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Ein Gnadenmonat eröffnet die sommerliche Zeit

Der „Wonnemonat“ Mai erinnert in besonderer Weise an Gottes Erlösungswerk, das Maria mit ihrem „Ja“ möglich gemacht hat.
Maiglöckchen
Foto: wal_172619 / Pixabay | Der Mai ist der erste eher sommerliche Monat, es ist der Monat, der besonders der Gottesmutter geweiht ist.

Der Mai bringt viele Gnaden. Bei den Germanen hieß er „winnemanoth“ – Wonnemonat. Im Mai fängt das Leben an zu sprießen: Flur, Wald und Weide sind geschmückt mit der Farbenpracht der Frühlingsblumen, und nach den „Eisheiligen“ ist die Kälte des Winters endgültig überwunden: Das Leben hat gesiegt. Friedrich Rückert dichtet zum „Frühlingsanfang“ folgende Zeilen: „Morgens weckte mich ein Hauch: / Frühling hat begonnen, / Auf und bade nun dich auch / Wie die Welt in Wonnen.“

Feste im Mai

Auch kirchlich gesehen haben wir allen Grund dazu, uns in Wonnen zu baden: Mit dem relativ frühen Ostertermin fallen das Hochfest der Himmelfahrt des Herrn und das Hohe Pfingstfest am Ende der seligen Pentekoste in den Mai. Die Kirche beschließt damit die österliche Freudenzeit, will sich aber noch nicht ganz von ihr verabschieden: Ein paar Tage später steht „Fronleichnam“ auf dem liturgischen Kalender, das Hochfest des Leibes und Blutes Christi.

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Am Gründonnerstag hat die Kirche die Einsetzung des Priestertums und der Eucharistie gefeiert und damit schon den Blick gerichtet auf das Pascha des Herrn: sein Leiden, sein Opfertod am Kreuz und seine Auferstehung. Die Kar-Tage und die Ostervigil sehen darin die Erfüllung nicht nur des Alten Bundes, da Christus einen Neuen und Ewigen Bund in seinem Blut stiftet, sondern der Weltgeschichte schlechthin.

Der Erlöser erscheint

Alle Opfer, die jemals von Menschen dargebracht wurden und die dennoch nie die Kraft hatten, Sündenvergebung zu bewirken, waren bloßes Vorbild, bloßer Schatten des einzigen Opfers, das es jemals gab und geben wird: das Opfer Christi am Kreuz. Am Fronleichnamsfest erschallt es in der Prosa „Lauda Sion salvatorem“ wie folgt: „Neues Pascha des Neuen Bundes hat des Alten End?gebracht. Die Neuheit treibt hinfort das Gealterte, die Wahrheit den Schatten, das Licht zerstört die Nacht.“

Die „Neuheit“, die hier besungen wird, ist der Punkt, den die gesamte Schöpfung schmerzlich ersehnt hat: das Erscheinen des Erlösers, das Opfer der Versöhnung, das Öffnen des Himmels. Dieser Neuheit sind wir teilhaftig geworden durch die Taufe: Mit Christus sind wir gestorben und zu neuem Leben in der Gnade auferstanden.

Der Leib Christi

Besonders eindrucksvoll strahlt diese Wahrheit auf, wenn die Taufe an ihrem altehrwürdigen Termin, in der Ostervigil, gespendet wird: in das Dunkel der Nacht kommt das Licht Christi; in die von der Erbsünde verdunkelte Seele kommt der alles durchdringende Strahl der heiligmachenden Gnade. Bei den Griechen heißt daher die Taufe „Photismos“, Erleuchtung.

Wieviel inniger aber wird dieses Leben, wenn es beständig gestärkt und genährt wird durch den Empfang der Frucht jenes Opfers, welches der Herr am Gründonnerstag seiner geliebten Braut, der Kirche, anvertraut hat mit dem Befehl, es zu seinem Gedächtnis fortzuführen, und welches daher von der Kirche dargebracht wird durch ihre Priester! Die Kirche selbst ist ja der Leib Christi, der auf Erden fortlebende Christus, der durch die Sakramente sein Heil an den Getauften wirkt.

Jeder muss sein Fiat sagen

Der Mai, der uns so überreich mit Gnade und Segen beschenken will, ist auch der Mutter Gottes geweiht. Ihre Rolle im Erlösungswerk ihres Sohnes dürfen wir daher nicht vergessen. Durch ihr „fiat“, ihr „Ja“, hat sie stellvertretend für die ganze Schöpfung die Erlösung überhaupt erst möglich gemacht. Der Osterglaube setzt voraus, dass die geschaffene Welt nicht stummer Zuschauer, nicht untätiger Empfänger von Gnaden ist, sondern selbst am Heil einen aktiven Anteil hat, in den Sakramenten und in jeder einzelnen Seele.

Jede Seele muss ihr „fiat“ sprechen zu dem Heil, das der Herr anbietet. Sich beschenken zu lassen muss daher auch heißen, am eigenen Heil mitzuarbeiten und somit zu österlichen Menschen zu werden.

Jonas Dlugi
Foto: DT/privat

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