Kommentar um "5 vor 12"

Ausgrenzung der Kandidaten für das Priestertum 

Der Synodale Weg tut sich schwer mit dem Amt. Mit dem Seminaristen will man gar nicht erst reden. Die Funktionäre sollten sich klar und eindeutig positionieren.
Der synodale Weg
Foto: Arne Dedert (dpa) | Abgehoben im Elfenbeinturm findet der synodale Weg statt, anders ist es gar nicht zu erklären, dass die Seminaristen im Forum "Priesterliche Existenz heute" nicht mitreden dürfen.

Der offene Brief des Sprechers der Deutschen Seminaristen, Marvin Schwedler, zeigt sehr deutlich, wo sich der synodale Weg tatsächlich ereignet. Er ist nirgendwo anders als im Elfenbeinturm des deutschen Funktionärskatholizismus zu verorten. Welchen anderen Grund könnte es geben, zum Thema „Priesterliche Existenz heute“ gerade mit denen nicht zu reden, die sich exakt auf ein Leben als Priester vorbereiten? Mit dem Priestertum der katholischen Kirche tut man sich auf dem Synodalen Weg ohnehin schwer. Dann braucht man sich auch nicht in die Niederungen der Priesterausbildung zu begeben. Immerhin soll, so wurde es auf Antrag von der Vollversammlung beschlossen, überprüft werden, ob man überhaupt Priester braucht.

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Ein eindeutiger Antrag

Der Antrag war klar und eindeutig formuliert. Alle späteren Versuche der Abmilderung und Umdeutung können eines nicht verbergen: Zahlreiche Protagonisten auf dem Synodalen Weg tun sich schwer mit der Sakramentalität des Amtes. Da passt es durchaus ins System, dass man sich mit denjenigen, die sich aufs Priesteramt vorbereiten, am besten gar nicht erst auseinandersetzt. Man signalisiert ihnen damit, dass sie bestenfalls noch eingeschränkt nützlich sein werden, solange die Kirche sich entschließt, ein paar Vollmachten vorläufig doch noch an die Weihe zu binden. So könnte das Denken einer Vielzahl deutscher Kirchenfunktionäre umschrieben werden. Ehrlicherweise sollten die Funktionäre auf dem Synodalen Weg offen Farbe bekennen, ob sie Priester wollen oder nicht. Man sollte sie in dieser Frage nicht vom Haken lassen.

Pragmatische Seminaristen

Den Seminaristen kann man für den Pragmatismus ihrer Sprecher in der Tat nur Lob aussprechen. Obwohl auf dem Synodalen Weg etliche Teilnehmer eine latente Feindlichkeit dem sakramentalen Amt gegenüber kaum verhehlen, zeigen sich die Seminaristen verantwortungsbewusst und gesprächsbereit. Das ist zwar lobenswert, insofern die jungen Männer damit als künftige Priester zeigen, dass sie die Kirche in Deutschland trotz des Synodalen Weges nicht verloren geben. Das ist insofern sinnvoll, als tatsächlich Bischöfe einzelne Entscheidungen am Ende umsetzen könnten, die die Seminaristen unmittelbar betreffen. Auf der anderen Seite kann man nur dazu raten, eine klare innere Distanz zu wahren, damit man sich durch die zu erwartenden Frustrationen am Ende des Synodalen Weges nicht entmutigen lässt.

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