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Martin Seiberl: Jesu Heilungen sind Vorboten der Auferstehung

Immer wieder heilt Jesus Menschen, doch immer ist es zeitliche Heilung. Diese deutet aber auf das ewige Heil hin, dass Gott den Menschen bereiten will.
Heilungswunder
Foto: Gemeinfrei | Heilung der Schwiegermutter des Simon Petrus, aus einem Evangeliar aus dem 13. Jahrhundert vom Berg Athos.

In den Lesetexten des Sonntags trifft man auf zwei Kranke. Zunächst gewährt die alttestamentliche Lesung einen Blick auf Ijob, einen exemplarisch Leidenden. Das Buch Ijob treibt dessen Unglück auf die Spitze. Er verliert nicht nur sein Hab und Gut sowie seine Kinder, sondern darüber hinaus auch seine Gesundheit.

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Nachdem er seine Situation zunächst voll Langmut annimmt, schlägt seine Stimmung nach geraumer Zeit doch um. Die Zeilen der Lesung aus dem Ijob-Buch schildern die Klage über seine Mühsal und wachsen sich zu einem Hadern mit dem menschlichen Leben im Allgemeinen aus: Das Leben sei Ijob zufolge nichts anderes als ein Kriegsdienst, worin man lediglich auf Ablösung hoffen dürfe. Wie ein Sklave sei der Mensch, der sich doch nur ein wenig nach Schatten sehne. Viele weitere starke Bilder folgen in diesem Zusammenhang.

Innerweltliches Denken 

Die Verzweiflung des Ijob erklärt sich, wenn man sein rein innerweltliches Denken berücksichtigt. Ijob betrachtet das Leben in seiner kurzen Zeitspanne von der Geburt bis zum Tod. Im Vordergrund steht die Überzeugung, dass man eben nur einmal lebe, weshalb Krankheit, Leid als existenzielle Bedrohung aufgefasst werden, die zu überwältigen drohen.

Demgegenüber entwickelt die Erzählung aus dem Evangelium eine andere Haltung. Auch hier leidet ein Mensch: Die Schwiegermutter des Petrus liegt krank mit einem Fieber darnieder. Jesus kommt dazu, fasst die Schwiegermutter an der Hand, richtet sie auf und das Fieber weicht von ihr. Diese durch den Evangelisten Markus geschilderte Szene bedarf einer vertieften Auseinandersetzung. Vordergründig wirkt Jesus ein Wunder und heilt einen kranken Menschen. Die wundersame Heilung allein mag zwar beeindruckend sein, besitzt aber bei genauerem Hinsehen kaum Relevanz für einen Menschen, der gegenwärtig krank ist und leidet. Freuen kann man sich dann allenfalls für die Schwiegermutter, aber das eigene Leid bleibt davon unberührt.

Tiefer schauen

Spannend wird es, wenn man eine tieferliegende Erzählabsicht der Heilungsgeschichte herausarbeitet. Als Verständnis-Schlüssel erweist sich das griechische Verb egeiro mit dem Bedeutungsspektrum von aufwecken, auferstehen oder aufrichten. In Mk 1, 31 ist davon die Rede, dass Jesus die Schwiegermutter an der Hand fasst und aufrichtet. Wenn man nun die Ostererzählung des Evangelisten liest, taucht dieses Verb erneut in der Botschaft des Engels an die Frauen auf: „Er ist auferstanden, er ist nicht hier“ (Mk 16, 6).

Das griechische Wort stellt so eine Verknüpfung zwischen beiden Szenen her. Für die „Wundererzählung“ ist so nicht die physische Heilung entscheidend, sondern eine neue Perspektive, die derjenige einnehmen kann, der sein Leben und darin auch sein Leid, vom Glauben an die Auferstehung her begreift. Der österliche und damit geweitete Blick auf die eigene Existenz kann dann, so die Erzählung von der Schwiegermutter, von innen her aufrichten und trösten.

Text unter der Lupe

Ijob 7, 1-4.6–7
1 Korinther 9, 16–19.22–23
Markus 1, 29–39
Zu den Lesungen des 5. Sonntags im Jahreskreis 2024 (Lesejahr B)

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