Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Der Wochenheilige

8. Juli: Der selige Papst Eugen III.

Pietro Bernardo Paganelli war der erste Zisterzienserpapst und musste als Papst Eugen gegen republikanische Kräfte kämpfen. Eine Allianz mit den Staufern half dem Pontifex.
Papst Eugen III.
Foto: Gemeinfrei | Pietro Bernardo Paganelli musste als Papst Eugen III. gegen republikanische Kräfte in Rom kämpfen.

Am 7. Oktober 2012 erhob Papst Benedikt XVI. die heilige Hildegard von Bingen zur Kirchenlehrerin. Ausschlaggebend waren dabei auch die drei Bücher ihrer Visionen, deren Authentizität sein Vorgänger Eugen III. im Jahr 1147 auf einer Synode in Trier bestätigt hatte. Eugen stand in Briefkontakt mit Hildegard und nahm sie gegen ihre zahlreichen Gegner in Schutz. 1872 wurde Eugen III. von Papst Pius IX. seliggesprochen. Sein Gedenktag ist der 8. Juli.

Lesen Sie auch:

Pietro Bernardo Paganelli, so Eugens bürgerlicher Name, wurde um 1080 in dem toskanischen Dorf Montemagno bei Pisa in einer Landadelsfamilie geboren. Als junger Mann begegnete er dem heiligen Bernhard von Clairvaux und trat als sein Schüler in Clairvaux ein, wo er viele Jahre als Zisterziensermönch lebte und als gelehrsam und fromm galt.

Ein blühendes Kloster

Im Jahr 1140 vertraute Papst Innozenz II. den Zisterziensern die alte Abtei „Tre Fontane“ am äußersten Stadtrand von Rom an, deren Geschichte bis zum Apostel Paulus zurückreicht, der der Überlieferung nach an dieser Stelle enthauptet wurde. Ein schon im 7. Jahrhundert errichtetes Kloster musste im Laufe der Zeit aufgegeben werden, da das Gebiet sumpfig und malariaverseucht war. Die Zisterzienser sollten es trockenlegen und das Kloster neu besiedeln, wofür eine Delegation aus Clairvaux unter der Leitung von Pietro Bernardo Paganelli nach Italien gesandt wurde. Fünf Jahre lang wirkte er als Abt in „Tre Fontane“ und legte den Grundstock für ein blühendes Zisterzienserkloster an diesem Ort.

Für Innozenz II. waren es schwere Zeiten, da der römische Senat die weltliche Macht beanspruchte und die Republik ausrief. Diese wurde 1144 von seinem Nachfolger Lucius II. aufgelöst, erstarkte jedoch wieder, nachdem Lucius im Kampf gegen die Soldaten des Senats umgekommen war. In dieser schwierigen Lage wurde Pietro Bernardo Paganelli, der Abt von „Tre Fontane“, Anfang 1145 zum Papst gewählt – gegen den Rat von Bernhard von Clairvaux, der ihm nicht zutraute, eine so schwierige politische Lage zu meistern.

Senat exkommuniziert

Die Republikaner forderten vom neugewählten Papst, der den Namen Eugen III. angenommen hatte, auf seine weltliche Macht zu verzichten. Um keine Zugeständnisse machen zu müssen, verließ dieser Rom und residierte im ersten Jahr seines Pontifikats in verschiedenen Städten Latiums, zunächst in Viterbo, dann in Tuscolo, Ferentino und Segni. Während in Rom ein republikanischer Mob Klöster und Häuser von Priestern und Kardinälen plünderte und auch Pilger überfiel und ausraubte, ging Eugen III. dagegen vor, indem er die Anführer des römischen Senats exkommunizierte. Schließlich kam es im Dezember 1145 zu einer Einigung: Die Republikaner unterstellten sich der Autorität des Papstes, während dieser im Gegenzug den Senat und die Kommune als Volksvertretung anerkannte. Zu Weihnachten 1145 zog Eugen III. wieder feierlich in Rom ein.

Als Eugen III. erfuhr, dass die kleinasiatische Grafschaft Edessa, die eine lange christliche Tradition aufwies, in türkische Hand gefallen war, rief er den Zweiten Kreuzzug aus und forderte auch den französischen König Ludwig VII. und den Stauferherrscher Konrad III. zur Teilnahme auf. Außerdem unternahm er Reisen nach Nordeuropa, wo er in Paris, Reims und Trier Synoden abhielt, die der Reform des Klerus gewidmet waren, und zahlreiche Klöster, vor allem auch in England, besuchte. Sein Aufenthalt in Trier mit der Anerkennung der Visionen der heiligen Hildegard von Bingen war der letzte Besuch eines amtierenden Papstes auf deutschem Boden vor dem Pontifikat Johannes Pauls II., mit Ausnahme eines kurzen Besuchs von Pius VI. in Bayern im Jahr 1782.

Vertrag von Konstanz

Trotz der Einigung Eugens III. mit den republikanischen Kräften beruhigten sich die Gemüter in Rom nicht. Der Papst rief daher den Stauferkönig Friedrich Barbarossa zu Hilfe und schloss mit ihm am 11. März 1153 den Vertrag von Konstanz: Barbarossa sollte mit seinem Heer nach Italien ziehen, um Rom von den Rebellen zu befreien, während Eugen III. ihm im Gegenzug die Kaiserkrönung zusagte. Dazu kam es aber nicht mehr, denn noch bevor Barbarossas Armee losziehen konnte, starb Eugen III. am 8. Juli 1153 überraschend in Tivoli. Er fand seine letzte Ruhestätte in der alten Petersbasilika in Rom.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Claudia Kock Barbarossa Eugen III. Hildegard von Bingen Johannes Paul II. Paulus von Tarsus Pius IX. Päpste Äbtissinen und Äbte

Weitere Artikel

Über die Anfänge des Zisterzienser-Ordens "berichtet" der heilige Bernhard von Clairvaux, dessen Fest die Kirche am 20. August feiert.
20.08.2023, 09 Uhr
Niklaus Kuster OFM

Kirche

Der theologische Diskurs in Deutschland kokettiert mit dem Zweifel. Die Wahrheit des Christentums aber lässt sich nicht relativieren.
14.07.2024, 11 Uhr
Sebastian Ostritsch
Eucharistische Anbetung wurde zum Highlight der Woche und zur Kraftquelle für den Alltag geworden.
15.07.2024, 07 Uhr
Erika Joosten
Wenn Jesus seine Apostel aussendet, um die Frohe Botschaft zu verkünden, dann gibt er auch die nötigen Mittel dazu.
14.07.2024, 07 Uhr
Manfred Hauke
Im Jahr 2025 jährt sich das Erste Ökumenische Konzil von Nizäa zum 1700. Mal. Ein Gespräch mit dem Kirchenhistoriker Michael Fiedrowicz über die Streitkultur der frühen Kirche.
13.07.2024, 09 Uhr
Regina Einig