Bekehrung

Wie ich den Glauben wiederfand

Für eine Taufpatenschaft holte ich meine Firmung nach und entdeckte einen neuen Zugang zu Gott.
Firmung
Foto: Achim Pohl | Victoria O. stellte mit der Vorbereitung auf die Firmung eine wichtige Weiche in ihrem Leben.

Ich dachte immer, ich bin mit mir und meinem Glauben im Reinen. Mein Mann als gebürtiger Pole hatte allerdings eine viel engere Verbindung zu seinem katholischen Glauben als ich. Ich ging meistens an Feiertagen mit seiner Familie in die Kirche, und mein Mann war damit zufrieden.

Ich dachte, mein Leben und mein Glaube sind in Ordnung, aber dann fing ich an, mit Gott zu schimpfen. Denn als mein damals noch zukünftiger Mann die schreckliche Diagnose Krebs in Form eines Gehirntumors bekam, klagte ich Gott an, wie er das meinem Liebsten antun könne.

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Gebet und Hoffnung

Ich betete in der Hoffnung, dass alles wieder gut wird. Mein lebensfroher Mann hatte so ein Schicksal nicht verdient. Aber es kam anders. Nach zehn schweren Monaten, in denen wir gekämpft hatten mit den Operationen, der Therapie und allen Nebenwirkungen und dann doch noch geheiratet haben, starb mein Mann plötzlich ohne Vorwarnung in meinen Armen.

Mit ihm war auch mein Glaube gestorben. Wie konnte Gott mir einfach meinen geliebten Mann nehmen? Trotz unserer Gebete, seine Familie hatte sogar in Polen eine Messe für ihn lesen lassen. In der Kirche, in der er getauft, zur Erstkommunion gegangen und gefirmt worden war, in der er Messdiener war, in der wir uns fünf Tage vor seinem unerwarteten Tod das Ja-Wort gegeben hatten, musste ich ihn nun zu Grabe tragen. Ab diesem Tag war dieses Haus für mich ein rotes Tuch. Ich schleppte mich nur jedes Jahr an seinem Todestag zur Trauermesse dorthin, konnte aber nicht mehr an all das glauben, an Gott und seine Gnade – an diesen Gott, der meinen Mann so plötzlich hat sterben lassen. Ich war so wütend.

Firmung nachgeholt

Die Jahre vergingen, drei Jahre sind nun vorbei gezogen. Ich war seit dem Tag, an dem mein Mann starb, nur zu Hochzeiten, Taufen oder Beerdigungen in der Kirche und hatte keine Gedanken mehr an Gott verschwendet.

Dennoch musste ich mir eingestehen, dass es einen Zeitpunkt gab, an dem ich mich wieder mit Gott beschäftigen musste. Als ich nämlich gefragt wurde, ob ich Patentante werden möchte, und die Seelsorgerin darauf bestand, dass ich mich firmen lasse, um Taufpatin werden zu können, beschäftigte ich mich wieder mit dem Thema „Gott“.
Mein Mann hatte mir damals schon gesagt, ich solle mir doch überlegen, die verpasste Firmung nachzuholen. Wegen eines Umzugs wurde ich damals vergessen und hatte keine Einladung zur Firmung erhalten. So würde ich den Weg nach meiner Taufe und Kommunion mit Gott weitergehen, sagte mein Mann. Diese Worte habe ich in Erinnerung behalten.

Patentante werden

Und auch mein Versprechen, eine gute Patentante zu werden und mit guten Vorbild voran zu gehen, brachte mich dann wieder in die Kirche – zur Vorbereitung auf meine Firmung, mit fast 28 Jahren.  In der Firmvorbereitung besprachen wir neben vielen anderen Themen auch, wer uns geprägt hat. Da konnte ich immer nur an meinen Mann, meine Oma, meine Familie, meine Zieh-Mama und meinen bereits verstorbenen besten Freund denken, denn jeder hat mir etwas mitgegeben und war vor all dem, was passiert ist, immer in meinen Gebeten aufgetaucht. Durch die Gespräche in der Firmvorbereitung und vor allem in dem Moment, in dem wir unser Glaubensbekenntnis entwerfen sollten, wurde mir klar, dass ich mit Gott noch etwas zu klären hatte – über all meine Trauer und Wut hinaus.

So kam es, dass ich mich wieder mit meinem Glauben an Gott auseinandergesetzt habe und ihn wiederfand – trotz allem, was passiert war.

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