Berufung

Vom Glück der Konversion

Franziska Gresik trat zur katholischen Kirche über und lebt als Schwester Maria Veronika bei den Auerbacher Schulschwestern ganz für Jesus.
Auerbacher Schulschwestern
Foto: Privat | Franziska ließ die Neugier nicht mehr los und sie beschäftigte sich mit dem Rosenkranzgebet, las die „Wunderbaren Geschichten“ der Mutter Teresa und „Maria von Guadalupe“ und fand dadurch einen ganz neuen Zugang zu ...

Das Gebet, die heilige Messe und die Arbeit strukturieren ihren Alltag. Das war aber nicht immer so, denn Schwester Veronika – Geburtsname Franziska Gresik – ist evangelisch aufgewachsen. Den Weg in die katholische Kirche pflasterten die Sehnsucht nach der Eucharistie, die Gottesmutter selbst – und Zeugnisse auf Youtube. Im oberfränkischen Bayreuth als Einzelkind aufgewachsen, ging sie nach ihrer Zeit im Flötenchor nur mehr zur Konfirmation und an Weihnachten in den Gottesdienst. „Der Glaube hat keine besondere Rolle gespielt“, sagt sie. Trotzdem habe sie jeden Abend gebetet, wie sie es als Kind gelernt hatte.

Innere Leere

Nach dem Abitur begann Franziska in Würzburg mit dem Studium der Sozialen Arbeit . Damals suchte sie „die Erfüllung in meinen Aufgaben, im Freundeskreis, in der Familie“. Doch die Sehnsucht nach etwas anderem brannte in ihr: „Ich fühlte, dass immer eine Leere blieb, trotz all des Guten, das ich erfahren durfte.“ Nach dem Studium konnte sie sich einen lang gehegten Traum erfüllen – es ging für ein halbes Jahr als Au-pair-Mädchen nach Irland.

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Kurz davor ging es für Franziska und ihre Freundin, die später ihre Firmpatin werden sollte, nach Barcelona, wo die beiden sehr offen über den katholischen Glauben sprechen konnten. „Einige falsche Annahmen meinerseits wurden zurechtgerückt. Besonders hinsichtlich der Verehrung der Muttergottes“, sagt sie im Rückblick. Deshalb trage sie seither die Wunderbare Medaille und habe sich besonders der Führung Mariens anvertraut.

Gott hält alles in seinen Händen

Franziska ließ die Neugier nicht mehr los und sie beschäftigte sich mit dem Rosenkranzgebet, las die „Wunderbaren Geschichten“ der Mutter Teresa und „Maria von Guadalupe“ und fand dadurch einen ganz neuen Zugang zu Jesus, zur Muttergottes und den Heiligen. Sie hörte auch davon, dass „nicht alles von mir abhängt, sondern dass Gott alles in Händen hält, dass ich mich ihm anvertrauen kann“. Die Beziehung zu Jesus als Freund beginnt zu wachsen: Sie wurde persönlicher und lebendiger.

In ihrem Alltag durfte Franziska erleben, wie ihr Vertrauen in Jesus belohnt wurde. Sie begann, Gott zu fragen, was denn sein Wille für ihr Leben sei. „Dies war mein Weg hin zur katholischen Kirche. Dabei sah ich auch auf YouTube Zeugnisse von Konvertiten und Schwestern, die mich durch ihre Worte sehr berührten“, fasst sie heute zusammen. Aber da war noch immer diese Sehnsucht nach der Eucharistie und nach einem Leben ganz für Jesus.

