Junge Federn

Kreuz und Auferstehung

Die Karwoche ist die Aufforderung an uns, den Blick auf das Kreuz zu richten und durch das Kreuz die Auferstehung zu erlangen.
Palmsonntagsprozession
Foto: Swen Pförtner (dpa) | Kreuze müssen angepackt und angeschaut werden. Man darf sich vor ihnen nicht davonschleichen oder versuchen, sie zu ignorieren. Auch Jesus hat das nicht getan. Im Bild: Palmsonntagsprozession im thüringischen Eichsfeld.

Der Palmsonntag markiert einen herben Einschnitt in diesen Tagen der österlichen Bußzeit. Alles scheint plötzlich verändert: Die Stille dieser Tage wird durchbrochen vom Jubel der Menschen, die am Wegrand stehen und „Hosanna“ rufen. Die Kargheit dieser Fastenzeit wird mit dem feierlichen Einzug Jesu in Jerusalem ins Gegenteil verkehrt. Alles scheint plötzlich verändert. Und doch: Der Palmsonntag bildet das Eingangstor zur Karwoche, in der wir aufs Neue das Mysterium von Leiden, Tod und Auferstehung Jesu feiern. Der palmsonntägliche Jubel ist nur von kurzer Dauer, stille und traurige Tage liegen vor uns.

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Die Karwoche ist von einer eigentümlichen Spannung geprägt

Die Karwoche ist von einer eigentümlichen Spannung geprägt. Einerseits blicken wir schon aus nach Ostern, wir wissen, was uns am Ende dieser Woche erwartet. Aber andererseits stehen vorher auch noch Gründonnerstag und Karfreitag, der Abschied Jesu und sein Sterben am Kreuz. Beides aber gehört untrennbar zusammen: Kreuz und Auferstehung, Trauer und Jubel. Die Karwoche ist eine Einladung an uns, das ganze Leben in diesem Spannungsfeld zwischen Kreuz und Auferstehung zu betrachten. Sie zeigt uns, dass wir den Karfreitag nicht isoliert betrachten dürfen, sondern immer nur in Zusammenhang mit Ostern. Wenn wir unsere Kreuze so betrachten, dann können wir zur Auferstehung gelangen und sie zum Leben verwandeln.

In unserer Zeit und Gesellschaft gibt es so viele Kreuze. Die Karwoche lehrt uns, sie nicht alleine zu betrachten. Wenn wir nur beim Kreuz stehenbleiben, dann erdrückt es uns, dann bleibt es unausweichlich. Kreuze müssen angepackt und angeschaut werden. Man darf sich vor ihnen nicht davonschleichen oder versuchen, sie zu ignorieren. Auch Jesus hat das nicht getan. Er hat sein Kreuz auf sich genommen und es hinauf nach Golgota getragen. Nur so konnte er den Plan Gottes erfüllen. Nur so konnte er zur Herrlichkeit der Auferstehung gelangen. Und so auch heute: Wenn wir die Welt zur Auferstehung bringen wollen, wenn wir den Menschen zeigen wollen, dass hinter dem Kreuz die Erlösung wartet, dann müssen wir sie anpacken, dann müssen wir daran arbeiten, dass sie aus unserer Welt verschwinden. Nur so wird Auferstehung durch das Kreuz möglich.

Menschliches Leben kommt nicht am Kreuz vorbei

Der Palmsonntag nimmt diese Spannung der Karwoche auf. Er zeigt uns, dass unser menschliches Leben nicht am Kreuz vorbeikommt. Zu unserem Leben gehören die Kreuze. Wir kommen nur zur Auferstehung, wenn wir uns an den Kreuzen der Welt nicht vorbeischleichen. Die Karwoche ist die Aufforderung an uns, den Blick auf das Kreuz zu richten und durch das Kreuz die Auferstehung zu erlangen. Dann können wir die Kreuze in unserer Welt in Leben wandeln, dann erwächst aus der Trauer der österliche Jubel, der nicht mehr endet.

Der Autor, 28, promoviert in katholischer Theologie

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