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US-Katholiken: Massiver Vertrauensverlust in Kirche

Nur noch 31 Prozent der amerikanischen Katholiken haben Vertrauen in ihren Klerus – ein Rückgang um 17 Prozent. Doch auch bei Protestanten nimmt das Vertrauen in die Kirchenvertreter ab.
Vertrauen der US-Katholiken in die Kirche gesunken
Foto: Nicolas Armer (dpa) | Auch der Anteil der Katholiken, die regelmäßig die heilige Messe besuchen, ist im vergangenen Jahr mit 36 Prozent auf einen neuen Tiefstand gesunken.

Das Vertrauen der US-Katholiken in die Kirche ist im vergangenen Jahr stark gesunken. Nur noch 31 Prozent stufen das Maß an Ehrlichkeit und die ethischen Standards von Kirchenvertretern als „sehr hoch“ oder „hoch“ ein. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage des in Washington, D.C. ansässigen amerikanischen Meinungsforschungsinstituts „Gallup“. Im Jahr 2017 hatten noch 49 Prozent der Gläubigen den Kirchenoberen hohes oder sehr hohes Vertrauen ausgesprochen.

Einbruch so massiv wie noch nie

In den Jahren zuvor sei zwar immer ein steter Rückgang festzustellen gewesen, so die Gallup-Studie. Ein derart massiver Einbruch sei jedoch noch nie verzeichnet worden. Den Grund für den deutlichen Vertrauensverlust sieht das Meinungsforschungsinstitut in den zahlreichen Enthüllungen von Fällen sexuellen Missbrauchs durch Priester weltweit sowie den mutmaßlichen Versuchen, diese zu vertuschen.

Jedoch scheinen nicht nur katholische Gläubige in den USA der Kirche mehr und mehr das Vertrauen zu entziehen. Unter Protestanten genießt der Klerus zwar noch bei 48 Prozent der Befragten ein hohes oder sehr hohes Ansehen. 2018 markiert aber das erste Jahr, in dem dieser Wert unter die 50-Prozent-Marke fällt. An der Befragung, die Anfang Dezember durchgeführt worden war, nahmen den Angaben zufolge 1 025 Erwachsene teil.

Mehrheit der Katholiken hält Religion weiterhin für "sehr wichtig"

Im Juni 2018 war eine Gallup-Studie zu dem Ergebnis gelangt, dass das Vertrauen der amerikanischen Katholiken in die Kirche und in die Religion auf 44 Prozent gesunken war. Zum selben Zeitpunkt 2017 hatte der Wert noch bei 52 Prozent gelegen. Auch der Anteil der Katholiken, die regelmäßig die heilige Messe besuchen, ist im vergangenen Jahr mit 36 Prozent auf einen neuen Tiefstand gesunken.

Gleichzeitig kam die Gallup-Erhebung zu dem Ergebnis, dass eine Mehrheit der amerikanischen Katholiken Religion weiterhin als „sehr wichtig“ im Leben einstuft. Zudem sei der Anteil der Katholiken an der US-Bevölkerung nicht gesunken, was größtenteils auf eine wachsende hispanische Bevölkerungsgruppe zurückzuführen ist.

DT/mlu

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