtungen auch, entfernen sich viele Menschen von den eisernen Regeln der Kirche. Sie gehen Fastenzeiten lockerer an und verkürzen diese häufig. Grundsätzlich wird in der orthodoxen Kirche an den betreffenden Tagen bzw. Wochen auf Fleisch, Eier sowie Milchprodukte verzichtet. Stehen die besonders strengen Fastentage an, sollen außerdem weder Fisch noch Wein und Öl genossen werden.

Orthodoxe Kirche in Griechenland

 

Fasten im Buddhismus

Buddha lehnte die Selbstkasteiung ab und sprach sich weder für Völlerei noch Hunger aus. Er lehrte die goldene Mitte, vor allem für die Mönche und Nonnen, deren Meditation durch weniger Essen erleichtert wurde. Damit diese problemlos inneren Frieden und Erleuchtung finden konnten, nahmen sie tagtäglich nach 12 Uhr keinerlei Nahrung mehr auf. Im Leben buddhistischer Gläubiger gibt es keine fest definierten Fastentage. Es geht vielmehr um eine Grundeinstellung, die einem bewussteren mentalen Leben dienen.

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