Wochenheilige

Der selige Josef Marxen

Am heutigen 16. November gedenkt die Kirche eines weiteren Märtyrers aus der Gruppe der 38 Märtyrer in Albanien: des deutschen Pfarrers Josef Marxen. Von Claudia Kock
Selige Josef Marxen im Kreis albanischer Gemeindemitglieder.
Foto: Helmut Moll | Der selige Josef Marxen im Kreis albanischer Gemeindemitglieder.

Im Oktober erinnerte die „Tagespost“ an den seligen Josif Mihali, einen der 38 Märtyrer in Albanien, die im November vergangenen Jahres in Shkodra seliggesprochen wurden. Am heutigen 16. November gedenkt die Kirche eines weiteren Märtyrers aus dieser Gruppe: des deutschen Pfarrers Josef Marxen, der als Missionar nach Albanien kam und die ihm anvertraute Gemeinde auch dann nicht verlassen wollte, als sich nach der Machtübernahme durch die Kommunisten im Jahr 1944 eine harte Verfolgung der Kirche abzeichnete.

Josef Marxens Lebensweg

Josef Marxen wurde am 2. August 1906 in Worringen – heute ein Stadtteil von Köln – geboren, als viertes von neun Kindern des Ehepaars Nikolaus und Maria Marxen. Die Tätigkeit des Vaters als Gutsverwalter veranlasste die Familie mehrmals zum Umzug; Josef besuchte ab 1921 das Internat der Steyler Missionare im saarländischen St. Wendel, wo er 1928 das Abitur machte und zunächst in die Ordensgemeinschaft eintrat. Er verließ diese jedoch noch vor Abschluss seines Theologiestudiums und wechselte an das Orientalische Institut in München mit dem Wunsch, Russlandmissionar zu werden. Kardinal Faulhaber weihte ihn am 8. März 1936 zum Diakon; drei Monate später erfolgte die Priesterweihe für die albanische Diözese Tirana-Durres, da das Orientalische Institut kurz zuvor entschieden hatte, vorerst keine Missionare mehr nach Russland zu entsenden. Im August 1936 reiste der neugeweihte Priester über Rom und Bari nach Albanien, um dort die Missionstätigkeit aufzunehmen.

Von der Hauptstadt Tirana aus wurde Josef Marxen in das kleine katholische Gebirgsdorf Perlat im Landesinnern gesandt, um hier als Pfarrer zu wirken. Er hatte inzwischen die albanische Sprache gelernt und sich medizinische Kenntnisse angeeignet, so dass er den Menschen nicht nur die Sakramente spenden und geistlich beistehen konnte, sondern in dem abgelegenen Ort auch Wunden versorgte und kleinere ärztliche Eingriffe vornahm. Zur Spendung der Sakramente, vor allem der Letzten Ölung, musste er oft viele Kilometer zurücklegen, um die weit verstreuten Höfe zu erreichen. Wenn er am Sonntag in der Messe predigte, herrschte große Stille in der Kirche; nach der Messe lud er die Menschen in das Pfarrhaus ein, das er bei seinem Einzug mit eigenen Händen renoviert hatte und immer sehr sauber und gastlich hielt. Noch heute gibt es in Perlat alte Menschen, die sich aus ihrer Kindheit an „Dom Zef“, wie der deutsche Priester liebevoll genannt wurde, erinnern. Das besondere Ansehen, das er bei der albanischen Bevölkerung genoss, kommt auch dadurch zum Ausdruck, dass man ihm die Vermittlung und Versöhnung in Fällen von Blutrache anvertraute – ein archaischer Brauch, der viele sinnlose Opfer forderte.

1941 wurde Josef Marxen als Pfarrer nach Duba bei der Großstadt Durres versetzt, wo er freundschaftliche Kontakte auch mit Muslimen und orthodoxen Christen pflegte. Bei der Besetzung der Region durch deutsche Soldaten wurde er zum Vermittler zwischen diesen und der örtlichen Bevölkerung. Nach der Machtübernahme der Kommunisten im Jahr 1944 boten die Soldaten ihm an, ihn mit nach Deutschland zu nehmen, um der sich anbahnenden Verfolgung der Kirche zu entgehen, aber Marxen lehnte das Angebot ab, da er wie der gute Hirte aus dem Johannesevangelium die ihm anvertraute Herde nicht alleinlassen wollte, wenn der Wolf sich nähert.

Im Februar 1945 wurde Josef Marxen verhaftet und in das Gefängnis in Tirana gebracht. Die Ältesten seiner Gemeinden ebenso wie seine orthodoxen und muslimischen Freunde setzten sich für seine Freilassung ein, indem sie einen Brief an das Gericht sandten, in dem sie erklärten, dass er „für alle ein wertvoller Helfer war, ohne Ansehen der Religion. Er hat uns mit allen seinen Kräften geholfen, viele Personen vor der Erschießung zu retten, und durch seine Vermittlung hat er Plünderungen, Brandsetzungen und andere Schäden gestoppt.“ Tatsächlich wurde Marxen zunächst wieder auf freien Fuß gesetzt. Ein Jahr später, im März 1946, wurde er jedoch wegen Ausübung priesterlicher Tätigkeiten in Tirana erneut verhaftet. Am 16. November wurde er abends aus dem Gefängnis geholt und in einem Waldstück erschossen. Als man ihn aus seiner Zelle abführte, sagte er zu einem Mitgefangenen: „Ich bin glücklich. Ich werde nun sterben und man wird sich in Albanien daran erinnern, dass ich ein Zeuge für Christus war.“ Josef Marxen wurde zusammen mit 37 weiteren Glaubenszeugen in Albanien am 5. November 2016 seliggesprochen.

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