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Jesus bittet den Vater für seine Jünger

„Bewahre sie in deinem Namen“ – was es mit dieser Bitte Jesu auf sich hat, erklärt Harm Klueting.
Jesus im Kreise seiner Jünger auf dem Ölberg.
Foto: IMAGO/Gemini (www.imago-images.de) | Jesus im Kreise seiner Jünger auf dem Ölberg.

Das auch „Hohepriesterliches Gebet“ genannte Abschiedsgebet steht am Ende der Abschiedsreden Jesu und vor der Passionsgeschichte. Das Evangelium für den 7. Sonntag der Osterzeit ist der mittlere Teil dieses Gebetes.

Im ersten Teil (Joh 17,1-5) betet Jesus für sich selbst: „Vater, verherrliche du mich jetzt bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war“ (Joh 17,5). Er nimmt damit das „Am Anfang war das Wort“ (Joh 1,1) aus dem Prolog des Johannesevangeliums auf. Im letzten Teil (Joh 17,20-26) betet Jesus für alle Glaubenden. „Sie sollen eins sein, wie wir“ – Gott der Vater und der Sohn – „eins sind, ich in ihnen und du in mir, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich“ (Joh 17,22b-23).

Den Namen Gottes offenbart

Im mittleren Teil bittet Jesus für seine Jünger. Im ersten Abschnitt heißt es: „Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast.“ Der Name Gottes? Offenbart durch ihn, Jesus, nicht allen Menschen, sondern nur denen, die Gott ihm aus der Welt gegeben hat? Aus dem Alten Testament wissen wir von der Unverfügbarkeit des Namens Gottes, von dem es im Neuen Testament heißt: „Niemand hat Gott je gesehen.“ Jesus gibt Gott ein Gesicht: „Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige“ – der Sohn – „der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht“ (Joh 1,18). Im 1. Johannesbrief lesen wir: „Niemand hat Gott je geschaut; wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollendet.“ Dieser Gott hat dem Sohn, der ihm ein Gesicht gibt, aus der Welt Menschen gegeben.

Das sind nicht alle Menschen und auch nicht alle Gläubigen, für die Jesus erst im dritten Teil des Gebetes betet. Es sind die Jünger. Aber gewiss über den Kreis der Zwölf hinaus auch die Christen damaliger und späterer Zeit, die in bewusster Weise in die Jüngerschaft eintreten. Sie sind in der Welt mit all ihren Gefahren. Deshalb ist das Wichtigste in diesem Teil des Gebetes Jesu Bitte: „Bewahre sie in deinem Namen. Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst.“

Lesen Sie auch:

Das ist der Höhepunkt des Gebetes. Aber er betet auch für Judas, einen der Zwölf, den er nicht an seinem Verrat hindert. Über ihn sagt Petrus: „Es musste sich das Schriftwort erfüllen.“ Petrus bezieht sich auf das Psalmwort: „Auch mein Freund, dem ich vertraute, hat gegen mich geprahlt“ (Ps 41,10).

Apg 1,15-17.20a.c-26
1 Joh 4,11-16
Joh 17,6a.11b-19
Zu den Lesungen des 7. Sonntags der Osterzeit 2024 (Lesejahr B).

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