Kirche

Im Milieu steckt der Habit

Woher kommen die jungen Ordensleute für die Kirche von morgen? Eine amerikanische Studie bescheinigt traditionell katholischen Familien die besten Chancen. Von Regina Einig
Weltjugendtag in Madrid
Foto: Symbolbild: KNA | Die Welt steht den Menschen heute offen, aber die Weichen für geistliche Berufungen werden nach wie vor an wenigen Orten gestellt.

Gut ausgebildet, berufserfahren und mit einer intensiven Beziehung zur eucharistischen Anbetung und zum Rosenkranzgebet. So tickt einer aktuellen US-Studie zufolge der junge Ordensnachwuchs. Sie wurde vom Forschungszentrum CARA der Georgetown University in Washington im Auftrag der amerikanischen Bischofskonferenz unter den in den Vereinigten Staaten angesiedelten katholischen Ordensgemeinschaften durchgeführt und erfasste die Biografien von 70 Männern und 92 Frauen, die 2018 ihre ewige Profess ablegten. In Nordamerika konzentriert sich der Ordensnachwuchs inzwischen auf wenige Institute und Konvente. Achtzig Prozent der Klöster und Institute, die sich an der Studie beteiligten, feierten im vergangenen Jahr keine Ewige Profess. In dreizehn Prozent legte ein Mitglied die ewigen Gelübde ab, und lediglich sieben Prozent hatten zwei oder mehr Ewigprofessen. Der Studie zufolge ähneln sich die Profile derjenigen, die sich definitiv an einen Orden binden. Wer von Geburt an in einer kinderreichen katholischen Familie sozialisiert wird, eine Beziehung zu traditionellen Frömmigkeitsformen gewinnt, einen Seelenführer beziehungsweise geistlichen Begleiter hat und eine katholische Schulbildung erhält, findet mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit den Weg ins Kloster oder eine Ordensgemeinschaft als seine Gleichaltrigen. Mehr als zwei Drittel der Befragten gaben an, dass beide Eltern katholisch sind. 45 Prozent hatten vier oder mehr Geschwister, 34 Prozent wuchsen in Familien mit drei oder vier Kindern auf. Die Hälfte der jungen Ordensleute hatte eine katholische Grundschule besucht. Hohe Schnittmengen ergeben sich auch im Vergleich der Ausbildung: Zwei Drittel hatten mindestens einen Bachelor-Abschluss, wobei die Zahl der männlichen Absolventen (79 Prozent) höher lag als die der Frauen (65 Prozent). Fast drei Viertel brachte Berufserfahrung mit in den Orden.

Der höchste gemeinsame Nenner ergab sich allerdings in puncto Frömmigkeitspraxis: 91 Prozent der Ewigprofessen hatte vor dem Eintritt regelmäßig an Gebetstreffen teilgenommen, wobei die eucharistische Anbetung an erster Stelle liegt. Auch das Rosenkranzgebet, Exerzitien und ein Seelenführer beziehungsweise geistlicher Begleiter sind der Studie zufolge wichtige Indikatoren für die Entscheidung zum Ordensleben. Persönliche Ansprache und Vorbilder spielen ebenfalls eine wichtige Rolle: 78 Prozent der Befragten war von jemandem zum Eintritt in den Orden ermutigt worden.

Auch wenn das Eintrittsalter der Kandidaten in den vergangenen Jahren gestiegen ist, haben die meisten schon in jungen Jahren den Wunsch gehabt, Christus ganz nachzufolgen: Die Hälfte der Befragten gab an, mit achtzehn Jahren oder zuvor erstmals an ein Leben im Orden gedacht zu haben. Die Studie weist die guten familiären und sozialen Netzwerke der Ordensleute nahe, denn lediglich neun Prozent gaben an, dass ein typisch amerikanisches Phänomen den Ordenseintritt verzögerte: die hohen finanziellen Belastungen durch Studienkredite, mit denen viele junge US-Akademiker ins Berufsleben starten. Familie, Freunde und Arbeitskollegen halfen bei der Schuldentilgung. Markante Abweichungen verzeichnet die Studie beim Alter des Ordensnachwuchses. Der jüngste Ordensbruder band sich mit 22 Jahren auf Lebenszeit an sein Kloster, die älteste Ordensfrau war 75 Jahre alt. Das Durchschnittsalter der Ewigprofessen betrug 38 Jahre. Doch stellten gerade die Konvertiten unter den Professen die Weichen früh: Das Durchschnittsalter bei ihrem Übertritt in die katholische Kirche lag bei neunzehn Jahren.

Ein hoher Anteil der Ordensleute (88 Prozent) hatte vor dem Eintritt an einem Berufungswochenende teilgenommen oder eine Zeit lang im Kloster mitgelebt. Unter den Angeboten wurde am häufigsten das in den USA etablierte Konzept „Come and see“ (Komm und sieh) genannt, das von vielen Ordensgemeinschaften angeboten wird, um den Konvent und das Ordensleben kennenzulernen und Klarheit über die eigene Berufung zu gewinnen. Die persönliche Begegnung mit Ordensleuten wurde am häufigsten als zündende Erfahrung genannt, die bei der Selbstvergewisserung half.

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