Vatikanstadt

„Die Welt braucht keine leeren Worte, sondern glaubwürdige Zeugen“

In seiner Botschaft zum Weltfriedenstag ruft der Papst zu Dialog, Versöhnung und ökologischer Umkehr auf und betont die Bedeutung des Bußsakraments.
Papst Franziskus mit weißen Tauben, das Symbol des Friedens
Foto: dpa/ Osservatore Romano (ANSA) | Weiße Tauben gelten als Symbol des Friedens. Papst Franziskus ruft im Blick auf den Frieden nicht nur zu „ökologischer“, sondern auch zu persönlicher Umkehr auf - etwa im Sakrament der Versöhnung.
In seiner Botschaft zum Weltfriedenstag ruft Papst Franziskus zu einem Ende der Abschreckungspolitik auf, ermahnt die internationale Politik zum Dialog, fordert grundlegende Wirtschaftsreformen und eine „ökologische Umkehr“. In seinem Schreiben, das am Donnerstag vom Vatikan veröffentlicht wurde, unterstreicht Franziskus zudem die Bedeutung des Bußsakraments für den Weg der Versöhnung. 
Frieden und Stabilität seien unvereinbar mit dem Versuch, sie auf der Angst gegenseitiger Zerstörung oder auf der Drohung totaler Vernichtung aufzubauen, schreibt der Papst. Ein solches „höchst instabiles Gleichgewicht“ stehe „am Rande des nuklearen Abgrunds“. Kriege nähmen ihren Ursprung häufig von einer „Unduldsamkeit gegen die Verschiedenartigkeit des anderen“, betont der Heilige Vater und warnt vor „hegemonialen Ambitionen“ und Machtmissbrauch.

 

 Es wird nie einen wahren Frieden geben,
wenn wir nicht in der Lage sind, ein gerechteres
Wirtschaftssystem aufzubauen“
Papst Franziskus

Die Menschheit trage „im Gedächtnis und am eigenen Fleisch“ die Zeichen immer brutalerer Konflikte, die vor allem die Ärmsten und die Schwächsten träfen. Angesichts vieler widersprüchlicher Interessen sei es notwendig, „an das moralische Gewissen und an den persönlichen und politischen Willen zu appellieren.“ Die politische Bereitschaft zu Einigung und Versöhnung müsse immer wieder gestärkt werden. Auch sei jeder dafür verantwortlich, sich über Ideologien und Meinungen hinweg für Wahrheit, Gerechtigkeit und die Rechte von Schwächeren einzusetzen, so Franziskus.

Der Papst verbindet seinen Friedensappell mit der Forderung nach weltweiten Wirtschaftsreformen und einer „ökologischen Umkehr“. „Was für den Frieden im sozialen Bereich zutrifft, das stimmt auch im politischen und wirtschaftlichen Bereich, weil die Frage des Friedens alle Dimensionen des gemeinschaftlichen Lebens durchdringt: Es wird nie einen wahren Frieden geben, wenn wir nicht in der Lage sind, ein gerechteres Wirtschaftssystem aufzubauen“, betont der Heilige Vater. 
 

Franziskus: Wir brauchen eine „ökologische Umkehr“

 Mit Blick auf die Konsequenzen aggressiver Ausbeutung natürlicher Ressourcen bekräftigt der Papst seine Forderung nach einer „ökologische Umkehr“:  „Angesichts der Folgen unserer Feindseligkeit den anderen gegenüber und der Auswirkungen der fehlenden Achtung für das gemeinsame Haus und der missbräuchlichen Ausbeutung der natürlichen Ressourcen – einzig als Mittel für schnellen Profit heute gesehen, ohne auf die Gemeinschaften vor Ort, das Gemeinwohl und die Natur zu achten – brauchen wir eine ökologische Umkehr.“

Weiter ruft der Papst zu Geduld und Hoffnung auf. „Der Weg der Versöhnung erfordert Geduld und Vertrauen. Man erhält keinen Frieden, wenn man ihn nicht erhofft.“ Es gehe vor allem darum, an die Möglichkeit des Friedens zu glauben, zu glauben, dass der andere ebenso wie wir Frieden brauche, so der Papst weiter. „Darin kann uns die Liebe Gottes zu einem jeden von uns inspirieren, die eine befreiende, uneingeschränkte, unentgeltliche und unermüdliche Liebe ist.“

 

Der Weg der Versöhnung wird
vom Sakrament der Versöhnung getragen
Papst Franziskus

Oft sei die Angst die Quelle von Konflikten, hebt Franziskus hervor. Es sei daher wichtig, menschliche Furcht zu überwinden und „uns zugleich vor dem als bedürftige Kinder erkennen, der uns wie der Vater des verlorenen Sohns liebt und erwartet (vgl. Lk 15,11-24).“ Die Kultur der Begegnung zwischen Brüdern und Schwestern breche mit der Kultur der Bedrohung.

Ausdrücklich geht Franziskus auf die Bedeutung des Bußsakramentes ein: Für die Jünger Christi werde der Weg der Versöhnung auch vom Sakrament der Versöhnung getragen, das der Herr zur Vergebung der Sünden der Getauften geschenkt habe. „Dieses Sakrament der Kirche, das die Menschen und Gemeinschaften erneuert, ruft dazu auf, den Blick auf Jesus gerichtet zu halten, der ,alles im Himmel und auf Erden’ versöhnt hat und ,der Frieden gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut' (Kol 1,20). Dieses Sakrament verlangt zudem, jede Gewalt in Gedanken, Worten und Werken sowohl gegen den Nächsten als auch gegen die Schöpfung abzulegen. Die Gnade Gottes des Vaters wird als bedingungslose Liebe geschenkt. Wenn wir in Christus seine Vergebung empfangen haben, können wir uns auf den Weg machen, um diese Vergebung den Männern und Frauen unserer Zeit anzubieten“, hebt der Franziskus hervor.

Die Papst-Botschaft zum Weltfriedenstag 2020 trägt den Titel „Der Frieden als Weg der Hoffnung - Dialog, Versöhnung und ökologische Umkehr“. Die katholische Kirche begeht den Friedenstag am 1. Januar.

DT/mre
 

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