Junge Federn: Der Sonntag gehört Christus

Von Fabian Brand
Marias Milch (II)

Im neuen Gotteslob gibt es unter der Nummer 103 erstmals ein Sonntagslied in unserem Gesangbuch. Nicht nur die Melodie ist eingängig und mancherorts längst durch das Marienlied „Sei gegrüßt, du Gnadenreiche“ bekannt. Auch der Text von Peter Gerloff ist überzeugend und aufgrund der vielen Themen, die angeschlagen werden, tiefgehend und weiterführend.

In früheren Zeiten war der Sonntag der ausgesprochene Ruhetag in der Woche. Er war geprägt vom Gedanken, dass der Sonntag der Tag des Herrn und dass jeder Sonntag ein kleines Osterfest ist. Das hat den Sonntag so besonders und inmitten einer arbeitsintensiven Woche zur Oase des Durchschnaufens und der Regeneration gemacht. Der Sonntag war eben ein herausragender Tag, ein Tag, der sich grundlegend von den anderen Wochentagen unterschieden hat.

Heute mag das anders sein. Wenn darüber diskutiert wird, ob Geschäfte am vierten Adventssonntag öffnen sollen, dann deutet das schon an, dass sich die Zeiten gewandelt haben. Längst haben viele Menschen kein Verständnis mehr für den Sonntag als arbeitsfreien Ruhetag. „Verkaufsoffene Sonntage“ nehmen zu, man möchte wenigstens am Sonntag einmal in Ruhe shoppen. Dass damit der Sonntag für viele Menschen zum normalen Arbeitstag wird, nimmt man dadurch in Kauf. Letztlich geht es aber um tieferreichendes: Wenn der Sonntag immer mehr zum Wochentag wird, verliert er zunehmend seinen Charme, wird er ein beliebiger Tag. „Dieser Tag ist Christus eigen“, beginnt das Sonntagslied im Gotteslob und weist damit auf etwas Zentrales hin. Der Sonntag ist nicht irgendein beliebiger Tag, über den wir verfügen können, wie es uns beliebt. Der Sonntag ist Tag des Herrn, ist der gottgeschenkte Ruhetag, der seine Einsetzung in der Schöpfung erfährt. Gerade dadurch erhält der Sonntag eine besondere Heiligkeit, die wir eigentlich nicht antasten dürfen. Und dabei geht es nicht einfach nur darum, den Sonntag als Tag der Auferstehung Jesu besonders zu feiern. Der Sonntag ist für uns Menschen da. Es ist der Tag, an dem wir nichts leisten müssen, an dem wir ausruhen dürfen und uns für die kommende Woche erholen. Es ist der Tag, an dem Gottes Leben in unserem Menschenleben schon heute spürbar wird. „Mühsal, Streit und Plage“ darf man für einen Tag vergessen. Am Sonntag gilt es, fröhlich vor Gottes Angesicht zu sein, sich des Lebens und seiner Gegenwart zu erfreuen.

Der Sonntag ist der Tag, der unsere Welt auf die neue Welt hin öffnet. Es ist der Tag, der uns heute schon spüren lässt, was uns einst im Reich Gottes in Fülle erwartet. Deswegen ist es auch gut, den Sonntag nicht zum Werktag verkommen zu lassen, ihn bewusst freizuhalten und zu genießen. Und er ist der Tag der Gottesbegegnung: An ihm dürfen wir in besonderer Weise auf Gottes Wort hören und das Geheimnis der Auferstehung miteinander feiern. Das macht den Sonntag zu einem heiligen Tag. Wir können letztendlich nur darum bitten, dass alle Menschen Anteil erhalten an diesem gotterfüllten Tag und, „dass für alle Sonntag wird“.

Der Autor, 27, promoviert in Katholischer Theologie

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