Vatikanstadt

Päpstlicher Freispruch für Marc Ouellet

Der Vatikan hat die Vorwürfe gegen den Kardinal wegen sexueller Belästigung überprüfen lassen und sieht keine Elemente für die Eröffnung eines kanonischen Verfahrens.
Papst Franziskus und Kardinal Ouellet
Foto: Fabio Frustaci via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Untersuchungen hätten ergeben, heißt es aus dem Vatikan, „dass es keine Elemente gibt, um einen Prozess gegen Kardinal Ouellet wegen sexueller Übergriffe eröffnen“.

Nach den in kanadischen Medien bekannt gewordenen Vorwürfen gegen Kardinal Marc Ouellet wegen sexueller Übergriffe in seiner Zeit als Erzbischof von Québec hat der Vatikan am heutigen Donnerstag bekannt gegeben, dass der Vatikan kein gerichtliches Verfahren gegen den Kurienpräfekten einleiten wird, der seit 2010 das für die Bischofsernennungen zuständige Dikasterium der Römischen Kurie leitet. In einer Erklärung von Vatikansprecher Matteo Bruni heißt es, dass entsprechende „Voruntersuchungen abgeschlossen“ seien, die Papst Franziskus dem Theologen Jacques Servais SJ anvertraut hatte. 

Keine Elemente für einen Prozess

Das Ergebnis dieser Untersuchungen sei es gewesen, so heißt es in der Erklärung Brunis weiter, „dass es keine Elemente gibt, um einen Prozess gegen Kardinal Ouellet wegen sexueller Übergriffe eröffnen“. Nachdem der Papst Pater Servais erneut gehört habe, habe dieser bestätigt, „dass es keinen Grund gebe, um eine Untersuchung sexueller Belästigung der Person F. durch Kardinal M. Ouellet einzuleiten“.

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Diese Elemente gingen weder aus dem Bericht von Pater Servais hervor, der an Papst Franziskus geschickt worden sei, noch aus der Zeugenbefragung, die Pater Servais via Zoom im Beisein eines Mitglieds einer diözesanen ad hoc-Kommission durchgeführt habe und bei der die betroffene Person F. keine Anschuldigungen vorgebracht habe, die als „Materie“ für einer solchen Untersuchung zu betrachten seien.

Sammelklage gegen Geistliche in Québec

Pater Servais war vor dem Eintritt in den Ruhestand Professor für Theologie an der päpstlichen Gregoriana-Universität und Berater der Glaubenskongregation. Kanadische Medien hatten berichtet, im Zuge einer Sammelklage gegen 88 Geistliche und Mitarbeiter der Erzdiözese Québec wegen sexueller Übergriffe sei auch der heute 78 Jahre alte Kardinal Ouellet, der bis 2010 Erzbischof von Québec war, von einer ehemaligen Praktikantin beschuldigt worden, sie in den Jahren 2008 bis 2010 mehrfach unsittlich berührt zu haben. Mit der jetzigen Erklärung des vatikanischen Pressesprechers ist nun klar, dass der Vatikan kein kanonisches Verfahren gegen den Kardinal eröffnen wird.  DT/gho

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