Kurienreform

Neuerungen stehen unter Vorzeichen der Evangelisierung

Mit der Kurienreform führt Papst Franziskus Überzeugungen seiner Vorgänger Johannes Paul II. und Benedikt XVI. fort, meint der Kirchenrechtler Christoph Ohly.
Christoph Ohly wird kommissarischer Rektor von Sankt Augustin
Foto: Uni Trier | Papst Franziskus setzt bei der Kurienreform den Schwerpunkt auf Evangelisierung und Mission, erklärt der Kirchenrechtler Christoph Ohly und betont: Bei allen Neuerungen sei die Einheit mit dem Papst und der Welkirche ...

Papst Franziskus räumt bei der Kurienreform der Evangelisierung besonderen Raum ein und steht damit ganz in der Linie seines Pontifikats, erklärt der Kirchenrechtler Christoph Ohly am Montag in einem Interview mit dem bundesweiten christlichen Radiosender katholischer Prägung „Radio Horeb“. Franziskus wolle „damit ein sehr starkes Vorzeichen setzen“, entsprechend dem Hauptauftrag der Kirche, das Evangelium zu verkünden und Christus in die Welt zu tragen. Damit führe der Papst Aussagen und Überzeugungen seiner Vorgänger Johannes Paul II. und Benedikt XVI. zu Evangelisierung und Mission fort. Gerade Benedikt XVI. habe mit der Errichtung des Päpstlichen Rates für die Neuevangelisierung die Grundlage dafür geschaffen, auf die Papst Franziskus  jetzt aufbauen könne, so der Kirchenrechtler.

Eine lohnende Perspektive

Alle Einrichtungen der Kurie, die künftig einheitlich unter den Namen „Dikasterium“ laufen, sollen „in diese Perspektive der Verkündigung des Evangeliums“ gestellt werden, erklärt Ohly. Das Dikasterium „Evangelisierung“ nenne der Papst in der Konstitution daher auch an erster Stelle und hebe sie somit besonders hervor. Papst Franziskus breche damit zwar die traditionelle Hierarchie - die Vorrangstellung der Kongregation für die Glaubenslehre wie sie in der Konstitution von Johannes Paul II. „Pastor Bonus“ formuliert wurde, scheine aufgehoben. Die Aufgaben der bisherigen Kongregationen würden deswegen aber nicht unwichtiger oder unbedeutender, stellt Ohly klar, sondern „sie sollen noch mal von diesem Vorzeichen der Evangelisierung neu gedacht werden. Und das ist sicherlich eine lohnenswerte Perspektive“. 

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Das eigentliche Anliegen des Papstes bei dieser Reform sei die persönliche geistliche Erneuerung, erklärt Ohly und führt aus: Jede Reform „muss letztlich im Herzen des Einzelnen beginnen“, auch die Reform die Umstrukturierung einer römischen Kurie. „Erst da, wo diese Umkehr dieser Bekehrung sich vollzieht, können dann auch Strukturen mit einem neuen Geist, mit einem Geist Gottes so erfüllt werden, dass sie auch dann im Dienst der Evangelisierung stehen“, erläutert er.

Einheit mit Papst und Weltkirche zu wahren

Dass durch die Kurienreform auch Laien hohe Ämter in der Kurie offenstehen, ergibt für Ohly bei Themen wie Laien, Familie, Leben oder Kultur Sinn. Er vermute, dass Laien in eben solchen Dikasterien eingesetzt werden sollen. Es bestehe aber noch Klärungsbedarf. Denn der Zusammenhang von Weihe und Leitungsvollmacht wie ihn das Zweite Vatikanische Konzil vorsieht, dürfe nicht außer Acht gelassen werden. Dikasterien wie das für Bischöfe, den Klerus oder die Glaubenslehre müssten nach wie vor der Leitung des Priesters vorbehalten bleiben. Hier habe es die größte Veränderung gegeben, die "in bestimmter Hinsicht kritisch angeschaut werden muss“, so Ohly.

Vorbehalte äußerte der Kirchenrechtler auch in Bezug darauf, dass die Kurie stärker im Dienst der Bischöfe, der Ortsbischöfe und der Bischofskonferenzen stehen sollen, statt wir bisher nur im Dienst des Papstes. Ortsbischöfen sollen mehr Kompetenzen übertragen werden, „nämlich als Hirten, als Lehrer des Glaubens jene Fragen zu lösen, die vor Ort zu lösen sind“. Hier sei die Einheit mit Papst und Weltkirche zu wahren. Im Klartext: „Ein Bischof kann daraufhin jetzt natürlich keine Entscheidungen vor Ort treffen, die sich gegen die gesamte kirchliche Lehre oder die Disziplin, die Einheit der ganzen Kirche richten würden.“  DT/dsc

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