Junge Federn

Der Lichtbringer

Wir sind dazu aufgefordert, dieses Licht als das Licht der Ewigkeit zu begreifen. Von Martin Seiberl
Martin Seiberl, freier Autor "Junge Federn"

Das wohl charakteristischste Zeichenelement dieser Zeit im Kirchenjahr ist das Licht. Die Symbolik des „hell Werdens“ nimmt bereits bei den Laternenumzügen des Martinsfestes ihren Anfang. Sie führt weiter über das zunehmende Licht auf den Adventskränzen, hin zu dem immer heller werdenden Licht, das am Ende das Licht von Weihnachten sein wird.

Die Botschaft des Lichtes wird freilich erst eine von selbst sprechende, wenn sie als Kontrastfolie die Finsternis, die Dunkelheit vorfindet. In unseren Breitengraden bieten die langen, kalten und dunklen Nächte eine ideale Kulisse für das Licht, das diese Dunkelheit vertreiben will und es zurückzuweisen vermag.

In dieser Symbolik des Lichtes legt sich unser Glaube selbst aus. Er ist das Licht in unserem Leben. Er macht alle Dunkelheiten hell. Er nimmt den Schatten des Todes hinweg und schenkt uns eine lichte Zukunft, die über den Tod hinaus gedacht werden darf.

Kaum ein Phänomen unserer Umwelt ist so positiv geprägt wie das Licht. Zum Licht haben wir Menschen ein natürliches, ein urtümliches Vertrauen. Vor der Dunkelheit hingegen eine natürliche Scheu. Denken wir nur an die Phase viele Kinder, die ohne ein Nachtlicht nicht einschlafen können. Das Licht gibt uns Sicherheit. Das Licht hilft uns, damit wir uns orientieren können. Gerade für ein Kind bedeutet die Finsternis ein Unbehagen: Die Dinge nicht sehen zu können – ein Zustand des Ausgeliefert-seins. Und auch wenn es so nicht immer benannt wird, die Dunkelheit hat vor allem mit dem Tod zu tun, dem wir Menschen alle ausgeliefert sind. Wenn ein Mensch die Augen für immer schließt und der Blick in ewiger Schwärze versiegt, dann erlischt das Lebenslicht.

Nun ist es das, was die Advents- und Weihnachtstage mittragen, den Gedanken des Todes. Auch wenn wir das in diesen stimmungsvollen Tagen nicht gerne hören, bei aller Gemütlichkeit und weihnachtlicher Vorfreude. Letzten Endes lebt die Freude des Weihnachtsfestes von nichts anderem her als dem Sieg Jesu über den Tod, als der Überwindung der Todesdunkelheit durch das Licht des Lebens. In der Ikonographie greifen viele Darstellungen von der Geburt unseres Herrn Jesus Christus dieses Motiv auf und zeigen kunstvoll die Verbindung des Weihnachtsfestes mit der Auferstehung Jesu. So wird das Jesuskind auf diesen Ikonen in einer Krippe dargestellt, die einem Sarg gleicht, also unmissverständlich den Bogen von der Menschwerdung zu Tod und Auferstehung Jesu schlägt. In gewisser Weise ist Weihnachten ohne Ostern nicht zu denken.

Das Licht dieser Tage ist also der Abglanz des Osterlichtes. Der Adventskranz entfaltet in seinem zunehmenden Licht das Licht der Osterkerze, das in der Osternacht in die dunklen Kirchen hineingetragen wird und nach Jesaja dem Volk, das im Dunkeln lebt, als helles Licht aufstrahlt. Wir sind dazu aufgefordert, dieses Licht als das Licht der Ewigkeit zu begreifen, das uns als schwacher Abglanz in den Lichtern des Advents an allen Enden begegnet.

Der Autor, 29, ist Priester in der Pfarrei St. Georg in Amberg

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