Heilige

Francis Solanus Casey: Der Wochenheilige am 31. Juli

Der selige Francis Solanus Casey. Von Claudia Kock
Der selige Francis Solanus Casey

Im Jahr 2017 wurden in der Suppenküche des Kapuzinerordens in Detroit (US-Bundesstaat Michigan) über eine halbe Million warme Mahlzeiten an bedürftige Einwohner von Detroit ausgegeben. Der Suppenküche angeschlossen sind eine Bäckerei und eine Gemüsefarm, in denen ehemalige Suchtkranke, entlassene Strafgefangene und perspektivlose junge Menschen die Möglichkeit haben, eine Ausbildung zu bekommen. Ein Jugendzentrum des Ordens bietet Gewaltprävention und Freizeitaktivitäten, daneben gibt es Rehabilitierungsprogramme für Drogensüchtige. Dieses Sozialwerk geht auf die Initiative des seligen Kapuziners Francis Solanus Casey zurück, der während der großen Depression des Jahres 1929 Pförtner des Klosters von Detroit war. Als immer mehr Menschen an der Klosterpforte um Brot baten, organisierte er mit seinen Mitbrüdern eine Armenspeisung, aus der heraus sich im Laufe der Jahre die anderen Projekte entwickelten.

Bernard Francis Casey wurde am 25. November 1870 als sechstes von 16 Kindern einer irischen Einwandererfamilie auf einem Bauernhof in Wisconsin geboren. Mit acht Jahren erkrankte er an Diphterie, die einen Schaden an seinen Stimmbändern verursachte; er behielt zeitlebens eine sehr schwache Stimme. Als junger Mann schlug er sich zunächst mit Gelegenheitsarbeiten durch, war Holzfäller, Gefängniswärter und Straßenbahnfahrer.

Eines Tages musste er miterleben, wie ein betrunkener Seemann eine Frau erstach, und dieses brutale Ereignis brachte ihn zum Nachdenken über das Leben. Er spürte den inneren Ruf, Priester zu werden, und trat in das diözesane Priesterseminar von Milwaukee ein. Da ihm die notwendige Schulbildung fehlte, schickte man ihn jedoch wieder weg und legte ihm nahe, lieber in einen Orden einzutreten.

Beim Gebet vor einer Statue der Gottesmutter vernahm er deutlich eine innere Stimme, die ihn anwies, „nach Detroit“ zu gehen. Am 14. Januar 1897 trat er dort in das Kloster der Kapuziner ein, wo er den Namen „Francis Solanus“ erhielt. Am 24. Juli 1904 wurde er in Milwaukee zum Priester geweiht, wegen seiner mangelnden Bildung jedoch ohne die Erlaubnis, die Beichte zu hören oder zu predigen.

Trotz dieser Einschränkung wurde er unter den Gläubigen schnell zu einem gesuchten geistlichen Ratgeber, der das Herz der Menschen erreichte. Viele schrieben seinem Gebet eine Heilung zu, so dass er in den Ruf kam, ein Wundertäter zu sein. Er war nach seiner Weihe zunächst einige Jahre in New York tätig und wurde 1924 Pförtner des Klosters in Detroit, wo er 1929 die Suppenküche ins Leben rief. Er verbrachte viele Stunden im Gebet vor dem Tabernakel, liebte aber auch die Geselligkeit, spielte irische Volkslieder auf der Violine oder trieb Sport mit seinen Mitbrüdern.

Im letzten Jahrzehnt seines Lebens litt P. Francis Solanus unter einer schweren Dermatitis, die ihn mehrfach ins Krankenhaus brachte. Auch dort wurde er von zahlreichen Gläubigen aufgesucht, die um sein Gebet baten und sich in ihrer eigenen Krankheit ein Wunder erhofften. Er starb am 31. Juli 1957 am Rotlauf, einer damals unheilbaren Hautinfektion. Seine letzten Worte lauteten: „Ich vertraue meine Seele Jesus Christus an.“ Mehr als 20 000 Menschen zogen an seinem aufgebahrten Leichnam vorbei, bevor er im Friedhof des Klosters in Detroit beigesetzt wurde. Er wurde am 18. November 2017 seliggesprochen und ruht heute im „Solanus Casey Centre“ in Detroit, das zu einem Wallfahrtsort geworden ist.

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