„Schulden belasten nächste Generation“

Schönborn unterstützt Schuldenbremse der österreichischen Regierung. Von Stephan Baier
Christoph Schönborn
Foto: Cristian Gennari (KNA) | Der Wiener Erzbischof Schönborn.

Der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn begrüßt, dass die österreichische Bundesregierung keine neuen Schulden mehr machen möchte. Bei einer Pressekonferenz zum Abschluss der Frühjahrsvollversammlung der österreichischen Bischöfe, die erstmals gemeinsam in Sarajevo tagten, sagte Schönborn, die ÖVP habe 1970 das Land schuldenfrei an die nächste Regierung übergeben, doch jetzt betrage die Zinsenlast jährlich mehrere Milliarden. „Diese Schulden belasten die nächste Generation“, so der Wiener Kardinal. Die Entscheidung der neuen Regierung, ein Budget ohne neue Schulden zu erstellen, erfordere Mut und bedeute Opfer. Es brauche einen öffentlichen Diskurs darüber, wo gespart werden solle. „Aber wenn wir alle zusammenhalten, wird die Last der Opfer gerecht verteilt werden“, so Kardinal Schönborn.

Angesprochen auf das Amtsjubliäum von Papst Franziskus, meinte der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz: „Gott gibt der Kirche immer den Papst, den sie gerade braucht.“ Er habe Johannes Paul II. als „überragende Gestalt“ erlebt, und Benedikt XVI. habe die Kirche „mit unglaublicher Feinheit und Intelligenz geleitet“. Franziskus sei ein Vorbild für die Bischöfe, einfacher, bescheidener und menschennäher zu werden. Auch finde er weltweite Beachtung bei den Themen Umwelt und Schöpfungsverantwortung. „Zur DNA des Katholiken gehört die Liebe zum Papst“, so Schönborn wörtlich.

Die Frühjahrsvollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz wurde als „Zeichen der Solidarität“ in dieser Woche in Sarajevo abgehalten. Schönborn beklagte vor bosnischen und österreichischen Medienvertretern am Mittwoch in Sarajevo, dass die anhaltende Emigration die Gefahr berge, dass die Katholiken aus manchen Landesteilen Bosniens fast völlig verschwunden sind. Umso beeindruckender seien die zahlreichen Sozial- und Bildungseinrichtungen der katholischen Kirche in Bosnien-Herzegowina. Die Kirche unterstütze auch den Weg des Landes in Richtung eines Beitritts zur Europäischen Union, doch sei „ein gerechter Frieden noch nicht vollständig verwirklich“.

Auf eine Frage dieser Zeitung meinte der Kardinal von Sarajevo, Vinko Puljic, der Vertrag von Dayton habe 1995 zwar den Krieg gestoppt, doch sei die ethnische Säuberung der Kriegstreiber festgeschrieben worden. Eine Rückkehr der Vertriebenen sei im serbischen Landesteil (der Republika Srpska) weiterhin nicht möglich. Bosnien-Herzegowina brauche gleiches Recht für alle Bürger in allen Landesteilen. Der Versöhnungsprozess im Land brauche den Mut zur Wahrheit.
 
Eine ausführliche Reportage aus Sarajevo lesen Sie in der nächsten Ausgabe der „Tagespost“.

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