Heilige

Bernhardin von Feltre: Der Wochenheilige am 28. September

Der selige Bernhardin von Feltre. Von Claudia Kock
Selige Bernhardin von Feltre

„Wucher erniedrigt und tötet, er ist ein altes, verdecktes Übel, das wie eine Schlange seine Opfer stranguliert.“ Mit diesen Worten verurteilte Papst Franziskus im Februar dieses Jahres die vor allem in ärmeren Ländern verbreitete Praxis, Geld zu Wucherzinsen zu verleihen. Der Papst forderte eine ethische Orientierung der Wirtschaftspolitik und der Geldinstitute und erinnerte daran, dass viele Banken der Welt ursprünglich gerade deswegen entstanden sind, um arme Menschen dem Zugriff von Wucherern zu entziehen. Damit nahm der Heilige Vater indirekt auch Bezug auf den seligen Franziskaner Bernhardin von Feltre, der im 15. Jahrhundert karitativ ausgerichtete Geldinstitute gründete, um der grassierenden Ausbeutung der Armen durch Wucherzinsen entgegenzuwirken. Sein Gedenktag ist der 28. September.

Martino Tomitano, so der bürgerliche Name des späteren Seligen, wurde im Jahr 1439 in Feltre, einer Stadt an den Ausläufern der Dolomiten unweit von Venedig geboren. Er stammte aus einer wohlhabenden Adelsfamilie, die dem klugen und wissbegierigen Jungen eine hervorragende Schulbildung ermöglichte. Bereits mit elf Jahren las und sprach er fließend Latein; später studierte er in Padua Rechtswissenschaft bei den bekanntesten Gelehrten seiner Zeit, wo er sich durch seine Intelligenz und seine Ernsthaftigkeit auszeichnete. Entscheidend für seinen Lebensweg wurde eine Begegnung mit dem heiligen Franziskaner Giacomo dalla Marca, den er in Padua predigen hörte. Unter seinem Einfluss trat er mit 17 Jahren gegen den Widerstand seines Vaters in den Franziskanerorden ein, wo er den Namen Bernhardin annahm, nach dem heiligen Bernhardin von Siena, der einst Giacomo dalla Marcas Lehrer gewesen war.

Nach einem strengen Noviziat in einem kleinen Konvent außerhalb der Stadt studierte Bernhardin Theologie in Venedig, wo er 1463 zum Priester geweiht wurde. Nach kurzer Lehrtätigkeit wurde er mit 30 Jahren zum Prediger seines Ordens ernannt. 25 Jahre lang, bis zu seinem Tod, zog er unermüdlich in Nord- und Mittelitalien umher, oft barfuß, hungrig, bei Unwetter und unter harten Strapazen, um zu predigen und die Menschen seiner Zeit zur Umkehr zu Gott zu bewegen.

Berhardin war ein brillanter Prediger, der es verstand, mit dem Volk in Dialog zu treten und das Unrecht, besonders gegen die Armen, hart zu geißeln, ohne sich vor weltlichen Konsequenzen zu fürchten. Ein besonderer Dorn im Auge waren ihm die Wucherer, gegen die er mit aller Härte predigte, was nicht wenigen Unmut gegen ihn hervorrief. So wurde er in der Fastenzeit 1488 auf Beschluss der „Signoria“, des republikanischen Gemeinderats, aus Florenz verjagt, als er die Ausbeutung der Armen durch Wucherzins anprangerte, und auch in Trient hatte er hart gegen den Widerstand der Wucherer zu kämpfen. Beim Volk war er dagegen außerordentlich beliebt, so dass man ihn öfter vor den begeisterten Massen schützen musste, die ihn bedrängten. Viele Städte fragten ihn als Prediger an und wandten sich sogar an den Papst in Rom, um sich seinen Besuch zuzusichern.

Gegen den Wucher predigte Bernhardin nicht nur, sondern ergriff auch konkrete Hilfsmaßnahmen, wobei ihm seine Rechtsstudien zu Hilfe kamen. So baute er das System der sogenannten „Monti della Pieta“ aus – Banken, die nicht auf Gewinn spekulierten, sondern als karitative Einrichtungen errichtet wurden. Sie wurden durch Stiftungen und Spenden gestützt und nahmen auf Kredite sehr geringe Zinsen, die nur dazu dienten, das Institut operativ zu erhalten. Etwa 30 solcher „Monti di Pieta“ gründete Berhardino von Feltre im Laufe seines Lebens.

Bernhardin war von zarter Statur und führte ein entbehrungsreiches Leben. An Tuberkulose erkrankt, stellte er nur wenige Tage vor seinem Tod die Predigttätigkeit ein. Am 28. September 1494 schlief er im Konvent von Pavia friedlich ein. Er wurde 1654 zur Ehre der Altäre erhoben und gilt als Patron der Pfandleiher.

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