ÖRK-Vollversammlung

Ökumene-Experte: Ukraine-Krieg belastet Beziehung zur Orthodoxie

Die Autorität des Moskauer Patriarchen Kyrill sei infolge seines Pro-Putin-Kurses auch innerorthodox merklich gesunken, so Johannes Oeldemann.
Patriarch Kyrill nimtt nicht  an der 11. Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen teil
Foto: IMAGO/Vyacheslav Prokofyev (www.imago-images.de)

Heute beginnt die 11. Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen. Ihm gehören 352 Kirchen und christliche Gemeinschaften aus mehr als 120 Ländern an, die weltweit über 580 Millionen Christen vertreten. Mit Karlsruhe ist erstmals eine deutsche Stadt Gastgeber dieser weltweiten Versammlung.

Stellungnahmen überwiegend auf Kritik gestoßen

Der Direktor des katholischen Johann-Adam-Möhler-Instituts für Ökumenik in Paderborn, Johannes Oeldemann, unterstreicht im Gespräch mit der „Tagespost“, die Belastung, die der Ukraine-Krieg für die Beziehungen der orthodoxen Kirchen untereinander bedeutet. Dies betreffe nicht nicht nur die Ukraine und Russland, sondern auch die Beziehungen der Orthodoxen zu den anderen, westlichen Kirchen.

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Die Autorität des Moskauer Patriarchen Kyrill sei infolge seines Pro-Putin-Kurses auch innerorthodox merklich gesunken. Er habe zuvor als Oberhaupt der zahlenmäßig größten orthodoxen Kirche sicherlich eine große und wichtige Rolle gespielt, aber seine Stellungnahmen zum Krieg seien überwiegend auf Kritik gestoßen, nicht nur im Westen, sondern auch innerorthodox.

Dass der Moskauer Patriarch in Karlsruhe nicht persönlich teilnehmen wird, steht aus Sicht Oeldemanns allerdings in keinem ursächlichen Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg. Es sei eigentlich nicht üblich, dass Patriarchen einer orthodoxen Kirche an einer solchen Vollversammlung teilnehmen. In der Regel beauftragen sie einen Metropoliten oder einen anderen Bischof, die Delegation zu leiten, die zu so einer Vollversammlung fährt. Nach Kenntnis Oeldemanns werde auch keiner der Patriarchen der anderen orthodoxen Kirchen in Karlsruhe anwesend sein.

Lesen Sie das ausführliche Interview mit Johannes Oeldemann in der kommenden Ausgabe der "Tagespost".

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