„Gott allein genügt!“

Franziska hatte eine Arbeit gefunden, die sie gerne ausübte und war glücklich, katholisch zu sein und die Sakramente empfangen zu dürfen. „Eines Tages saß ich auf dem Sofa, und wieder wurde dieser Wunsch mächtig in mir, alles aufzugeben für Jesus.“ Dabei kam ihr ein Zitat der heiligen Teresa von Ávila in den Sinn, die sagte: „Gott allein genügt!“ Durch verschiedene Fügungen kam Franziska schließlich für eine Woche nach Auerbach zu den Schulschwestern von Unserer Lieben Frau mit dem Anliegen, ihre Berufung zu prüfen. Es kam aber noch besser: „Gleich habe ich mich zuhause gefühlt, die Gemeinschaft der Schwestern und die Freude, die sie ausstrahlten, gefielen mir sehr.“

Ein erster Hinweis, dass die junge Frau hier richtig war? Wichtig waren ihr auch die eucharistische und marianische Prägung der Spiritualität. Eine Anbetungsstunde sollte Klarheit in ihre Entscheidung bringen: Franziska betete im Gotteslob den Vers „Ich bete Dich an … Du Gott, der mich gewollt!“ Sie fragte ihn, wofür Er sie denn gewollt hat und brauche. „Ich verstand, dass Er mich in diese Gemeinschaft ruft.“
Dann ging alles schnell: Viele Überlegungen wirbelten durch ihren Kopf, doch mit der Entscheidung, die Arbeit und die Wohnung zu kündigen und nach Auerbach zu ziehen, um die Gemeinschaft besser kennenzulernen, kehrte ein großer Frieden in ihr Herz ein.

Junge Menschen bei Berufungsklärung begleiten

Dieser Friede trug sie durch die folgende Zeit, in der es viel zu organisieren und verschiedene Reaktionen ihrer Umgebung auszuhalten gab: Für viele war die Entscheidung stimmig, andere konnten sie überhaupt nicht verstehen. Für Franziska hingegen war es nicht schwer, sich von allem zu trennen, weil ihr Ziel ihr immer größer vor Augen stand. „Wenn Zweifel aufkamen, erinnerte ich mich an den Weg, den Gott bereits mit mir gegangen ist, und wie unmöglich ein solcher Weg aus menschlicher Sicht ist.“

In Auerbach angekommen, arbeitete sie anfangs in der Hausaufgabenbetreuung und im Kinderhort St. Josef. Währenddessen trat sie in die Kandidatur ein – die erste Stufe auf dem Weg ins Kloster. Ein halbes Jahr Postulat folgte als Vorbereitung auf das zweijährige Noviziat. Im Anschluss kam sie in die Filiale in Maria Schutz nach Niederösterreich, wo sie heute arbeitet: Man trifft sie in der Wallfahrtskirche, im Gästehaus, in der Sakristei oder am Handy, wenn sie sich um den Livestream, die Homepage oder den Instagram-Kanal kümmert. Ehrenamtlich ist sie auch noch in der Berufungspastoral der Erzdiözese Wien tätig und kann dort junge Menschen auf ihrem Weg der Berufungsklärung begleiten.

Das Wichtigste: Beziehung zu Jesus

Aber das Wichtigste für sie als Ordensschwester ist das Gebet – die Beziehung zu Jesus. „Daraus ergibt sich dann alles andere. Unser Tun kann so fruchtbar werden für alle, die uns anvertraut sind. Wichtig ist auch das Leben in der Gemeinschaft der Schwestern, denn im Zusammenleben kann man viel lernen.“ Über ihre Vergangenheit sagt sie: „Ich bin glücklich und unsagbar dankbar, dass ich der katholischen Kirche angehören darf, in die ich sehr bewusst übergetreten bin.“

Sie schenke ihr die Fülle der Wahrheit und die Mittel zum Heil. Freilich gebe es in der Kirche, weil sie aus fehlbaren Menschen besteht, viel „Schmutz“ (Benedikt XVI.). „Aber die Kirche ist der mystische Leib Christi. Sie verbindet mich mit Jesus Christus, der das Haupt des Leibes ist. Die Kirche wächst nicht durch Weltanpassung, sondern indem wir Christus gleichförmiger werden, uns Seinem Geist anpassen, Seine Liebe empfangen und an die Mitmenschen weitergeben.“

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