Heiligsprechung

Seherkinder von Fatima heilig

Ortsbischof und Theologen unterstreichen Bedeutung der Kanonisierung für Botschaft – Termin erst im April offiziell bekannt
Die drei Seherkinder von Fatima
Foto: dpa | Zwei der drei Seherkinder von Fatima werden im Mai heiliggesprochen.

Rom/Würzburg (DT/reg/KAP) Papst Franziskus spricht die Hirtenkinder Francisco und Jacinta heilig. Der Vatikan veröffentlichte am Donnerstag die Personalia zu den vom Papst bestätigten drei bevorstehenden Heiligsprechungen. Die Dekrete mit bestätigten Heilungswundern betreffen die Geschwister Marto und den Kapuzinerpater Angelo da Acri (1669 bis 1739).

Bischof António Marto von Leiria-Fatima äußerte sich erfreut über die Nachricht aus Rom. Wie die Website des Bistums mitteilte, hatte der Bischof erst am Donnerstag von der Entscheidung des Vatikan erfahren. Vor Journalisten erklärte er am selben Tag, die Kirche bestätige nun offiziell, was unter den Gläubigen bereits feste Überzeugung sei. In der Weltkirche würden die Kinder bereits weltweit als Heilige verehrt. Der Wallfahrtsdirektor von Fatima, Carlos Cabecinhas, sagte, die Heiligkeit der Seher unterstreiche die Bedeutung der Botschaft der Muttergottes in der Cova da Iria. Falls sich der Heilige Vater entscheide, die Kinder am 13. Mai in Fatima heiligzusprechen, „sei alles vorbereitet“. Das Konsistorium, das vor Heiligsprechungen notwendig ist, soll italienischen Medien zufolge nach Ostern einberufen werden.

Der 13. Mai ist der hundertste Jahrestag der Marienerscheinungen von 1917. Francisco und Jacinta wurden im Jahr 2000 von Johannes Paul II. seliggesprochen. Die dritte Seherin Lucia, die als einzige der drei das Erwachsenenalter erreichte und Ordensfrau wurde, starb 2005 im Alter von 98 Jahren. Für sie rückt eine Seligsprechung näher.

Aus Sicht des Dogmatikers Manfred Hauke, Mitglied der Internationalen Päpstlichen Marianischen Akademie und Vorsitzender der „Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Mariologie“, zeigt die Heiligsprechung der beiden Seherkinder Francisco und Jacinta Marto, dass alle Glieder der Kirche von frühester Kindheit an zum Gebet, zur Betrachtung der Geheimnisse Gottes und zur sühnenden Mitwirkung am Heil der Menschen berufen sind. Hauke erinnerte gegenüber der „Tagespost“ an das eindrucksvolle Bild Papst Johannes Pauls II. bei der Seligsprechung der beiden Geschwister am 13. Mai 2000: „Die Kirche stellt zwei Lichter auf den Leuchter, die Gott entzündet hat, um die Menschheit in ihren dunklen und unruhigen Stunden zu erleuchten.“

Monsignore Peter von Steinitz, Vorsitzender des Internationalen Mariologischen Arbeitskreises Kevelaer (IMAK), unterstrich mit Blick auf Skeptiker, die anlässlich der Seligsprechung von Jacinta und Francesco im Jahr 2000 gemeint hatten, es sei bei kleinen Kindern unmöglich, von persönlicher Heiligkeit zu sprechen, dass beide Seher ein Beweis für das Gegenteil seien. „Auf beide trifft zu, dass sie wirklich früh vollendet waren.“ Das zeige sich darin, „dass sie die Botschaft der Muttergottes, die eigentlich nur eine Aufforderung zu einem konsequent christlichen Leben ist, nicht nur verstanden, sondern auf ihre kindliche Weise verwirklicht haben“. Als beispielhaft für die Haltung der Kinder nannte von Steinitz, dass diese angesichts der vielen Menschen, die Jacintas Aussage zufolge verloren gehen, von der Notwendigkeit der Sühne überzeugt gewesen sein. „Der Wunsch, Sühne zu leisten, ist bei den einheimischen Fatima-Pilgern noch heute lebendig, wenn sie an hohen Festtagen einen weiten Weg zu Fuß zurücklegen, die ganze schlaflose Nacht betend auf der Esplanade verbringen und beim Weggehen hoffen, dass ,die Muttergottes damit hoffentlich etwas anfangen kann‘“, so der IMAK–Vorsitzende.

Der Direktor des Fatima-Weltapostolats in Deutschland, Pfarrer Thorsten Kremer, sieht in der Heiligsprechung der Seherkinder die endgültige Bestätigung der Erscheinungen von Fatima sowie eine Vertiefung und Stärkung der Botschaft von Fatima. „Diese Botschaft ist ganz und gar eine Botschaft des Heils. Wer sie lebt, tut gut daran und bringt reichlich Segen in die Welt.“

Auch Prälat Wilhelm Imkamp, Wallfahrtsdirektor von Maria Vesperbild und Mitglied der römischen Theologenakademie, sieht in der Heiligsprechung von Jacinto und Francesco einen „ganz wichtigen Impuls“, da sie noch einmal die Übernatürlichkeit der Erscheinungen vom 13. Mai bis 13. Oktober 1917 bestätige. Die Volksfrömmigkeit erhalte wiederum eine Aufwertung, „auch der Komplex, den man als Fatimafrömmigkeit bezeichnen könnte. Für die Theologie wird Prälat Imkamp zufolge noch einmal die Frage nach den „Letzten Dingen“ – Himmel, Hölle, Fegefeuer – virulent: „In den Visionen von Fatima war die Hölle eben nicht leer.“

Die Marienerscheinungen an der Grotte Cova da Iria bei Fatima hatten sich zwischen Mai und Oktober 1917 ereignet.

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