Wut, Frust und fehlende Perspektiven

Katholische Bischöfe suchen das Gespräch mit der Jugend im Heiligen Land. Von Andrea Krogmann
Udo Bentz
Foto: KNA | Enttäuschungen und Hoffnungen: Der Mainzer Weihbischof Udo Bentz hörte am 14. Januar 2018 zu, was junge Christen im Heiligen Land bewegt.

Jerusalem (DT) „Wir teilen die Hoffnung dieser Jugendlichen, denen wir im Heiligen Land begegnet sind, und wir erkennen die grundlegende Rolle an, die sie innerhalb des Friedensprozesses spielen“, heißt es in der Botschaft der Delegation katholischer Bischöfe zum Abschluss ihres 18. Solidaritätsbesuchs im Heiligen Land. Vertreter von Bischofskonferenzen aus 15 Ländern und dem Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) nahmen sich fünf Tage Zeit für das Gespräch und den Austausch mit jungen Christen, Muslimen und Juden in Israel, dem Westjordanland und dem Gazastreifen; Tage, in denen die Bischöfe versuchten, „die harte Wirklichkeit mit ihren Augen zu sehen“.

Es waren Worte der Hoffnung und des Wunsches nach einer friedlicheren Zukunft, die die Bischöfe bei ihren Besuchen in Schulen und Einrichtungen in der Region Bethlehem, in Jerusalem, in Modi'in und Emmaus-Qubeibeh hörten. Die Bischöfe sahen und hörten, was die Jugendlichen auf beiden Seiten des Konflikts vereint: Der Traum von einer friedlichen Koexistenz und der Möglichkeit zur Selbstverwirklichung, ein Traum gleichzeitig, in dem die Jugendlichen im Heiligen Land „immer nur enttäuscht“ worden sind, „von ihren eigenen Anführern ebenso wie von der internationalen Gemeinschaft“.

Die Bischöfe sahen aber auch die sehr unterschiedlichen Lebensrealitäten und Rahmenbedingungen, mit denen die jungen Menschen in Israel, dem Westjordanland und in Gaza bei der Suche nach einer besseren Zukunft konfrontiert sind. In Gaza etwa, so die Bischöfe, werden die jungen Leute weiterhin „um ihre Lebensmöglichkeiten gebracht“, im Westjordanland erleben sie „täglich die Verletzung ihrer Würde, was aufgrund der Besatzung inakzeptabler Weise leider zum Normalfall geworden ist“. Die Bischöfe sahen Wut über die politische Situation, Frust über fehlende Perspektiven im eigenen Land, Sorge vor einer Zukunft angesichts einer dramatischen Lage am Arbeitsmarkt.

Und die Bischöfe erlebten, was die Jugendlichen mehr noch als der bestehende Konflikt trennt: die Angst vor dem Unbekannten auf der anderen Seite. Fehlende Begegnungsmöglichkeiten und ausbleibender Dialog zwischen den Menschen in allen betroffenen Gebieten, sagen die Teilnehmer des Treffens, stellen ein schwerwiegendes Hindernis für ein friedliches Zusammenleben dar.

Gerade hier kommt Bildungseinrichtungen eine wesentliche Funktion zu, indem sie zusammen mit von den Jugendlichen initiierten Projekten „Schranken niederreißen“ und „Menschen die Instrumente zur Verwirklichung von Toleranz an die Hand geben“. Und nicht zuletzt unter diesem Aspekt ist auch die kleine christliche Gemeinde vor Ort „ein integraler Bestandteil dieses Szenarios, nicht nur dank des Beitrags ihrer eigenen jungen Leute, sondern auch dank der Zuwendung, die sie allen jungen Menschen bietet“. Wo junge Menschen verschiedener Herkunft, wie etwa Muslime und Christen an den christlichen Schulen, gemeinsam aufwachsen, so die einfache Wahrheit, wird der Grundstein für gegenseitiges Verstehen und damit das friedliche Zusammenleben gelegt, von dem die junge Generation im Heiligen Land träumt.

„Für eine ganze Generation ist die Aussicht auf Frieden erneut in weite Ferne gerückt, durch moralisch und rechtlich inakzeptable Entscheidungen, darunter insbesondere der jüngste Affront gegen den international anerkannten Status Jerusalems, der sowohl für Christen als auch für Juden und Muslimen Heiligen Stadt“, heißt es in der Schlussbotschaft.

Stärker als in früheren Jahren suchten die Bischöfe in diesem Jahr den Austausch und den Dialog mit einer breiten Bevölkerung vor Ort. Mehr als bisher nahm der diesjährige Solidaritätsbesuch dabei auch die jüdisch-israelische Perspektive mit in den Blick. Klar wurde bei diesen Gesprächen: Auf beiden Seiten des Konflikts sind junge Menschen bereit, für Veränderungen in ihrem Land zu kämpfen. Ihnen versprachen die Bischöfe zum Abschluss des Besuchs ihre Solidarität, nicht nur in Gebet und Begegnung, sondern aktiv in der Förderung von Dialog, bei der Beschaffung von Arbeitsplätzen und Wohnraum, aber auch im energischen Auftreten gegenüber jenen, „besonders unter unseren Politikern, die weitere Spaltung betreiben“.

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