„Ecclesia Dei“ vor dem Aus

Ein entsprechendes „Motu proprio“ des Papstes war zu Weihnachten bereits fertig. Von Guido Horst
Davide Pagliarani
Foto: KNA | Im Juli wurde Davide Pagliarini zum neuen Generaloberen der Priesterbruderschaft St. Pius X. gewählt. Seither hat sich der Konflikt zwischen Piusbrüdern und Vatikan wieder verschärft.

Kurz vor Weihnachten hat der Vatikan ein bereits zur Veröffentlichung anstehendes „Motu proprio“ des Papstes nochmals zurückgezogen, in dem es um die Auflösung der Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“ gehen soll. Die Aufgaben dieser Kommission, die zwar unter dem Dach der Glaubenskongregation angesiedelt war, aber eine relativ eigenständige Arbeit leisten konnte, sollen in Zukunft von einem Büro innerhalb der Kongregation für die Glaubenslehre weitergeführt werden. Das berichten anonyme Quellen aus der Kurie. Johannes Paul II. hatte die Kommission 1988 gegründet, nachdem Erzbischof Marcel Lefebvre zuvor vier Bischöfe geweiht hatte und der Vatikan daraufhin Levebvre wie auch die vier Bischöfe exkommuniziert hatte. Dreißig Jahre lang war die Kommission Anlaufstelle für Gemeinschaften, die dem alten Ritius verbunden sind, aber Lefebvre nicht ins Schisma folgen wollten. So errichtete die Kommission „Ecclesia Dei“ 1988 die Priesterbruderschaft Sankt Petrus für Priester, die Levebvre zunächst verbunden waren, aber nach den unerlaubten Bischofsweihen die Einheit mit Rom nicht aufgeben wollten.

„Ecclesia Dei“: Spekulationen über Grund der Auflösung 

Zurzeit wird noch darüber spekuliert, warum „Ecclesia Dei” in der bisherigen Form nicht weiter bestehen soll. Die einen verweisen auf eine Normalisierung in den Beziehungen Roms zu den altrituellen Gemeinschaften, vor allem nach der Wiederzulassung des alten Ritus durch das Apostolische Schreiben „Summorum pontificum” von Benedikt XVI. im Jahr 2007. Mit diesem „Motu proprio“ und der Aufhebung der Exkommunikation der vier Lefebvre-Bischöfe 2009 begann auch eine Annäherung zwischen dem Vatikan und der Pius-Bruderschaft, für die nicht nur, aber hauptsächlich auch die Kommission „Ecclesia Dei“ zuständig war. Mit der Wahl eines neuen Generaloberen der Bruderschaft, des Italieners Davide Pagliarini, vor wenigen Monaten verschärfte sich aber wieder der Ton zwischen Rom und der Leitung der Levebrianer. Nun ging es nicht mehr um eine endgültige Aussöhnung und die Zuerkennung eines kanonistischen Status der Bruderschaft, sondern Pagliarini fordert vom Papst eine Rücknahme beziehungsweise Korrektur der von den Lefebvrianern kritisierten Texte des Zweiten Vatikanums. Bei einem ersten Besuch von Pagliarini in der Glaubenskongregation wurde von diesem festgehalten, jetzt stünden in den Gesprächen mit Rom wieder doktrinelle Fragen im Vordergrund und nicht allein formale Fragen wie etwa die kirchenrechtliche Natur der Bruderschaft. Fragen dieser Art berühren aber die Zuständigkeiten der Glaubenskongregation, in der „Ecclesia Dei“ bald aufgehen soll.

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