Credo: As-Salamu aleikum

Papst besucht Ägypten
Foto: Amr Nabil (AP) | Ein Plakat heißt am 27.04.2017 an der Markuskathedrale in Kairo Papst Franziskus willkommen. Der Papst besucht vom 28.04 bis zum 29.04.2017 Ägypten. Foto: Amr Nabil/AP/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ |

Die Mega-Metropole Kairo konnte in diesem Jahrtausend zwei Päpste begrüßen; Johannes-Paul II. (2000) und Franziskus (2017). Der Nachfolger des Hl. Petrus besucht den Nachfolger des Hl. Markus! Ich durfte bei beiden Ereignissen hautnah dabei sein. Der schon sehr durch seine Krankheit gezeichnete Johannes-Paul überzeugte durch seine Schwäche. Und dadurch, dass er unermüdlich auf jeden zuging, ihn zu begrüßen und ihm seine Zuneigung zu zeigen. Dem ebenfalls schon alten, aber doch viel rüstigeren Franziskus gelang es, Zuneigung von Seiten der Muslime und Schmunzeln von Seiten der Christen zu gewinnen, indem er bei Begrüßungen die eigentlich nur unter Muslimen verwendete Formel „As-Salamu aleikum“ (Friede sei mit Euch) verwendete. Beide Päpste wurden als Repräsentanten der Welt-Christenheit verstanden. Der Papst ist mehr als der „Chef der Katholiken“. Der römisch-katholische Papst ist selbst „Zeichen der Einheit“, denn er baut Brücken, ohne selbst aufzugeben, Brückenpfeiler zu sein. Natürlich war und ist es immer erklärtes Ziel von päpstlichen Pastoralreisen, die „eigene Herde“ zu besuchen. Aber besonders im Nahen Osten wird deutlich: die Christen haben sich in den vergangenen 2 000 Jahren zum Teil sehr unterschiedlich entwickelt. Diejenigen, die das Glaubensbekenntnis teilen und dazu die Siebenzahl der Sakramente sind dabei ein „innerer Zirkel“; die orientalischen und die sogenannten „orthodoxen“ Kirchen sind Kirchen im wahren Sinne des Wortes (Vaticanum II). Aber auch andere christlichen Gemeinschaften sind auf den Herrn Jesus Christus hin geordnet und verkündigen ihn als den wirklichen und einzigen Erlöser der Welt.

Die Papstbesuche hatten durchaus bewirkt, dass die Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften des Nahen Ostens zusammenrücken konnten. Bei doch immerhin erheblichen Unterschieden in Lehre, Liturgie und Praxis ist klar, dass Minderheiten zusammenstehen müssen, um vor einer großen Mehrheit Andersgläubiger bestehen zu können und glaubwürdige Zeugen zu sein. Dabei besinnt man sich der jahrhundertealten Tradition und belebt sie neu, vergegenwärtigt Altes, damit eventuell Neues aufgebaut werden kann.

In Europa scheint sich nur noch rudimentär das erhalten zu haben, was man Kirche nennt. Und manchmal scheint es, Gruppen unterschiedlicher christlicher Glaubensgemeinschaft stünden sich näher als streitende Parteien in einer und eben der gleichen Glaubensgemeinschaft. In der katholischen Kirche in Deutschland, deren Mitgliederzahl beständig sinkt, machen Worte wie „pastoraler Weg“, „synodaler Weg“ und so fort die Runde. Es wird über Altbekanntes gestritten (Zölibat, Ehe, Kommunionempfang); aber dabei kommt des Gemeinsame nicht mehr zum Tragen. Und die Hauptaufgabe der Kirche, die Menschen durch diese Welt, die nicht das Paradies ist, zu Christus zu führen, wird vernachlässigt. Die Sehnsucht des Christen im Orient ist nicht „Verbesserung der Lebensumstände“; es ist der Weg in die „Heimat“, die, wie Paulus sagt, „im Himmel“ ist. Dass sich beim beständigen Blick auf den siegreichen Christus die Haltung des Menschen zur Welt ändert, ist eine segensreiche Folge. Es scheint mir aber fatal, wenn aus der Kirche eine weitere „Sozialstation“ geformt werden soll, welche innerweltliche „Bedürfnisse“ befriedigt. Die Christen des Nahen Ostens wissen vielleicht besser als die Christen des Westens: Diese Welt ist vorübergehend, ist immer noch auch „Jammertal“. Die Zukunft beim Herrn ist Erlösung.

Die Kolumne erscheint zur EWTN-Reihe „Geht in alle Welt!“. Die Sendezeiten finden sie auf ewtn.de.

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