13. November: Der Wochenheilige

Der selige Carl Lampert

Lamperts sterbliche Überreste wurden nach dem Krieg in seinen Heimatort Göfis überführt, wo sich in der Pfarrkirche eine Gedenkstätte für den Märtyrer des Nationalsozialismus befindet.
Selige Carl Lampert
| Der selige Carl Lampert wurde am 13. November 1944 mit dem Fallbeil hingerichtet; seine letzten Worte waren: „Jesus Maria“.

Am 13. November 2011 wurde in Dornbirn im österreichischen Vorarlberg der Priester Carl Lampert seliggesprochen. Papst Benedikt XVI. erinnerte im Rahmen des Angelusgebets in Rom an ihn mit den Worten: „In der dunklen Zeit des Nationalsozialismus ist an ihm das Wort des hl. Paulus deutlich geworden: ,Wir gehören nicht der Nacht und nicht der Finsternis‘ (1 Thess 5,5). In einem Verhör, das ihm die Freiheit in Aussicht stellte, konnte er voll Überzeugung bekennen: ,Ich liebe meine Kirche. Ich bleibe meiner Kirche treu und auch dem Priesteramt. Ich stehe für Christus und liebe seine Kirche.‘“

Carl Lampert wurde am 9. Januar 1894 in Göfis in Vorarlberg geboren und besuchte das Gymnasium in Feldkirch. Mit 20 Jahren trat er in das Fürsterzbischöfliche Priesterseminar in Brixen ein, wo er am 12. Mai 1918 kurz vor dem Ende des Ersten Weltkriegs zum Priester geweiht wurde.

Auf seine Kaplanszeit in Dornbirn folgten fünf Jahre in Rom, die er später als die glücklichsten seines Lebens bezeichnete. Er wohnte im Anima-Kolleg an der Piazza Navona, studierte Kirchenrecht im Auftrag seines Bischofs und arbeitete als Sekretär für die Vertretung deutscher und österreichischer Diözesen beim Heiligen Stuhl. Nebenbei war er als Fremdenführer für Pilger aus seiner Heimat tätig.

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Advokat der Römischen Rota

1935 schloss er seine Studien mit dem Titel „Advokat der Römischen Rota“ ab, erhielt den Ehrentitel „Monsignore“ und wurde von seinem Bischof nach Innsbruck berufen, wo ihm die Leitung beim Aufbau eines kirchlichen Gerichtshofes und ein Jahr später auch die des katholischen Verlagshauses „Tyrolia“ anvertraut wurde. Die Wochenenden widmete er der Seelsorge, insbesondere unter den Innsbrucker Studenten.

Im März 1938 erfolgte der „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich und damit die Machtübernahme der Nationalsozialisten. Wenige Monate später wurde Innsbruck-Feldkirch zur Apostolischen Administratur erhoben und im Januar 1939 Carl Lampert zu ihrem Provikar.

Sofort geriet er in Konflikt mit dem äußerst kirchenfeindlichen Gauleiter Franz Hofer. Zu einer ersten Eskalation kam es im März 1940, als das Anbetungskloster von staatlicher Seite geschlossen werden sollte, die Nonnen sich jedoch weigerten, die Päpstliche Klausur zu verlassen. Lampert wurde für ihre „Aufsässigkeit“ verantwortlich gemacht, verhaftet und zehn Tage in Polizeigewahrsam gehalten. Als Radio Vatikan am Ostersonntag 1940 über die kirchenfeindlichen Maßnahmen in Tirol berichtete, wurde Lampert erneut inhaftiert, da man ihm die Berichterstattung zur Last legte.

Dritte Verhaftung

Lamperts dritte und endgültige Verhaftung erfolgte wenige Monate später, am 5. Juli, nachdem er eine Todesanzeige für den im Konzentrationslager Buchenwald ermordeten Pfarrer Otto Neururer hatte veröffentlichen lassen.

Am 25. August wurde er ins Konzentrationslager Dachau eingeliefert und wenig später nach Sachsenhausen-Oranienburg überstellt, wo er harte körperliche Arbeit verrichten musste. Am 15. Dezember kehrte er nach Dachau zurück und wurde am 1. August 1941 aus dem Lager entlassen, durfte jedoch nicht nach Vorarlberg zurückkehren, sondern wurde in das Carolusstift in Stettin gesandt, um dort als Seelsorger zu wirken.

Der Plan war, ihn über einen Spitzel mit dem Decknamen Hagen, der sich als regimekritisch ausgab, in Wirklichkeit jedoch SS-Anwärter war, als Spion zu entlarven und hinzurichten. Aufgrund eines von „Hagen“ erstellten Berichts wurden am 4. Februar 1943 im Carolusstift vierzig Personen verhaftet, darunter auch Carl Lampert. Der Prozess wegen Spionage und Wehrkraftzersetzung fand ab Ende 1943 statt, musste jedoch mehrmals neu aufgerollt werden, sodass über Carl Lampert dreimal ein Todesurteil verhängt wurde: am 20. Dezember 1943, am 28. Juli und am 8. September 1944.

Die lange Prozesszeit verbrachte Lampert in einer quälenden Kerkerhaft in Torgau und Halle,

Die sterblichen Überreste Lamperts wurden nach dem Krieg in seinen Heimatort Göfis überführt, wo sich in der Pfarrkirche eine Gedenkstätte für den Märtyrer des Nationalsozialismus befindet.

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